Wer im Oktober rund um die Uni Saarland unterwegs ist, sollte auf den Straßen durch den Wald und an Waldrändern den Fuß vom Gas nehmen. Zwischen Oktober und Dezember passieren laut Deutschem Jagdverband (DJV) besonders viele Wildunfälle. Heute, am 17.10.2026, beginnt genau diese heikle Phase.

Im Herbst sind Wildschweine und Damhirsche auf Partnersuche. Dafür legen sie größere Strecken zurück, suchen zugleich Futter für den Winterspeck und geeignete Winterquartiere. Dazu kommt die frühe Dunkelheit: Wildtiere sind vor allem in der Dämmerung aktiv, wenn die Sicht für Autofahrer ohnehin schnell schwierig wird.

Wenn der Wald plötzlich auf die Straße reicht

Auswertungen des DJV-Tierfundkatasters über zehn Jahre zeigen von Oktober bis Dezember einen klaren Unfallschwerpunkt. Eine aktuelle DJV-Auswertung basiert auf mehr als 102.000 Meldungen, die zwischen 2017 und 2025 bundesweit eingegangen sind. Besonders häufig kracht es in der Dämmerung sowie in und an Wäldern.

Über das gesamte Jahr entfielen nach den genannten Daten 51 Prozent der Wildunfälle auf Rehe, 11 Prozent auf Hasen und Kaninchen und 6 Prozent auf Füchse. In der bundesweiten Auswertung machen Rehe 49 Prozent der gemeldeten Wildunfälle aus. Sie sind damit die häufigste und am weitesten verbreitete Hirschart Deutschlands. Füchse, Dachse, Waschbären und Marderhunde kommen zusammen auf 14 Prozent, Hasen und Kaninchen auf 10 Prozent.

Wildschweine liegen in der einen Statistik auf Platz fünf der genannten Unfallverursacher, in der DJV-Auswertung der häufigsten Unfallopfer auf Platz sechs – gemeinsam mit dem Igel. Ihre meisten Unfälle ereignen sich von Oktober bis Dezember, vor allem zwischen 6 und 10 Uhr. Die Maisernte nimmt den Tieren Nahrung und Unterschlupf, wodurch sie zusätzlich in Bewegung geraten. Bei einem Aufprall mit 60 km/h wirken Kräfte, als würde ein Nashorn auf die Motorhaube treffen. Das ist kein Bild, bei dem man noch schnell aufs Handy schauen möchte.

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Auch Damwild wird im Herbst unruhiger. Die meisten Unfälle passieren von Oktober bis November; die Paarungszeit erhöht die Aktivität. Damhirsche sind deutlich kleiner als Rothirsche und leben bevorzugt in Rudeln. Ihre Reviere liegen vor allem in deckungsreichen Laub- und Mischwäldern mit Freiflächen und Lichtungen. Damwild kommt besonders in Nord- und Ostdeutschland vor. Wegen seines hohen Körperschwerpunkts kann ein Tier über die Motorhaube in die Frontscheibe geschleudert werden.

Rehe, Rudel und ein erstaunlich gutes Dämmerungsauge

Männliche Damhirsche können bis zu 120 Kilogramm wiegen, weibliche bis zu 50 Kilogramm. Wildschweine bringen sogar bis zu 200 Kilogramm auf die Waage. Ihre Paarungszeit dauert normalerweise von November bis Januar. In freier Wildbahn paaren sie sich inzwischen jedoch nahezu das ganze Jahr über.

Wildschweine haben mehr Stäbchen als Zapfen in der Netzhaut und sehen deshalb in der Dämmerung besser als Menschen. Für sie ist die graue Stunde also kein echtes Hindernis. Für Motorrad- und Autofahrer schon eher, besonders wenn zwischen Baumstämmen, Leitpfosten und Gegenverkehr plötzlich Bewegung auftaucht.

Der DJV rät, in dieser Zeit vorausschauend zu fahren. An unübersichtlichen Wald- und Feldrändern sollte man in der Dämmerung langsamer werden. Vorsicht gilt auch auf neuen Straßen durch Wälder und an Waldrändern: Tiere nutzen ihre gewohnten Wege weiter, Straßenbau hin oder her.

Taucht ein Tier am Straßenrand auf, heißt es abblenden, hupen und bremsen. Bei einem drohenden Zusammenstoß stark bremsen – nicht ausweichen. Mit weiteren Tieren rechnen: Wild ist häufig in Gruppen unterwegs. Wer im Wald 80 statt 100 km/h fährt, kann den Bremsweg um etwa 25 Meter verkürzen. 25 Meter, das ist nicht wenig; ungefähr ein ordentliches Stück Gehsteig.

Was nach dem Zusammenstoß zu tun ist

Nach einem Unfall die Warnblinkanlage einschalten, die Warnweste anziehen, das Warndreieck aufstellen und die Polizei verständigen. Tote Tiere dürfen nur mit Handschuhen angefasst werden, zu lebenden Tieren sollte man Abstand halten. Das Wild darf nicht mitgenommen werden – das gilt als Wilderei und ist strafbar.

Auch geflüchtete Tiere müssen gemeldet werden. Jäger können sie mit speziell ausgebildeten Hunden suchen. Für die Versicherung lässt man sich von der Polizei oder einem Jäger eine Wildunfallbescheinigung ausstellen.

Hinter den Zahlen steckt das bundesweite Tierfund-Kataster. Nutzer können Wildunfälle systematisch melden; die Daten helfen dabei, Unfallschwerpunkte zu erkennen und zu entschärfen. Meldungen sind über eine kostenlose App für iPhone und Android möglich. Auf der Website werden die Funde in interaktiven Karten und Diagrammen dargestellt.

Gestartet wurde das Projekt 2011 vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ende 2016 weitete der DJV es auf ganz Deutschland aus. Für die Fahrt von der Uni Saarland nach Hause bleibt heute trotzdem vor allem eines: langsam durch die Dämmerung, Augen auf – und bitte nicht darauf hoffen, dass der Wald schon irgendwie wartet.