Simon Lucks aus Halle war noch ein junger Mann, als die Depressionen in sein Leben kamen. Vor etwa zwölf Jahren wollte er es beenden. Ein Anruf seiner Mutter erreichte ihn damals möglicherweise im entscheidenden Moment; mehr ist aus dem vorliegenden Textausschnitt dazu nicht bekannt.

Heute ist Lucks 34 Jahre alt und spricht offen über seine psychische Erkrankung. Mit Therapie und Unterstützung gelang ihm der Weg aus einer schweren depressiven Phase. Seine Geschichte ist nicht glatt und nicht schnell erzählt – eher ein langer Weg zurück ins Licht. Gerade deshalb möchte er anderen Menschen mit psychischen Erkrankungen Mut machen.

Psychische Erkrankungen sollten kein Tabu sein, betont Lucks. Sein persönlicher Umgang damit steht damit auch für eine größere Frage: Wie kann Hilfe aussehen, wenn Niedergeschlagenheit, Rückzug und Hoffnungslosigkeit nicht nach ein paar schlechten Tagen wieder verschwinden?

Mehr als 92.000 Diagnosen in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind aktuell mehr als 92.000 Menschen mit einer wiederkehrenden Depression diagnostiziert, die Zahl steigt. Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Unterschieden wird unter anderem zwischen einer schweren depressiven Episode, die erstmals oder wiederholt auftreten kann, und einer chronischen Depression.

Eine schwere depressive Episode zeigt sich durch anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und deutliche Einschränkungen im Alltag. Chronisch wird eine Depression genannt, wenn die Beschwerden mindestens zwei Jahre bestehen. Für Patient:innen mit schweren oder chronischen Depressionen baut die Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle das stationäre Therapieangebot der Station Hauptmann aus.

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Neu hinzu kommen CBASP, ausgeschrieben Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, und rTMS, die repetitive transkranielle Magnetstimulation. Beide Verfahren ergänzen die bereits etablierte leitlinienorientierte Behandlung auf der Station.

CBASP: Beziehungen im Mittelpunkt

CBASP wurde speziell für Menschen mit chronischer Depression entwickelt. Im Mittelpunkt stehen zwischenmenschliche Beziehungen – also die Art, wie Betroffene andere erleben, Beziehungen gestalten und selbst auf andere wirken.

Viele Erkrankte haben früh, teilweise bereits in der Kindheit, belastende Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen gemacht. Solche Erlebnisse können lange nachwirken und Gefühle von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit begünstigen. Bei chronischer Depression besteht außerdem ein erhöhtes Risiko für Abhängigkeitserkrankungen und Suizidalität.

Im therapeutischen Prozess sollen Patient:innen besser verstehen, wie ihr eigenes Verhalten mit den Reaktionen anderer zusammenhängt. Daraus kann entstehen, Beziehungen erfüllender zu gestalten und stärker nach den eigenen Bedürfnissen zu handeln. In Kombination mit Medikamenten hat sich CBASP bei chronischer Depression als wirksam erwiesen.

Auch das Stationsteam wird eingebunden: Das gesamte Pflegeteam erhält eine CBASP-Basisschulung. Ausgewählte Pflegefachpersonen vertiefen ihre Kenntnisse zusätzlich und fungieren als Ansprechpartner:innen für das Team.

Magnetimpulse statt Eingriff

Bei rTMS sendet eine Spule kurze Magnetimpulse durch die Schädeldecke. Das Verfahren ist schmerzfrei und nicht-invasiv. Die Impulse lösen gezielt Aktionspotenziale im Gehirn aus und beeinflussen die Aktivität bestimmter Hirnregionen.

Angesprochen wird insbesondere der dorsolaterale präfrontale Kortex. Er ist unter anderem an Konzentration, logischem Denken und der Regulation der Stimmung beteiligt. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt; die Datenlage zur Wirksamkeit bei Depressionen gilt laut Klinik inzwischen als gut.

rTMS ist eine leitliniengerechte Therapieoption und wird vor allem empfohlen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Eine Sitzung dauert 10 bis 30 Minuten. Behandelt wird an Werktagen über mehrere Wochen, während weitere Therapien fortgeführt werden und das psychische Befinden engmaschig überprüft wird.

Nach den ersten Sitzungen können vorübergehend Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Meist sind diese Beschwerden kurzzeitig und nehmen im weiteren Verlauf deutlich ab. Kognitive Nebenwirkungen werden nicht erwartet.

Im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit beteiligt sich die Universitätsklinik außerdem an Forschungsprojekten zur Weiterentwicklung der rTMS. Die Methode soll wirksamer und zielgenauer werden und künftig auch für weitere Erkrankungen nutzbar sein.

Für Menschen wie Simon Lucks ersetzt ein neues Verfahren keine persönliche Geschichte, keine Therapie und keine Unterstützung durch andere. Aber die Behandlungsmöglichkeiten wachsen. In Halle wird daran gearbeitet – auf Station Hauptmann, in Gesprächen, mit Medikamenten, Magnetimpulsen und viel Geduld.