Christian Dirschauer soll den SSW als Spitzenkandidat in die schleswig-holsteinische Landtagswahl 2027 führen. Der Landesvorstand schlug den Flensburger am 26. September 2026 auf dem SSW-Landesparteitag dafür vor. Dirschauer ist Vorsitzender der SSW-Landtagsfraktion und gehört dem Schleswig-Holsteinischen Landtag seit 2020 an.

Der Parteitag fand in Harrislee statt. Damit ist die Entscheidung über seine Spitzenkandidatur politisch auf den Weg gebracht. Zuvor hatte der SSW-Landesvorstand Dirschauer bereits am 7. Juni 2026 bei einer Klausurtagung in Steinbergkirche einstimmig nominiert; endgültig entscheiden mussten nun die Delegierten.

Ein Mann aus Flensburg mit Verwaltungserfahrung

Dirschauer ist 45 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. Er wuchs in Flensburg auf und lebt dort. Als Sohn eines Maurers stamme er aus einfachen Verhältnissen, sagt er. Die bürokratischen und finanziellen Schwierigkeiten mittelständischer Betriebe kenne er daher nicht nur aus politischen Papieren.

Der Diplom-Verwaltungswirt arbeitete viele Jahre bei der Stadt Flensburg, unter anderem im Ordnungsamt und im Sozialbereich. Zuletzt war er Personalchef einer Verwaltung mit mehr als 1.500 Beschäftigten. Acht Jahre lang war er freigestellter Personalratsvorsitzender, außerdem engagierte er sich langjährig in der Gewerkschaft und war mehrere Jahre in der kommunalen Komba-Gewerkschaft tätig, darunter als Vorsitzender.

Seit seiner Jugend ist Dirschauer im SSW aktiv, unter anderem als Vorsitzender der SSW-Jugend. Von 2010 bis 2025 gehörte er dem SSW-Landesvorstand an, von 2021 bis 2025 war er Landesvorsitzender. Außerdem ist er Mitglied im Flensburger Kreisvorstand und inzwischen Vorsitzender des Ortsverbands Flensburg-Ost. Im Landtag folgte er 2020 dem SSW-Ehrenvorsitzenden Flemming Meyer nach.

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Soziale Gerechtigkeit und Minderheitenpolitik

Als Spitzenkandidat wolle er eine starke Stimme für Menschen sein, die politisch wenig Gehör fänden oder sonst nicht gehört würden. Dirschauer kündigte an, sich besonders sozialen Anliegen und den Bedürfnissen jener Menschen zu widmen, die sich von der Politik übersehen fühlten.

Zu seinen politischen Schwerpunkten zählt er soziale Gerechtigkeit, eine solidarische Finanzpolitik und die Stärkung des strukturschwachen nördlichen Landesteils. Auch die Minderheitenpolitik steht weit oben: Dirschauer setzt sich nach Angaben des SSW für die Gleichstellungsinteressen der dänischen Minderheit, der friesischen Volksgruppe sowie der Sinti und Roma ein.

Als Erfolge der vergangenen Jahre nannte er 10 Millionen Euro aus LuKIFG-Mitteln für Investitionen in Einrichtungen nationaler Minderheiten. Außerdem seien bis zu 1,5 Millionen Euro für die Qualifizierung pädagogischer Hilfskräfte in Kindertagesstätten bereitgestellt worden. Nach dem Einsatz des SSW blieben auch kommunale Minderheitenberichte erhalten, obwohl ihre Abschaffung im Raum gestanden hatte.

Kritik an Northvolt und Sorgen um Kommunen

Im Wahlkampf will Dirschauer Entlastungen für Bürger, Unterstützung für den Mittelstand und eine stärkere Förderung von Handwerksbetrieben fordern. Er kritisierte, dass Prestigeprojekte wie Northvolt Steuermillionen beziehungsweise Fördermittel erhalten hätten, während einzelne Handwerksmeister und kleinere Betriebe ohne Unterstützung auskommen müssten. Gerade für die heimische Wirtschaft müsse mehr getan werden.

Hinzu kommen die finanziellen Schwierigkeiten der Kommunen. Dirschauer fordert einen funktionierenden Staat, der seine Aufgaben auch vor Ort erfüllen kann. Angesichts von Kriegen, Klima- und Energiekrisen sowie Sparzwängen wolle der SSW die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen und Schleswig-Holstein sozialer, skandinavischer und grüner gestalten.

Der SSW strebt an, erneut mit Fraktionsstärke in den Landtag einzuziehen und das Ergebnis der Landtagswahl 2022 zu wiederholen. Eine Koalitionsaussage gibt es nicht. Die Partei will mit allen demokratischen Parteien sprechen.

Der Fahrplan bis zur Landtagswahl 2027

Ab Mitte August 2026 wählen regionale SSW-Wahlkreisversammlungen in Flensburg, Schleswig, Husum, Eckernförde und Kiel die lokalen Wahlkreiskandidaten und schlagen Listenkandidaten vor. Am 5. Dezember 2026 soll ein außerordentlicher Landesparteitag in der A.P. Møller Skolen in Schleswig die endgültige Landesliste wählen.

Für den SSW beginnt damit eine lange Strecke bis zur Wahl 2027. Dirschauer bringt Verwaltung, Gewerkschaft und Kommunalpolitik zusammen – und tritt mit einem Programm an, das vom Flensburger Norden bis zu den Minderheiten im ganzen Land reicht. An der Uni Flensburg dürfte man heute, am 26. September 2026, jedenfalls genau hinschauen, was vom Parteitag in Harrislee politisch herüberweht.