Im Juni 2026 wird der Fachbereich Geographie an der Philipps-Universität Marburg eine bedeutende Etappe in seiner Geschichte feiern: Sein 150-jähriges Bestehen. Dieser Lehrbereich ist an einem historischen Ort ansässig, dem Deutschhaus in Marburg, das seit dem 13. Jahrhundert eine wechselvolle Nutzung erfahren hat und heute als Heimat des Fachbereichs dient. Laut Uni Marburg beheimatet der Fachbereich mittlerweile 10 Professuren und 12 Fachgebiete, die ein breites Spektrum in Forschung und Lehre abdecken.
Rund 900 Studierende lernen in einem persönlichen und betreuungsintensiven Umfeld. Die Lehre am Fachbereich umfasst die Physische Geographie, Humangeographie und Geographiedidaktik, wobei ein starker Methodenbezug und ein hoher Praxisanteil betont werden. Neben dem klassischen Monobachelor und Kombinationsbachelor in Geographie gibt es auch einen interdisziplinären Bachelor „Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Raum“ sowie verschiedene Masterstudiengänge.
Forschung und Lehre: Mensch-Umwelt-Beziehungen
Der Fachbereich hat sich darauf spezialisiert, das Verhältnis von Mensch und Umwelt zu analysieren. Zu den Schwerpunkten zählen Klima- und Umweltveränderungen, Biodiversität, Stadt- und Regionalentwicklung sowie wirtschaftliche Transformationsprozesse. Bei dieser Arbeit verbindet die Geographie naturwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und raumbezogene Perspektiven und arbeitet datenbasiert und interdisziplinär.
Ebenfalls wird eine kritische Auseinandersetzung mit der Fachgeschichte praktiziert, insbesondere der Rolle der Geographie in Zeiten von Kolonialismus und Nationalsozialismus. Zudem wird die Stellung von Frauen in der Geographie sowie deren Zugang zu Studium und Wissenschaft untersucht. Absolventen des Fachbereichs finden Arbeit in verschiedenen Bereichen, darunter Forschung, Stadt- und Regionalplanung sowie Umwelt- und Naturschutz.
Umweltanliegen und globale Herausforderungen
In der Lehre und Forschung spielt das Thema Umwelt eine zentrale Rolle. Umweltkatastrophen sind oft das Resultat eines verschwenderischen Umgangs mit Ressourcen, insbesondere durch reiche Industrieländer, die von der Ausbeutung Entwicklungsländer profitieren. Im August 2019 führte ein verheerenderBrand im Amazonas-Regenwald zu weltweitem Entsetzen und verdeutlichte die Dringlichkeit dieser Probleme. Wie Goethe Institut berichtet, sind Industriestaaten und multinationale Unternehmen häufig die Hauptverursacher ökologischer und humanitärer Krisen.
Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen ist der sogenannte „Klima-Kolonialismus“. Dabei werden die ökologischen Lasten von reichen Ländern in weniger entwickelte Regionen ausgelagert. In den letzten 60 Jahren sind über 40% aller globalen Konflikte mit Rohstoffabbau und -handel verbunden. Diese gravierenden Themen finden auch Eingang in das Festprogramm, das vom 1. bis 5. Juni 2026 in der Marburger Innenstadt stattfinden wird und Vorträge zu Klimawandel, gesellschaftlicher Transformation und nachhaltiger Bildung umfasst.
Laut dem Global Footprint Network liegt die Biokapazität der Erde bei 1,7 globalen Hektar pro Person, während der durchschnittliche Verbrauch bei 3,3 globalen Hektar pro Person liegt. Der Welterschöpfungstag fiel 2019 auf den 29. Juli – der früheste Termin seit 1961. Dies verdeutlicht den hohen ökologischen Fußabdruck hauptsächlich von Ländern wie Australien, den USA, Russland und Deutschland, wo der Verbrauch 10% über dem europäischen und 100% über dem globalen Durchschnitt liegt.
Das Festprogramm zum 150-jährigen Jubiläum wird auf der Website der Universität Marburg bereitgestellt und verspricht eine spannende Mischung aus wissenschaftlichen Diskussionen und praktischen Mitmachangeboten für die Öffentlichkeit.