Am 14. Juli 2026 feierte das Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Alexander-von-Humboldt-Gästehaus der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Zu den Gästen zählten Vertreter aus Wissenschaft und Politik, unter anderem der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels. Ein besonderes Highlight des Abends war der Festvortrag von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der die historisch gewachsene Beziehung zwischen Deutschland und der Ukraine beleuchtete.

Die Präsidentin der JLU, Prof. Dr. Katharina Lorenz, und die Vizepräsidentin, Prof. Dr. Wencke Gwozdz, richteten in ihren Grußworten herzliche Glückwünsche an das GiZo-Team. Minister Gremmels betonte in seiner Ansprache die zentrale Bedeutung des GiZo, insbesondere in Zeiten von Desinformation und geopolitischen Spannungen. Prof. Dr. Monika Wingender, geschäftsführende Direktorin des GiZo, äußerte ihren Dank an alle Partner und Unterstützer der Institution.

Wissenschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und der Ukraine

Das Gießener Zentrum spielt eine wesentliche Rolle im Koordinieren des LOEWE-Schwerpunkts „Konfliktregionen im östlichen Europa“ in Zusammenarbeit mit dem Marburger Herder-Institut. Das Zentrum ist bekannt für seine interdisziplinäre Forschung und Lehre im Bereich des östlichen Europas. Bereits seit dem Wintersemester 2007/08 bietet es einen Masterstudiengang „Interdisziplinäre Studien zum Östlichen Europa“ an, der seit 2021 zusätzlich eine englische Studienvariante mit einem Double Degree „Ukraine in Europe“ in Kooperation mit der Universität Kyiv umfasst.

In den letzten Jahren hat Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine auch die Hochschulen des Landes vor immense Herausforderungen gestellt. Insbesondere die Zerstörung von Bildungseinrichtungen hat die Notwendigkeit von Unterstützung durch internationale Kooperationen verstärkt. Dank einer Förderung in Höhe von knapp 800.000 Euro vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wird das Netzwerk „Die Ukraine in Europa“ gefördert, das vom GiZo koordiniert wird. Dieses Projekt zielt darauf ab, den ukrainischen Hochschulsektor nachhaltig zu unterstützen und ist als gemeinsames Projekt in Forschung und Lehre konzipiert, nicht als einseitige Nothilfe.

Aktuelle Projekte und Kooperationen

Gemeinsame Projekte im Rahmen des Netzwerks beinhalten Tandemseminare mit der Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie (NaUKMA) seit 2022, die Entwicklung von gemeinsamen Lehrmodulen in der Chemie und Vor-Ort-Laboraufenthalten. Ein neu geplanter englischsprachiger kulturwissenschaftlicher Master-Studiengang soll in naher Zukunft realisiert werden. Die JLU hat nicht nur ihre Kooperationen mit ukrainischen Partneruniversitäten verstärkt, sondern auch 500 ukrainische Studierende, Forschende und Lehrende aufgenommen.

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Zusätzlich werden Stipendien für Studierende und Promovierende vergeben, um die gesellschaftliche Wirkung des Projekts zu steigern und die internationale Zusammenarbeit weiter zu fördern. Diese Initiativen sind Teil eines umfassenden Plans, der seit über einem Jahrzehnt im Rahmen der enge Verbindungen zur NaUKMA und der Nationalen Universität Igor Sikorsky Polytechnisches Institut (KPI) verfolgt wird.

Das Gießener Zentrum Östliches Europa bleibt somit ein bedeutender Akteur in der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine, auch in schwierigen Zeiten. Diese bilateralen Beziehungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilität und zum Wissensaustausch in der Region.

Für weitere Informationen über die Geschichte und die aktuellen Projekte des GiZo berichten Universität Gießen über die Feierlichkeiten und die Bedeutung der Institution. Auch der Giessener Anzeiger hebt die Rolle der JLU in der aktuellen Situation der ukrainischen Hochschulen hervor.