Achim Kampker erhält Unipreneurs Award für Brückenschlag von der Batterieforschung in die Industrie
Achim Kampker, Gründer und Leiter des RWTH-Lehrstuhls „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM), ist mit dem Unipreneurs Award 2026 ausgezeichnet worden. Gewürdigt werden sein Engagement für Unternehmertum und sein Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die industrielle Praxis.
Die Preisverleihung fand am 22. September 2026 in Berlin statt. Überreicht wurde die Auszeichnung von Matthias Hauer und Johannes Steiniger. Bei der Veranstaltung waren Hauer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, sowie Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, anwesend. Die Laudatio hielt Jonas Gorsch vom Start-up Skellium.
20 Auszeichnungen aus mehr als 800 Nominierungen
Kampker gehört zu den 20 Professorinnen und Professoren, die 2026 für ihr Engagement für Unternehmertum an Hochschulen geehrt wurden. Ausgewählt wurden sie aus mehr als 800 Nominierungen. Die Auszeichnung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Forschung mit unternehmerischem Denken verbinden und Erkenntnisse in die Praxis überführen.
Die Bilanz der Geehrten ist beachtlich: Gemeinsam haben sie rund 600 Start-ups unterstützt – als Mentoren, Beiräte oder Investoren. 90 Prozent von ihnen haben selbst gegründet. Kampker gründete 2010 das Unternehmen StreetScooter und war dort von 2014 bis 2019 Geschäftsführer.
Seine Transferarbeit umfasst neben StreetScooter aktuelle Forschungsprojekte, Unternehmenskooperationen, Ausgründungen und konkrete industrielle Lösungen. Am von ihm gegründeten PEM der RWTH Aachen arbeitet sein Team an der Entwicklung, Produktion und am Recycling von Batteriesystemen, an Brennstoffzellen, elektrischen Antriebssträngen und Fahrzeugkonzepten.
Vom Labor in die Batterie-Wertschöpfungskette
Ein aktuelles Beispiel ist der von Kampker geleitete Forschungscluster „Fast Battery Customization“, kurz FastBat. Der Lehrstuhl untersucht darin gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Forschung und Industrie, wie sich Batterieentwicklungsprozesse beschleunigen lassen. Die Phasen von der Forschung bis zur industriellen Umsetzung sollen enger zusammenrücken – damit neue Batterietechnologien schneller in der industriellen Anwendung landen.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert FastBat mit insgesamt 50 Millionen Euro. Ziel ist außerdem der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batterie-Wertschöpfungskette im Rheinischen Revier. Viel Abstimmung, viele Beteiligte, sicher auch die eine oder andere lange Sitzung – aber eben genau dort entscheidet sich, ob aus Forschung am Ende ein Produkt wird.
Der Unipreneurs Award wird alle drei Jahre für herausragendes Engagement im Hochschulunternehmertum vergeben. Die Initiative wurde von Matthias Hilpert und Martin Schilling gegründet, um Ausgründungen an deutschen Hochschulen zu stärken. Organisation und Durchführung übernimmt der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Unterstützt wird Unipreneurs vom Startup-Verband, von Bitkom und AddedVal.io. Die Bundesministerien für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie für Wirtschaft und Energie haben gemeinsam die Schirmherrschaft übernommen.
Europas Batteriepläne reichen weiter
Der Blick über Aachen hinaus zeigt, wie groß der politische und wirtschaftliche Rahmen ist, in den Projekte wie FastBat hineinspielen. Die 2017 gegründete Europäische Batterieallianz (EBA) will eine wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette für nachhaltige Batteriezellen in Europa aufbauen. Damit sollen technologische Abhängigkeiten von ausländischen Wettbewerbern vermieden und Arbeitsplätze, Wachstum sowie Investitionen im Batteriesektor gefördert werden.
Zur EBA gehören die Europäische Kommission, interessierte EU-Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank, Industrieunternehmen und Innovationstreiber. Der strategische Aktionsplan für Batterien umfasst Maßnahmen für ein innovatives, nachhaltiges und wettbewerbsfähiges Batterie-Ökosystem. Ein Schwerpunkt ist die europäische Batteriezellfertigung. Dazu gehört „LiPLANET“, eine Austausch- und Vernetzungsplattform europäischer Pilotlinien für die Produktion lithiumbasierter Batteriezellen.
Im Februar 2019 startete außerdem die European Technology and Innovation Platform (ETIP) on Batteries „Batteries Europe“; die Maßnahme läuft bis 2025. Die Plattform soll Forschungs- und Innovationsagenden sowie Roadmaps entwickeln und aktualisieren, Batterieprojekte auf europäischer und nationaler Ebene fördern, den Austausch über Best Practices und Forschung unterstützen und den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern. Für die Beteiligten ist sie als zentraler Zugangspunkt, als „single entry point“, gedacht. Veranstaltungen, thematische Treffen und Netzwerkmöglichkeiten sollen öffentliche und private Partner sowie Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Koordiniert wird „Batteries Europe“ von InnoEnergy gemeinsam mit der European Energy Research Alliance (EERA) und der European Association for Storage of Energy (EASE).
Im Rahmen von Horizont Europa wurde die öffentlich-private Partnerschaft „BATT4EU“ eingerichtet. Sie verfolgt das Ziel einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen europäischen industriellen Wertschöpfungskette für Elektromobilität und stationäre Batterieanwendungen. Auf öffentlicher Seite ist die Europäische Kommission beteiligt, auf privater Seite die BEPA, die Batterieakteure aus der europäischen Forschungsgemeinschaft bündelt.
Geleitet wird BATT4EU von einem Rat aus BEPA-Verbandsdelegierten und Delegierten der Europäischen Kommission. Die Partnerschaft soll den Akteuren der europäischen Batterie-Wertschöpfungskette langfristige Planbarkeit geben. Industrie, Forschung und öffentlicher Sektor sollen in einer langfristigen, koordinierten Initiative zusammenarbeiten. Bis 2030 soll in Europa ein Innovationsökosystem für eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und kreislauffähige Batterie-Wertschöpfungskette entstehen – und den Übergang zu einer kohlenstoffneutralen Gesellschaft unterstützen.
Auch die sektorübergreifende Forschungsinitiative „Battery 2030+“ vernetzt wichtige europäische Akteure aus Batterie-Forschung und -Entwicklung. Sie arbeitet an einer langfristigen Roadmap für zukünftige Batterien und stellt ebenfalls den Aufbau einer europäischen Batteriezellfertigung in den Mittelpunkt. Eine bestimmte Batteriechemie gibt „Battery 2030+“ dabei nicht vor. Stattdessen sollen digitale Technologien wie künstliche Intelligenz genutzt werden, um die Entwicklung zukünftiger vernetzter Batterien voranzutreiben.
