Eine breite Mehrheit in Deutschland blickt 2026 mit Vertrauen auf die Bundeswehr. 87 Prozent der Befragten gaben bei der Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) an, ihr zu vertrauen. Das sind drei Prozentpunkte mehr als 2025.

Für die Studie wurden vom 20. April bis 24. Mai 2.232 zufällig ausgewählte deutschsprachige Menschen ab 16 Jahren befragt. Die Erhebung zeichnet dabei kein schlichtes Ja-oder-Nein-Bild. Zustimmung wächst an mehreren Stellen – gleichzeitig sinkt die Unterstützung für eine aktive deutsche Außenpolitik und für Auslandseinsätze der Bundeswehr gegenüber dem Vorjahr.

Verteidigung ja, Auslandseinsatz mit Fragezeichen

83 Prozent sehen die Bundeswehr als normalen Bestandteil der Gesellschaft. Gegenüber 2025 ist das ein Anstieg um fünf Prozentpunkte. Noch deutlicher fällt die Zustimmung beim Kernauftrag aus: 94 Prozent unterstützen die Abwehr eines militärischen Angriffs auf Deutschland.

Begleitet wird diese Haltung laut Studie von einer hohen Bedrohungswahrnehmung gegenüber Russland. In der Mehrheit der AfD-Wählerschaft wird Russland dagegen nicht als Bedrohung gesehen. Auch bei der Frage nach Beistand für andere NATO-Staaten wird es komplizierter: 76 Prozent halten die NATO-Mitgliedschaft für notwendig, 79 Prozent unterstützen militärischen Beistand für angegriffene Bündnispartner.

Wenn es konkret wird, fällt die Zustimmung niedriger aus. 55 Prozent würden ein angegriffenes östliches NATO-Mitglied im Ernstfall auch militärisch verteidigen. 26 Prozent waren bei dieser Frage unentschlossen, 14 Prozent lehnten dies ab. Die Zahlen beschreiben eine erklärte Bereitschaft – nicht zwingend das tatsächliche Verhalten, wenn der Verteidigungsfall wirklich eintritt. Das ist ein Unterschied, der auf dem Papier klein wirkt und im echten Leben ziemlich groß wäre.

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Mehr Geld, mehr Personal, neuer Wehrdienst

58 Prozent befürworten höhere Verteidigungsausgaben. 64 Prozent sprechen sich für mehr Personal bei der Bundeswehr aus. Auch der „Neue Wehrdienst“ findet mehr Rückhalt: 59 Prozent halten ihn für notwendig, sechs Prozentpunkte mehr als 2025.

Erstmals fragte die Untersuchung außerdem nach möglichen persönlichen Beiträgen zur Verteidigung. 49 Prozent könnten sich einen Einsatz im Zivilschutz vorstellen, 44 Prozent eine Tätigkeit im medizinischen Bereich. 28 Prozent wären bereit, freiwillig an einen verteidigungsrelevanten Arbeitsplatz zu wechseln. Gemeint sind unter anderem Produktion, Logistik, Energieversorgung, Kommunikation und kritische Infrastruktur.

Offen bleibt dabei, wie die betriebliche Organisation im Verteidigungsfall aussehen würde – etwa die Aufrechterhaltung von Produktion und Versorgung. Genau diese Frage beantwortet die Studie nicht. Zwischen Bereitschaft auf dem Fragebogen und einem funktionierenden Alltag unter Druck liegt schließlich einiges: Schichtpläne, Ersatzteile, Strom, Medikamente und Menschen, die überhaupt zur Arbeit kommen.

Deutlicher Unterschied zwischen Männern und Frauen

Bei der Frage, ob sie Deutschland im Angriffsfall grundsätzlich mit der Waffe verteidigen würden, zeigen sich große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 53 Prozent der Männer erklärten sich dazu bereit, aber nur 15 Prozent der Frauen.

Unter den 20- bis 40-Jährigen sagten 50 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen Ja. Hochgerechnet auf die Bevölkerung entspräche das rund fünf Millionen Männern und knapp zwei Millionen Frauen. Die Werte markieren allerdings keine tatsächliche Einberufung und auch keinen sicheren Entschluss für den Ernstfall, sondern die in der Befragung erklärte grundsätzliche Bereitschaft.

Die vollständigen Informationen zur Bevölkerungsbefragung 2026 zur Wehrbereitschaft in Deutschland stellt das ZMSBw online bereit. Für die Debatte bleibt ein etwas widersprüchliches Bild: Vertrauen in die Bundeswehr, Zustimmung zu ihrer Ausstattung und zum Schutz Deutschlands nehmen zu – beim Gedanken an konkrete militärische Einsätze außerhalb des eigenen Landes wird die Sache deutlich zäher.