Magdeburg, 5.10.2026 – An der Universität Magdeburg geht es derzeit um weit mehr als Haushaltszahlen. Sollte Sachsen-Anhalt künftig von einer AfD-geführten Landesregierung regiert werden, könnte sie über die Finanzierung, die Einrichtung von Professuren und strukturelle Entscheidungen erheblichen Einfluss auf die Hochschulen nehmen.

Jens Strackeljan, Rektor der Universität Magdeburg, warnt vor möglichen Folgen bis hin zu einer wissenschaftlichen Isolierung des Landes. Die Wissenschaftsfreiheit ist zwar im Grundgesetz garantiert. Das Land kann laut Strackeljan aber entscheiden, bestimmte Forschung nicht zu finanzieren. Auch neue Professuren brauchen die Genehmigung des Landes.

Finanzierung als entscheidender Hebel

Wie groß der Spielraum der Landespolitik ist, zeigt ein Blick auf den Universitätshaushalt: Rund 85 Prozent des Budgets der Universität Magdeburg stammen aus Landesmitteln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Bundesländer würden ihre wissenschaftlichen Fördermaßstäbe voraussichtlich nicht ändern. Sachsen-Anhalt könnte sich damit politisch aufstellen, während die übrige Wissenschaftslandschaft ihren Kurs beibehält.

Besonders kritisch sieht Strackeljan eine mögliche Rückkehr von Bachelor- und Masterstudiengängen zu Diplom- oder Magisterabschlüssen. Das würde die Universität nach seiner Einschätzung stark gefährden. Internationale Studierende kämen gezielt wegen englischsprachiger Masterprogramme nach Sachsen-Anhalt – ein Diplom- oder Magisterstudium würden sie nicht noch einmal beginnen.

Strackeljan erklärt zugleich, er wolle mit einem AfD-geführten Dienstherrn oder einer Dienstherrin zusammenarbeiten. Eine Grenze sei für ihn allerdings nicht verhandelbar: die Weltoffenheit des Campus.

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Mehr als 5.500 internationale Studierende

An der Universität studieren mehr als 5.500 internationale Studierende, darunter 2.200 aus Indien. Viele leben seit Jahren in Deutschland, sind integriert und wollen bleiben. Die Universität bietet dafür Integrationsprogramme an. Auf dem Campus treffen dabei nicht nur unterschiedliche Sprachen aufeinander, sondern auch sehr konkrete Lebenspläne: Abschluss machen, Job finden, bleiben.

Politisch ist die Lage angespannt. Bei der Landtagswahl wurde die AfD mit knapp 44 Prozent stärkste Kraft. Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum ersten AfD-Ministerpräsidenten wählen lassen. Dafür benötigt er mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen.

Hochschulpolitik ist mehr als Landesgeld

Wie Hochschulen sich entwickeln, entscheidet sich allerdings nicht allein in einer Landesregierung. Zur Hochschulpolitik gehören Bundes- und Landesministerien ebenso wie Einrichtungen für Hochschulreform, Hochschulentwicklung und teilweise Politikberatung. Hochschulverbände und Interessenvertretungen mischen ebenfalls mit. Themen wie Spitzenförderung, die gestufte Studienstruktur, der Bologna-Prozess, Internationalisierung und Nachhaltigkeit werden in diesem Geflecht gesondert behandelt.

Auch Bund und Länder haben über Jahre gemeinsame Förderprogramme aufgebaut. Der Hochschulpakt 2020 wurde Mitte der 2000er-Jahre eingerichtet, um Hochschulen angesichts absehbar hoher Studierendenzahlen offen zu halten. Auf Bitte der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz evaluierte der Wissenschaftsrat den Pakt. Die GWK informiert außerdem über Verwaltungsvereinbarungen von Bund und Ländern zur Hochschulförderung, darunter den Hochschulpakt 2020 und den Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“. Im vorliegenden Überblick wird angegeben, dass der Zukunftsvertrag bis 2017 gültig sei.

Im Juni 2019 beschlossen Bund und Länder die Organisationseinheit „Innovation in der Hochschullehre“. Daraus entstand eine Treuhandstiftung in Trägerschaft der Toepfer Stiftung gGmbH, einer Tochtergesellschaft der gemeinnützigen Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. Ziel sind die Weiterentwicklung der Hochschullehre und die Stärkung des Hochschulsystems.

Die 2016 beschlossene Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ setzt an einer anderen Stelle an: Sie fördert den forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfer. Hochschulen sollen sich in Transfer und Innovation profilieren. Beides gilt neben Forschung und Lehre als dritte Mission der Hochschulen – ein Begriff, der trocken klingt, im Alltag aber über Kooperationen, Gründungen und den Weg von Forschungsergebnissen in die Praxis entscheidet.

Wer über Regeln und Qualität wacht

Die Kultusministerkonferenz stellt wichtige Beschlüsse zu Wissenschaft und Hochschulen bereit, darunter Rahmenvereinbarungen zu verschiedenen Studiengängen und übergreifende hochschulpolitische Themen. Der Wissenschaftsrat befasst sich mit der Organisation des deutschen Hochschulwesens und erarbeitet regelmäßig Empfehlungen zu seiner systematischen Weiterentwicklung. Seine Arbeitsfelder reichen vom Wissenschafts- und Hochschulsystem über Evaluation und wettbewerbliche Begutachtung bis zur Akkreditierung.

Die Gremien der Hochschulrektorenkonferenz verabschieden regelmäßig Beschlüsse zu aktuellen hochschulpolitischen Fragen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft behandelt in ihrer Rubrik „Studium“ unter anderem Beschlüsse und Wissenschaftskonferenzen, BAföG und Studiengebühren, Studentenjobs und den Mindestlohn an Hochschulen, Promotion und Lehrerbildung, Hochschulgesetze, den Bologna-Prozess sowie die gewerkschaftliche studentische Vertretung.

Zur wissenschaftlichen Infrastruktur gehört außerdem die Frage, wie Forschung sauber und nachvollziehbar bleibt. Das Portal stellt den DFG-Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ bereit. Die 19 Leitlinien beschreiben und kommentieren Standards für wissenschaftliches Arbeiten. Dahinter steht das Ziel, eine Kultur wissenschaftlicher Integrität in der deutschen Wissenschaft zu verankern.

Der Abschnitt „Hochschule und Demokratie“ wurde zuletzt am 14.04.2025 aktualisiert. Als weiterführende Informationen werden unter anderem die Verwaltungsvereinbarung von Bund und Ländern vom 06.06.2019 zum Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“, die Stiftung Innovation in der Hochschullehre, die GWK-Pressemitteilung vom 03.05.2019 zur dauerhaften Förderung der Weiterentwicklung der Hochschullehre als Nachfolge des Qualitätspakts Lehre, das Forum Hochschulräte und das Hochschul-Barometer genannt.

Ebenfalls verwiesen wird auf hochschulpolitische Themen der Friedrich-Ebert-Stiftung, das Kapitel „Hochschule“ im Dossier „Zukunft Bildung“ von bpb und WZB sowie auf Suchergebnisse der FIS Bildung Literaturdatenbank zum Thema Hochschulpolitik und Hochschulreform. Für die Universität Magdeburg bleibt die politische Frage trotzdem sehr handfest: Wer künftig über Geld, Professuren und Strukturen entscheidet, entscheidet ein Stück weit auch darüber, wer auf diesem Campus forschen, lehren und studieren kann.