Uni Leipzig – bei Arkane Studios ist die Zukunft offen. Ubisoft soll Microsoft laut Bloomberg ein Angebot für das Studio vorgelegt haben. Mindestens zwei weitere Spieleunternehmen seien ebenfalls interessiert. Einen Abschluss gibt es bislang nicht. Weder Ubisoft noch Microsoft haben das offiziell bestätigt; auch Arkane selbst hat sich zum Verkaufsprozess nicht öffentlich geäußert.

Microsoft prüft demnach mehrere Möglichkeiten: einen Verkauf an einen externen Käufer, einen Management-Buy-out durch die bisherige Studioleitung – oder den Verbleib bei Xbox. Geldsummen und sonstige finanzielle Bedingungen sind nicht bekannt. Eine belastbare Entscheidung wird frühestens im Zusammenhang mit einer Frist im Dezember erwartet.

Die Frist wurde verlängert

Hintergrund ist eine größere Neuordnung der Xbox-Sparte. Microsoft hatte im Juli 2026 angekündigt, sich von insgesamt fünf Entwicklerstudios trennen zu wollen. Arkane Lyon ist davon betroffen. Der Such- und Konsultationszeitraum läuft nun bis zum 13. Dezember 2026; ursprünglich war der 13. November 2026 als Frist vorgesehen.

Ein Xbox-Sprecher erklärte, das Unternehmen prüfe seine Optionen. Gegenüber PC Gamer teilte Microsoft mit, die Verlängerung solle weitere Möglichkeiten eröffnen und einen Partner für noch ausstehende Entwicklungsarbeiten finden. Ein zuvor kursierendes Datum am 13. November ist deshalb als Entscheidungsdatum nicht belegt. Laut früheren Berichten hängen rund 217 Arbeitsplätze von der Zukunft des Studios ab.

Seit der Übernahme von Bethesda durch Microsoft im Jahr 2021 gehört Arkane zum Xbox-Konzern. Das Schwesterstudio Arkane Austin wurde 2024 nach dem kommerziellen Misserfolg von Redfall geschlossen. Die Namen der mindestens zwei weiteren Interessenten an Arkane Lyon sind unbekannt.

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Was wird aus Marvel’s Blade?

Für mögliche Käufer dürfte vor allem Marvel’s Blade eine Rolle spielen. Das Actionspiel wurde bei den Game Awards 2023 angekündigt und wird von Arkane Lyon entwickelt. Laut Bloomberg könnte eine Übernahme so gestaltet werden, dass die Arbeiten fortgesetzt werden. Wie sich ein Verkauf tatsächlich auf das Projekt auswirken würde, ist offen: Zu Lizenzrechten, Verträgen und dem Entwicklungsstand wurden keine Einzelheiten veröffentlicht.

Auch Microsoft hat im Zusammenhang mit den Gesprächen keine neuen Details genannt. Ein Management-Buy-out wurde laut Bloomberg lediglich erwogen, nicht beschlossen. Ebenso wenig ist ein Verkauf an Ubisoft oder einen anderen Interessenten belegt.

Arkane ist für Dishonored (2012), Dishonored 2 (2016) und Deathloop (2021) bekannt, außerdem für Prey und mehrere Wolfenstein-Projekte. Für Käufer der bisherigen Spiele ändert sich kurzfristig nichts: Dishonored, Dishonored 2 und Deathloop bleiben auf ihren bisherigen Plattformen und in den bisherigen Stores verfügbar. Was langfristig mit Spielen, Plattformen, digitalen Rechten oder der Veröffentlichung von Marvel’s Blade passiert, steht dagegen in den Sternen.

Xbox baut weiter um

Der Fall Arkane Lyon fügt sich in eine laufende Umstrukturierung ein. Microsoft entlässt weitere 268 Mitarbeiter, vor allem bei den Halo-Studios, anderen First-Party-Studios und in Verwaltungsbereichen. Nach Angaben des Unternehmens sind die geplanten Veränderungen damit zu etwa drei Vierteln abgeschlossen.

Bei Ninja Theory scheiterten zwei Verkaufsversuche in Großbritannien. Microsoft spricht mit den Beschäftigten über eine mögliche Schließung, hält aber weitere Lösungen offen. Auch bei Arkane Lyon führt der Konzern Gespräche über eine mögliche Trennung – während das Team an Marvel’s Blade arbeitet.

Organisatorisch verschieben sich ebenfalls die Zuständigkeiten: World’s Edge, bekannt für Age of Empires, und Rare, das Sea of Thieves entwickelt, werden Activision unterstellt. Die Marke Halo soll künftig ebenfalls unter Activision weiterentwickelt werden. Die bisherigen Halo-Studios werden durch die Entlassungen auf Support-Aufgaben reduziert; Activision soll ein neues Team für das nächste Halo aufbauen.

Obsidian Entertainment wird direkt Bethesda unterstellt und soll an einem neuen Fallout-Spiel arbeiten. Die Entwickler von Microsoft Casual Games, unter anderem verantwortlich für Minesweeper und Solitär, werden bei King angesiedelt.

Playground Games und Turn 10 werden zu einem Studio zusammengelegt. Playground entwickelte unter anderem Forza Horizon und Fable, Turn 10 ist für Forza Motorsport verantwortlich. Das fusionierte Studio soll sich auf Forza und Fable konzentrieren. Der Fortbestand von Forza Motorsport wird als unklar dargestellt; Microsoft hat ein Ende des Spiels allerdings nicht bestätigt.

Bis zur Dezember-Frist bleibt damit vieles in der Schwebe: der Käufer, der Kaufpreis, die Identität der übrigen Bieter und die konkrete Zukunft von Marvel’s Blade. Sicher belegt sind bislang Ubisofts Angebot, mindestens zwei weitere Interessenten, der erwogene Management-Buy-out und Microsofts laufende Prüfung.