Heute, am 4. November 2026, geht es an der TU Berlin um die Frage, wie der öffentliche Nahverkehr künftig unterwegs sein könnte: automatisiert, flexibler und stärker nach Bedarf gesteuert. Der Vortrag „Nächster Halt: Zukünftiger ÖPNV mit Automatisierung und On-Demand“ findet von 17:30 bis 19:00 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Audimax 1, Konrad-Wachsmann-Allee 3, 03046 Cottbus, Ortsteil Ströbitz, statt. Der Eintritt ist kostenlos.

Referent ist Prof. Dr. Gernot Liedtke von der TU Berlin, Fachgebiet Wirtschaftsverkehr, und kommissarischer Institutsdirektor des DLR-Instituts für Verkehrsforschung. Moderiert wird der Abend von Maria Reulke vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), Leiterin der Standorte Ost. Veranstaltet wird die Veranstaltung von der BTU Cottbus-Senftenberg und dem DLR.

Zwischen Fahrpersonalmangel und Klimazielen

Im Mittelpunkt stehen der Wandel des öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland, die Erfüllung von Klimazielen und der zunehmende Fahrpersonalmangel. Zugleich soll es darum gehen, wie sich Flexibilität und Verfügbarkeit steigern lassen, welche Einsatzmöglichkeiten Automatisierung bietet und wie automatisierte sowie bedarfsgesteuerte Angebote in das bestehende Verkehrssystem passen.

Gerade für den ländlichen Raum ist das keine Nebensache. Wo Linienbusse selten fahren oder reguläre Verkehre wirtschaftlich schwierig sind, könnten autonome Busse neue Mobilitätsangebote ermöglichen – ebenso in Stadtquartieren oder als Zubringer. Denkbar sind On-Demand-Verkehre ebenso wie Taktangebote, die bestehende Bus- und Bahnverbindungen ergänzen.

Mehr als 30 digitale ÖPNV-Testfelder in Deutschland erproben bereits automatisiertes und autonomes Fahren. Die Fahrzeuge arbeiten unter anderem mit Sensoren, Umgebungserkennung, Selbstlokalisierung und Planungsalgorithmen. Meist sitzt derzeit noch eine Sicherheitsperson an Bord. Perspektivisch soll der Betrieb fahrerlos funktionieren und aus einer Leitstelle überwacht werden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das DLR-Institut für Verkehrsforschung forscht seit 25 Jahren zu Mobilität und entwickelt Konzepte für zukünftige Verkehrslösungen. Geteilte Mobilitätsangebote mit alternativen Antrieben werden dabei als Baustein nachhaltiger, intermodaler Mobilität beschrieben. Die Übersicht der Projekte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – und sie ist lang.

Von Berlin bis Ludwigslust-Parchim

In Berlin läuft etwa NoWeL4 – NordWestraum Level 4. Betreiber sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Verkehrsverbund ist der VBB; Partner sind TU Berlin/ZTG und IKEM. Von April 2023 bis Juni 2027 soll im Nordwesten Berlins eine fahrerlose Shuttleflotte entstehen. Probanden werden nachfragebasiert befördert, virtuelle Haltepunkte und App-Buchung sind vorgesehen. Ziel ist die Genehmigung und der Einsatz von Level-4-Fahrzeugen mit Überwachung aus einer Leitstelle. Das BMDV fördert das Vorhaben mit 9,5 Mio. Euro. Der Status: aktiv, Betrieb in Vorbereitung.

KIS’M – KI-basiertes System für vernetzte Mobilität lief von Januar 2022 bis März 2025. Betreiber war die BVG, Verkehrsverbund der VBB. Zum Partnerkreis gehörten Land Berlin/SenMVKU, Berlin Partner/eMO, DLR, Fraunhofer FOKUS, FU Berlin, TU Berlin und weitere. Mit einer Mercedes-Benz V-Klasse wurden simuliert fahrerlose Fahrten mit Probanden sowie die Überwachung von Fahrzeugen und Innenraum aus einer Leitstelle erprobt. Im Zentrum standen Erkenntnisse zur Konzeption und zu den Anforderungen einer Leitstelle für autonome ÖPNV-Fahrzeuge. Das BMDV stellte 8,5 Mio. Euro bereit.

In Hessen und im Rhein-Main-Gebiet soll BRAVE10k in Hofheim am Taunus Voraussetzungen für mehr als 10.000 autonome öffentliche Fahrzeuge schaffen. Betreiber ist die Fahrzeugmanagement Region FrankfurtRheinMain GmbH, der RMV assoziierter Partner. Die Laufzeit reicht von Juli 2026 bis Juni 2029. Entwickelt werden digitale Prozesse, KI-Methoden und standardisierte Schnittstellen für Planung, Vorbereitung und Zulassung. Das soll Umsetzungsbarrieren senken und Skalierbarkeit, Planbarkeit, Wirtschaftlichkeit sowie Rechtssicherheit verbessern. Fördergeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).

Im Gebiet der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Landkreises Offenbach erprobt KIRA – KI-basierter Regelbetrieb autonomer On-Demand-Verkehre Level-4-Technologie im ÖPNV, vor allem in ländlichen und städtischen Räumen. Betreiber ist DB Regio, Verkehrsverbund der RMV. HEAG mobilo, kvg Offenbach, Mobileye, ioki, Bosch, DLR, KIT, VDV und dmo arbeiten mit. Von 2024 bis 2025 wurden sechs Nio ES8 mit Mobileye-Drive-ADS eingesetzt; zusätzlich entstanden Betriebs- und Kundenprozesse. Gefördert wird KIRA vom BMDV und vom Land Hessen. Der Status lautet aktiv, Testbetrieb mit geschlossener Nutzergruppe.

In Nordrhein-Westfalen war das Monheim-Shuttle deutschlandweit der erste Flottenbetrieb vollautomatisierter Shuttlefahrzeuge im Linienverkehr. Betreiber waren die Bahnen der Stadt Monheim, Verkehrsverbund der VRR; Partner waren TÜV Rheinland, Blic, IVU, Bezirksregierung Düsseldorf sowie Landesministerien. Mit EasyMile EZ 10, Generation 2, lief der öffentliche Betrieb seit dem 26. Februar 2020. Ziel war die Integration automatisierter, elektrisch betriebener Shuttlefahrzeuge in den ÖPNV. Gefördert wurde das Projekt vom Land Nordrhein-Westfalen. Aktiv ist es nicht mehr: Der Betrieb wurde am 28. September 2025 eingestellt.

Hamburg bringt gleich mehrere Erfahrungen ein. HEAT – Hamburg Electric Autonomous Transportation wurde von der Hamburger Hochbahn betrieben, im HVV, und lief von Januar 2018 bis Dezember 2021; seit August 2019 war das von IAV entwickelte Fahrzeug zugelassen und in Betrieb. Das Shuttle war mit straßenseitiger intelligenter Infrastruktur vernetzt. Erprobt wurden C2X-Technologie im ÖPNV und ein fahrerloser Betrieb mit 50 km/h im Mischverkehr. Förderung kam vom BMU.

Beim Projekt AHOI der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, Laufzeit März 2023 bis Juni 2027, sind eVersum-eShuttles mit IAV-AD-Stack geplant. Im Bezirk Harburg soll ein On-Demand-Angebot mit einer gemischten Flotte aus manuell gesteuerten und autonomen Fahrzeugen entstehen. Eine Leitstelle soll technische Aufsicht, Betriebshofmanagement, Disposition, Planung und On-Demand-Plattform verbinden. Untersucht werden Nutzergruppen, Nutzungsmuster, Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten, Akzeptanz und Barrierefreiheitsanforderungen.

Das bestehende On-Demand-Angebot „hvv hop“ startete im Januar 2023 und wird mit ioki umgesetzt. Die manuelle Flotte soll schrittweise durch Kleinbusse mit autonomer Fahrfunktion ergänzt werden. Nach einer sechsmonatigen Erprobung sollen autonome Fahrzeuge ohne Fahrpersonal in den Regelbetrieb mit Fahrgästen übergehen. Das Projektvolumen liegt bei rund 37 Mio. Euro, rund 18 Mio. Euro davon sind BMDV-Fördermittel.

ALIKE – Integration autonomer Fahrzeuge in Mobilitätsanwendungen wird von der Hamburger Hochbahn im HVV betrieben. Partner sind MOIA, HOLON, KIT, die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende sowie Volkswagen ADMT. Die Laufzeit reicht von Oktober 2023 bis Oktober 2026, der Testbetrieb begann ab Mitte 2025. Modelle von HOLON und Volkswagen ID. Buzz AD werden im komplexen Stadtverkehr erprobt. Buchungen sollen über hvv switch und die MOIA-App möglich sein; vorgesehen sind barrierefreie Fahrzeuge. Es geht um ein Gesamtsystem für Bereitstellung, Buchung und Nutzung autonomer Shuttles, um einen On-Demand-Dienst mit Testkunden sowie um Akzeptanz und Voraussetzungen für eine spätere Ausweitung. Das BMDV fördert ALIKE mit 26 Mio. Euro. Der Status: aktiv, Testbetrieb in Vorbereitung.

Shuttles, Bus-Platoons und virtuelle Haltestellen

In Sachsen läuft bei den Leipziger Verkehrsbetrieben ABSOLUT II von Oktober 2023 bis September 2026. Eingesetzt wird ein VW eCrafter als ABSOLUT-Entwicklungsfahrzeug mit Level-4-Erprobungsgenehmigung. Entwickelt werden eine Manöverschnittstelle und der Fernzugriff der technischen Aufsicht aus einer zentralen Leitstelle. Das Ziel ist