Autonome Shuttles für Sachsen-Anhalts ländlichen Raum: Magdeburg plant den ÖPNV der Zukunft
Wer im Norden Sachsen-Anhalts unterwegs ist, kennt diese langen Strecken: viel Landschaft, wenig Menschen – und dazwischen oft keine brauchbare Verbindung. Das Land ist sehr dünn besiedelt, besonders in den weitläufigen Gebieten im Norden. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben eine noch geringere Bevölkerungsdichte.
Für viele Menschen bedeutet das: Der öffentliche Nahverkehr ist schlecht ausgebaut oder gar nicht vorhanden. Mancherorts fährt weder ein Bus noch eine Bahn. Was auf der Karte nach einer überschaubaren Entfernung aussieht, wird ohne Auto schnell zur Geduldsprobe.
Mobilität, die bis vor die Haustür reicht
An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeiten Forschende deshalb an Mobilitätslösungen für Städte und den ländlichen Raum. Ein Schwerpunkt liegt auf autonomen Verkehrssystemen, etwa selbstständig fahrenden Shuttlebussen. Die Fahrzeuge sollen dort helfen, wo reguläre Linienangebote an ihre Grenzen kommen.
Geplant sind außerdem Mobilitätszentren, an denen unterschiedliche Verkehrsmittel bereitstehen – zum Beispiel Leihräder und Roller. Sie könnten die sogenannte „letzte Meile“ überbrücken: den Weg von einer Haltestelle bis zum eigentlichen Ziel. Klingt nach einem kleinen Detail, ist im Alltag aber oft genau der Punkt, an dem eine Fahrt scheitert.
Entscheidend ist den Forschenden, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird. Dazu gehören der Alltag der Menschen, mögliche Vorbehalte und ganz praktische Probleme. Denn ein autonomer Shuttlebus nützt wenig, wenn die Haltestelle schlecht erreichbar ist oder niemand weiß, wie das Angebot funktioniert.
Ein Land als Modellregion
Sachsen-Anhalt plant eine landesweite Modellregion für automatisiertes und vernetztes Fahren im öffentlichen Personennahverkehr. Autonome Fahrzeuge sollen vor allem im ländlichen Raum eingesetzt werden, unter anderem als Zubringer zu wichtigen Bus- und Bahnknoten. Orte mit bislang eingeschränktem ÖPNV könnten so besser an zentrale Verbindungen angeschlossen werden.
Am Vorhaben beteiligt sind die Landkreise Börde, Harz, Jerichower Land, Salzlandkreis, Stendal und Altmarkkreis Salzwedel sowie die Städte Halle (Saale) und Magdeburg. Mit dabei sind außerdem die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH. Die Partner haben ein gemeinsames „Memorandum of Understanding“ zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung des automatisierten und vernetzten ÖPNV unterzeichnet.
Das Ziel ist größer als ein einzelner Versuch auf einem abgegrenzten Gelände: Sachsen-Anhalt soll als Standort für autonomes Fahren im ländlichen ÖPNV etabliert werden. Der Zugang zum öffentlichen Verkehr könnte dadurch auch für Menschen mit eingeschränkten Mobilitätsmöglichkeiten leichter werden. Erwartet werden zudem eine höhere Verkehrssicherheit und ein stärker digitalisiertes Verkehrssystem.
Der Zeitplan reicht bis 2040
Autonomes Fahren soll schrittweise in den regulären ÖPNV integriert werden und nicht auf einzelne Testprojekte beschränkt bleiben. Zwischen 2028 und 2030 sollen erste Pilotprojekte mit lokal begrenztem automatisiertem Verkehr starten.
Von 2031 bis 2033 ist ein Leuchtturmprojekt in einem Landkreis vorgesehen. Dort soll erprobt werden, wie der klassische Linienverkehr schrittweise ergänzt oder auf automatisierte Angebote umgestellt werden kann. Zwischen 2033 und 2040 ist anschließend der schrittweise landesweite Ausbau geplant.
Wissenschaft, Kommunen, Verkehrsunternehmen und das Land sollen dabei gemeinsam Erfahrungen sammeln und Lösungen entwickeln, die sich auch auf andere Regionen übertragen lassen. Die Bundesregierung verfolgt ebenfalls den Aufbau von Modellregionen für autonomes Fahren und sieht gerade im ÖPNV besonderes Potenzial.
In Magdeburg wird damit an einer Frage gearbeitet, die außerhalb der großen Städte ziemlich handfest ist: Wie kommt man zur Haltestelle, wenn die nächste weit weg liegt – und was fährt, wenn dort heute gar nichts fährt?
