Morgen, am 8. Oktober 2026, wird es in der Leipziger Universitätskirche St. Pauli baltisch: Um 18 Uhr gastiert dort der Gemischte Akademische Chor Gaudeamus der Universität Vilnius. Der Eintritt ist frei. Die Adresse: Grimmaische Straße 12, 04109 Leipzig.

Das Konzert gehört zum Festjahr anlässlich des 100. Geburtstags des Leipziger Universitätschores. Unter der Leitung von Rasa Gelgotienė erklingen Werke von Arvo Pärt, Pēteris Vasks, Deividas Zakaras, Ēriks Ešenvalds und Laura Jēkabsone. Begleitet wird der Chor von den Organisten Vidas Pinkevičius und Aušra Motūzaitė-Pinkevičienė sowie der Sopranistin Laura Gedvilaitė.

Ein Chor mit langer Geschichte

Gaudeamus ist ein gemischter akademischer Chor der Universität Vilnius und zählt zu den ältesten und bekanntesten Studierendenchören Litauens. Beim Gründungsjahr gibt es allerdings zwei überlieferte Angaben: Quelle ist einmal 1940, einmal 1948. Als Gründer nennt die Universität Vilnius den Chorleiter, Pädagogen, Komponisten, Organisten und Kulturakteur Konradas Kaveckas.

Auf Kaveckas folgten die Chorleiter P. Silžys, P. Gylys, B. Jankauskas, R. Zdanavičius und J. Kalcas. Seit 1995 steht Gaudeamus unter der künstlerischen Leitung von Rasa Gelgotienė. Die Mitglieder studieren an verschiedenen Fakultäten der Universität Vilnius. Als Chormeister wirken Ignas Garla, Deividas Kukta und Nerijus Masevičius.

Auf dem Programm des Chors stehen regelmäßig litauische und internationale Festivals und Wettbewerbe, feierliche Veranstaltungen der Universität Vilnius, das litauische Lieder- und Tanzfest sowie die baltischen Studentenfestivals „Gaudeamus“ und „Juventus“. Dazu kommen Projekte der Litauischen Musikerunion und Vorhaben der Städte Vilnius, Panevėžys, Šiauliai, Marijampolė sowie anderer litauischer Gemeinden.

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Von Vilnius in die Welt

1993 sang Gaudeamus während des Litauenbesuchs für Papst Johannes Paul II. 2013, als Litauen den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehatte, präsentierte der Chor die Kultur seines Landes bei internationalen Veranstaltungen. In verschiedenen europäischen Ländern führte er dabei ausschließlich litauische Musik auf.

Auch sonst war der Chor viel unterwegs: Konzertreisen und Festivalauftritte führten ihn unter anderem nach Frankreich, Spanien, Italien, in die Ukraine, nach Ungarn, Lettland, Estland, Kasachstan, in die Türkei, in die USA, nach Brasilien, Mexiko und Kuba. Zu Ostern 2025 führte Gaudeamus Franz Liszts „Via Crucis“ im Château de Compiègne in Frankreich auf.

Mehrere litauische und internationale Wettbewerbe hat das Ensemble gewonnen; außerdem veröffentlichte es CDs mit Werken klassischer und litauischer Komponisten. 2007 erhielt Gaudeamus die Auszeichnung „Aukso Paukštė“, die in Litauen an herausragende Ensembles vergeben wird. Beim 9. Internationalen Wettbewerb gemischter akademischer Chöre „Juventus“ kam der Chor 2013 auf den 3. Platz.

Klassik zum Mitmachen

Seit 2012 organisiert Gaudeamus gemeinsam mit weiteren Chören der Universität Vilnius das Projekt „Classics for Everyone“, auf Litauisch „Klasika visiems“. Die Idee ist erfreulich unkompliziert: Wer nach Noten singen kann und Lust auf große klassische Werke hat, darf mitmachen. Aufgeführt wurden unter anderem Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Camille Saint-Saëns, Carl Orff, Gabriel Fauré, Antonio Vivaldi, Ola Gjeilo und Karl Jenkins.

Zu den Projekten zählen „Carmina Burana“, „Requiem“, „Sunrise Mass“ und „Oratorio de Noël“. Am 8. Dezember 2012 organisierten Gaudeamus, „Pro Musica“ und „Virgo“, die beiden anderen Chöre der Universität Vilnius, gemeinsam „Classic for All“. Mehr als 400 Sängerinnen und Sänger führten Mozarts „Requiem“ in der St.-Johannes-Kirche im Zentrum von Vilnius auf. Laut dem damaligen Bericht war das Projekt in Litauen und Europa neuartig.

Rasa Gelgotienė gründete und leitet „Klasika visiems“. Sie ist Professorin an der Litauischen Musik- und Theaterakademie, Präsidentin des Litauischen Chorverbands sowie künstlerische Leiterin und Dirigentin dreier Chöre der Universität Vilnius. Außerdem dirigiert sie bei den litauischen Sängerfesten. 2023 verlieh ihr der litauische Präsident den Verdienstorden für Litauen.

Wer morgen in der Universitätskirche Platz nimmt, bekommt also nicht bloß einen Gastauftritt zu hören, sondern ein Ensemble mit Jahrzehnten voller Reisen, Wettbewerbe, Zeremonien und gemeinsamer Singprojekte. Leipzig trifft Vilnius – und der Eintritt kostet nichts.