Bayerischer Wissenschaftserfolg: Historische Biodiversität digital erfasst!
Ein bedeutendes Forschungsprojekt an der Universität Passau, geleitet von Prof. Dr. Malte Rehbein, hat sich zum Ziel gesetzt, historische Daten über Wirbeltierarten für die moderne Biodiversitätsforschung aufzubereiten. Über einen Zeitraum von 18 Monaten wurden handschriftliche Daten aus dem Jahr 1845 in digitale, georeferenzierte Beobachtungsdaten überführt. Dabei entstanden 5.467 Datensätze zur historischen Artenvielfalt in Bayern, insbesondere zur Vorkommen, Häufigkeit und Lebensräumen von 44 Wirbeltierarten.
Das Projektteam setzt sich aus Natur- und Geisteswissenschaftlern zusammen, darunter Experten von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns sowie dem iDiv Halle-Jena-Leipzig und dem NFDI4Biodiversity-Konsortium. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit führte zur Veröffentlichung der Daten bei Nature Scientific Data und der Global Biodiversity Information Facility (GBIF). Darüber hinaus werden sie im nationalen Biodiversitätsportal LAND (Lebendiger Atlas der Natur Deutschlands) integriert, was vergleichende Forschungen zur Artenvielfalt in Bayern ermöglicht.
Anerkennung für exzellente Forschungsarbeit
Für die außergewöhnliche Umsetzung der FAIR-Prinzipien (Findability, Accessibility, Interoperability, Reusability) wurde das Projekt mit dem FAIRest Dataset Award 2026 ausgezeichnet. Der Preis, dotiert mit 2000 Euro, wird von Thüringer Hochschulen und dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterstützt. Die Jury würdigte insbesondere die Erschließung historischer Daten und die interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Das Projekt bietet nicht nur Einblicke in die bayerische Tierwelt des 19. Jahrhunderts, einschließlich des Vorkommens des Bibers, sondern trägt auch zur aktuellen Diskussion über Biodiversität und deren Schutz bei. Insbesondere auf der letzten Weltnaturkonferenz war die Finanzierung des Artenschutzes ein zentrales Thema. Biologische Vielfalt hat einen enormen, oft unbekannten Wert für die Menschheit – etwa durch die Bereitstellung essenzieller Ökosystemdienstleistungen wie saubere Luft, Nahrung und medizinische Wirkstoffe.
Die Bedeutung der biologischen Vielfalt
Ökosystemleistungen sind unerlässlich für das Überleben der Menschheit. Laut Studien trägt Biodiversität nicht nur zu einem stabilen Ökosystem bei, sondern fördert auch die psychische Gesundheit der Gesellschaft. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 zeigte, dass die Vielfalt an Vögeln einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit der Menschen hat.
Es ist alarmierend, dass viele Arten vom Aussterben bedroht sind und die heutige Aussterberate mindestens zehnmal höher ist als in den letzten zehn Millionen Jahren. Der Verlust von Arten gefährdet die Basis für essentielle Ökosystemdienstleistungen, deren wirtschaftlicher Wert auf 125 bis 145 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt wird. Dies übersteigt das weltweite Bruttoinlandsprodukt.
Zur Rettung der Biodiversität sind naturbasierte Lösungen gefragt, die den Menschen und die planetarischen Grenzen miteinander in Einklang bringen. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ist von größter Bedeutung, um die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu erreichen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Der Zugang zu einer sauberen und gesunden Umwelt wurde im Juli 2022 von der UN-Generalversammlung als universelles Menschenrecht anerkannt.
