Der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Steuerforschung und -praxis wird derzeit intensiv diskutiert. Dies geschieht im Rahmen einer Tagung, die von Prof. Dr. Reinald Koch, einem Experten für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Steuerlehre, veranstaltet wird. Die Veranstaltung hat sich mit Themen wie der globalen Mindeststeuer und den Folgen einer CO2-Besteuerung befasst, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Einsatz von Large Language Models in der Steuerwissenschaft gelegt wurde. Keynote-Speaker wie Stefan Groß von PSP München und Dr. Niels Weith vom Institut für Digitalisierung im Steuerrecht Berlin beleuchten die Herausforderungen und Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt.

Ein zentrales Thema der Tagung ist die Automatisierung steuerlicher Verfahren, insbesondere die automatisierte steuerliche Einordnung umsatzsteuerlicher Reihengeschäfte, die durch den Einsatz von KI eine Zuverlässigkeit von bis zu 90 Prozent erreicht. Durch die Anwendung solcher Technologien gewinnen Steuerforschende neue Datensätze, die präzisere Informationen über die Steueraufwandszusammensetzung von Konzernabschlüssen bieten. Reinald Koch hebt zudem hervor, dass KI zwar einige Aufgaben übernehmen kann, jedoch nicht die Expertise von Mensch zu Mensch ersetzen kann. Vielmehr sollten Mitarbeiter ihre Aufgaben von der Lösungsvorbereitung auf eine intensivierte Überprüfung der KI-generierten Ergebnisse umstellen.

Globale Mindestbesteuerung im Fokus

Ein weiterer diskutierter Punkt ist die Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung, die zwei grundlegende Säulen umfasst. Die erste Säule zielt auf eine gerechtere Verteilung von Unternehmensgewinnen, insbesondere bei großen Digitalkonzernen, die hohe Gewinne in Ländern erzielen, in denen sie nicht physisch präsent sind. Die zweite Säule, die Einführung einer globalen effektiven Mindestbesteuerung, soll sicherstellen, dass Unternehmen ihre fairen Beiträge leisten und gegen aggressive Steuergestaltung vorgehen. Deutschland und Frankreich hatten 2018 den Vorschlag zur globalen Mindestbesteuerung ins Leben gerufen, wobei 141 Staaten sich der internationalen Einigung anschlossen.

Am 1. Juli 2021 kam es zu einer Grundsatzeinigung im Inclusive Framework on BEPS, während die G20-Finanzminister im selben Jahr die Prinzipien des Konzepts in Venedig bestätigten. Die globale Mindestbesteuerung, die einen Satz von 15 Prozent vorsieht, gilt für international tätige Unternehmen und große inländische Gruppen mit einem Umsatz von über 750 Millionen Euro. Damit sollen Gewinne, die in Steueroasen verschoben werden könnten, Besteuerungen unterzogen werden, wenn die effektive Besteuerung in diesen Ländern unter dem Satz von 15 Prozent liegt.

Bildung und Zukunft der Steuerforschung

Reinald Koch fordert zudem eine umfassende fachliche Ausbildung für angehende Steuerexperten. Studierende sollten lernen, die Ergebnisse von KI kritisch zu hinterfragen, um in einer sich stetig verändernden Berufswelt nicht den Anschluss zu verlieren. In diesem Kontext schlägt Stefan Groß die Organisation eines Hackathons für Studierende vor, um praktische Lösungen zu entwickeln und den Wissensaustausch zu fördern.

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Die Entwicklungen zeigen, dass die Kombination von traditioneller fachlicher Expertise und modernen Technologien notwendig ist, um die Herausforderungen der modernen Steuerpraxis erfolgreich zu meistern. Der Arbeitskreis Quantitative Steuerlehre e.V., dessen neuer Vorstandsvorsitzender Reinald Koch ist, spielt dabei eine wichtige Rolle. Dieser wurde 2004 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk für quantitativ arbeitende Wissenschaftler aufzubauen, um die wirtschaftswissenschaftliche Erforschung von Steuerwirkungen auf Unternehmen voranzubringen.

Schließlich geht es nicht nur um technologische Entwicklungen, sondern auch um die nachhaltige Gestaltung der Steuerlandschaft. Die Herausforderungen der globalen Mindestbesteuerung sind dabei ein wichtiger Aspekt, der auch in aktuellen Veröffentlichungen wie dem Artikel „Globale Mindestbesteuerung abwägen“ von Ute Benzel in der WPg behandelt wird. In einer Zeit, in der Steuervorschriften zunehmend komplexer werden, ist der Austausch von Informationen und Lösungen zwischen Wissenschaft und Praxis von größerer Bedeutung denn je.

Weitere Informationen zu diesen Themen finden Sie auf den Seiten von Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Bundesministerium der Finanzen und IDW.