Am 21. Oktober 2026 riecht es im A-Gebäude der Universität Trier nach Kaffee, warmem Teig und Mittagessen. Das neue Bistro „Gehaichnis“ ist seit Montag, dem 19. Oktober 2026, offiziell in Betrieb. Für geladene Gäste hatte es bereits am Freitag geöffnet.

Ersetzt wird damit das im Juli geschlossene Bistro A/B. Das Studierendenwerk Trier hat dafür nicht bloß die Speisekarte ausgetauscht, sondern gleich Küche, gastronomisches Konzept und Namen neu aufgestellt. „Gehaichnis“ kommt aus der Hunsrücker Mundart und steht für Geborgenheit, Gemütlichkeit und Heimat. Ein großer Anspruch für einen Ort, an dem morgens Brötchen über die Theke gehen und mittags der Zeitdruck zwischen zwei Lehrveranstaltungen mit am Tisch sitzt.

Regionale Küche, neu gedacht

Das Konzept reagiert laut Studierendenwerk auf veränderte Essgewohnheiten und den Wunsch nach mehr Speisevielfalt. Auf dem Teller landen vor allem traditionelle Gerichte aus Trier, dem Hunsrück, dem Saarland, Luxemburg und dem Elsass. Die Rezepte orientieren sich an historischen Gerichten aus einem Trierer Kochbuch von 1857.

Der Hunsrück ist im Angebot besonders stark vertreten. Geschäftsführer Andreas Wagner begründet das mit seiner eigenen Herkunft. Fleisch gibt es ein- bis zweimal pro Woche, ansonsten stehen überwiegend vegetarische Speisen auf dem Plan. Wo es möglich ist, wird eine vegane Alternative angeboten. Nur bei den Mehlklößen klappt das nicht: Sie werden mit Eiern und Quark zubereitet.

Für Speiseplan und Zubereitung ist Koch Michael Weber verantwortlich, unterstützt von der Auszubildenden Paula Wilhelm. Alles wird von Hand gemacht. Geplant sind täglich etwa 200 bis 300 Portionen; bei aufwendigeren Gerichten kann die produzierte Menge geringer ausfallen. In der Eröffnungswoche gab es unter anderem gefüllte Klöße mit Specksauce und Sauerkraut sowie Krumperschnietchen mit Apfelmus. Ein Wildragout mit Preiselbeeren, Spätzle und Rotkohl kostete 6,20 Euro.

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Was das Essen kostet

Studierende zahlen im Bistro grundsätzlich etwa einen Euro mehr als in der Mensa. Meist liegen die Preise bei vier bis fünf Euro, je nach Zutaten teilweise auch darunter. In der Eröffnungswoche kosteten die meisten Gerichte für Studierende zwischen 2,90 und 3,90 Euro.

Beschäftigte der Universität zahlen durchschnittlich etwa sechs Euro, externe Gäste zwischen acht und zehn Euro. Die unterschiedlichen Preise im Bistro Gehaichnis und in der Mensaria Oliva erklärt das Studierendenwerk mit den unterschiedlichen Speiseplänen und Angeboten.

Das günstigere Mensa-Angebot bleibt trotzdem bestehen: In der Mensa gibt es täglich ein Drei-Euro-Menü unter dem Titel „Satt für drei Euro“. Laut Andreas Wagner soll es trotz steigender Preise derzeit beibehalten werden. Höchstens einmal pro Woche handelt es sich dabei um einen Eintopf.

Vom Frühstück bis zum Kuchen

Geöffnet ist das Bistro montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr. Vormittags gibt es Brötchen und Kaffee, warmes Mittagessen wird von 11:30 bis 13 Uhr ausgegeben. Am Nachmittag kommt Kuchen von einem regionalen Bäcker dazu. Viel Zeit bleibt also nicht, aber für einen Kaffee im Vorbeigehen oder eine Portion Klöße sollte es reichen.

Die Sanierung des früheren Bistros A/B dauerte rund drei Monate. Die vorhandene Ausstattung entsprach technisch und rechtlich nicht mehr den aktuellen Anforderungen, Teile der Kücheneinrichtung stammten noch aus den 1980er-Jahren. Erneuert wurden unter anderem Kühleinrichtungen, Theken und Produktionsanlagen.

Rund 700.000 Euro kostete die Modernisierung – etwa 200.000 Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Das Studierendenwerk finanzierte rund 500.000 Euro, etwa 200.000 Euro steuerte die Universität Trier bei. Universitätspräsidentin Eva Martha Eckkrammer bezeichnete das Bistro als Verbindung regionaler Esskultur mit zeitgemäßer Hochschulgastronomie. Die neu gestalteten Räume sollen außerdem als Ort für Begegnung und Austausch auf dem Campus dienen. Ob das zwischen Kaffeetassen, Tabletts und dem nächsten Seminartermin gelingt, wird sich zeigen.

Kartoffeln auf dem Teller statt in der Biogasanlage

Der Neustart in Trier fällt in eine Zeit, in der Studierendenwerke bundesweit stärker über Herkunft, Kosten und Nachhaltigkeit in der Hochschulgastronomie sprechen. Am 23. Februar 2026 starteten die deutschen Studierendenwerke die Initiative „Rettet die Knolle! – Die Studierenden essen die Kartoffeln!“. Überschüssige Kartoffeln sollen wieder stärker für den menschlichen Verzehr genutzt, Lebensmittelverschwendung verringert und regionale Landwirtschaft sowie Wertschöpfung unterstützt werden. Studierende sollen dabei für nachhaltige Ernährung sensibilisiert werden.

Der Hintergrund: 2025 fiel die Kartoffelernte in vielen Regionen besonders gut aus. Markt und Nachfrage konnten die großen Mengen nicht vollständig aufnehmen, die Lager waren schnell gefüllt und die Preise gerieten unter Druck. Ein Teil der Kartoffeln konnte deshalb nicht als Lebensmittel verkauft werden. Überschüsse werden teilweise energetisch verwertet oder bleiben unverkäuflich, obwohl sie grundsätzlich zum Verzehr geeignet sind.

Geplant sind Kartoffel-Aktionsgerichte und Kartoffelwochen in Mensen und Cafeterien, eine bundesweite Rezeptreihe mit einfachen und kostengünstigen Kartoffelgerichten sowie Hintergrundinformationen zu Erzeugerbetrieben und regionaler Landwirtschaft. Dazu kommen Informationen über die Vielfalt der Kartoffel, Tipps zur Resteverwertung und begleitende Inhalte für digitale Kanäle.

Damit die Wirkung nicht nur behauptet, sondern auch dokumentiert wird, soll jedes Studierendenwerk eine zentrale Kennzahl erheben. Sie soll das Kartoffelverwertungspotenzial in den Mensen abbilden und Vergleiche zwischen den Studierendenwerken ermöglichen. Erfasst werden soll, wie viel zusätzliches Kartoffelpotenzial durch die Aktion genutzt wurde – ohne umfangreiche Detailbürokratie.

Studierendenwerke versorgen Studierende täglich bezahlbar und verlässlich und tragen dabei Verantwortung für Ressourcen, Qualität und Nachhaltigkeit. Zur Unterstützung der Initiative wurden Partner aus Hochschulen, Politik und Gesellschaft aufgerufen. Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung übernahm die Schirmherrschaft. Kartoffeln regionaler Landwirte sollten auf Tellern statt in Biogasanlagen landen, erklärte er; die Aktion mache den Wert heimischer Lebensmittel sichtbar und sichere regionale Wertschöpfung.

Clemens Metz, Geschäftsführer des Studierendenwerks Freiburg und Vorsitzender des DSW-Ausschusses Hochschulgastronomie, verwies darauf, dass Gemeinschaftsverpflegung Verantwortung für Lebensmittelwertschätzung, regionale Landwirtschaft und nachhaltige Ernährung übernehmen könne. Die Mensen erreichten täglich hunderttausende Studierende. Die Kartoffel sei vielseitig, beliebt und regional verankert.

Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, stellte die soziale Verantwortung und die verlässliche Versorgung im Hochschulalltag heraus. Mit der Initiative setzten die Studierendenwerke ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung und für Nachhaltigkeit. Das Deutsche Studierendenwerk ist der Dachverband von 57 Studierendenwerken in Deutschland.

Im Trierer „Gehaichnis“ klingt das zunächst sehr bodenständig: regionale Rezepte, handgemachte Portionen, ein paar Euro auf dem Tablett. Und vielleicht liegt gerade darin der Reiz – zwischen Mehlklößen, Kartoffeln und Kuchen vom Bäcker wird Hochschulgastronomie plötzlich ziemlich konkret.