An der Goethe-Universität Frankfurt steht ein tiefgreifender Umbau bevor. Das Präsidium plant, die bisher 16 Fachbereiche auf sieben zu reduzieren. Rund 60 Professuren sollen wegfallen. Grundlage ist ein 59-seitiges Reformkonzept, das der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vorliegt.

Zum ersten Mal befasst sich der Universitätssenat bei einer Klausur am Mittwoch mit dem Vorschlag. Noch ist also nichts beschlossen. Der Zeitplan ist allerdings eng: Das Entwicklungskonzept könnte im vierten Quartal 2027 verabschiedet werden. Die neuen Fachbereiche sollen zum Wintersemester 2028/29 starten, bis 2032 soll die neue Struktur vollständig umgesetzt sein.

Weniger Geld, mehr Druck

Als Hauptgrund nennt die Hochschulleitung die angespannte Finanzlage. Der Hochschulpakt des Landes Hessen für 2026 bis 2031 verpflichtet die Hochschulen zu Einsparungen; die finanziellen Spielräume würden sich dauerhaft und deutlich verengen. Hinzu kommen zunehmende Wissenschafts- und Demokratiefeindlichkeit, Fachkräftemangel, demografischer Wandel und die schnelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Die bislang unterschiedlich großen Fachbereiche erschwerten es aus Sicht des Präsidiums, auf diese Veränderungen angemessen zu reagieren.

Unterzeichnet wurde der Hochschulpakt am 17. Juli 2025 von den Leitungen der 14 hessischen Hochschulen und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK). Er regelt die Landesfinanzierung für 2026 bis 2031. Weil die Steuereinnahmen hinter den Prognosen zurückblieben, sieht der von der Landesregierung vorgegebene Rahmen umfangreiche strukturelle Kürzungen vor.

In Hessen wird die Hochschulfinanzierung seit 2002 über Hochschulpakte zwischen Land und Hochschulen geregelt. Der größte Teil kommt aus dem Sockelbudget, das nach den Studierendenzahlen des Jahres 2020 verteilt wird. Dazu kommt ein Erfolgsbudget, dessen Höhe von der Zielerreichung bei Forschung, Lehre, Gender und Internationalisierung abhängt.

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Der neue Pakt senkt das Hochschulbudget 2026 um 30 Millionen Euro. Außerdem werden die Erfolgsparameter neu geregelt. Tarifsteigerungen aus dem Jahr 2025 werden nicht vollständig finanziert, jene von 2026 nur begrenzt kompensiert. Ab 2027 übernimmt das Land künftige Personalkostensteigerungen bis zu einer Steigerung von 2,5 Prozent sowie oberhalb von vier Prozent im jeweiligen Folgejahr. Zwischen diesen Grenzen können Eigenanteile der Hochschulen anfallen. Inflationsbedingte Sachkostensteigerungen werden nicht ausgeglichen.

Die Hochschulen starten nach eigenen Angaben bereits mit Defiziten in die Laufzeit. Frühere Budgetsteigerungen seien durch höhere Bau- und Energiekosten sowie zusätzliche Aufgaben aufgezehrt worden. Weitere Tarif- und Inflationssteigerungen dürften die Lücken in den kommenden sechs Jahren vergrößern. Insgesamt rechnen die Hochschulen mit einem Defizit von etwa einer Milliarde Euro – rund zehn Prozent des Personalbudgets.

Die Präsidentinnen und Präsidenten der hessischen Hochschulen erklärten, Fachkräfte und Innovationen seien nötig, um globale Veränderungen zu bewältigen und Hessen zu modernisieren. Einsparungen von mehr als zehn Prozent stießen angesichts der Bedeutung von Forschung, Lehre und Kunst auf Unverständnis. Der Schrumpfungsprozess werde alle Bereiche betreffen: Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ebenso wie Natur- und Ingenieurwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin.

Auch die Verteilung des Sockelbudgets sorgt für Ärger. Die Entwicklung der Studierendenzahlen werde nicht angemessen berücksichtigt, kritisieren die Hochschulen. Wer seine Studierendenzahlen in den vergangenen fünf Jahren nahezu konstant gehalten habe, werde durch den neuen Schlüssel schlechter gestellt als Hochschulen mit rückläufigen Zahlen. In den kommenden Jahren werde es vor allem darum gehen, Leistungseinschränkungen zu begrenzen.

Goethe-Universitätspräsident Enrico Schleiff sagte, die Hochschulen seien sich ihrer Mitverantwortung für die Haushaltskonsolidierung bewusst. Der Pakt führe aber ohne Übergangsphase und ohne Berücksichtigung früherer Leistungen kurzfristig zu erheblichen Einschnitten. Eine schnelle Reduzierung sei nötig, damit Veränderungen noch im Rahmen der Hochschulentwicklungspläne geplant werden könnten. Eine Senkung der Studierendenzahl würde wegen ihrer Bedeutung für die Finanzierung weitere Mittelverluste auslösen.

Sieben große Einheiten

Die künftigen Fachbereiche sollen jeweils acht bis 16 Professuren umfassen. Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sollen zu „Recht, Wirtschaft und Governance“ zusammengeführt werden. Vier Professuren im Bereich Jura und sieben in der Ökonomie sollen entfallen. Die Wirtschaftspädagogik soll nicht fortgeführt werden.

Eine zweite Einheit soll „Verhaltens-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ heißen. Dort sollen Erziehungs- und Politikwissenschaften, Soziologie, Psychologie und Sport zusammenkommen. Insgesamt sind elf gestrichene Professuren vorgesehen.

In den Geisteswissenschaften soll die Zahl der Fachbereiche von fünf auf zwei sinken. „Geschichte, Kultur und Religion“ würde Geschichtswissenschaft, Philosophie, Religions- und Kulturwissenschaften, Theologien sowie eine neu zu bildende Einheit für Altertumswissenschaften bündeln. Mindestens acht Professuren sollen dort wegfallen. Die Zusammenlegung der katholischen und evangelischen Theologie gilt wegen des Staatskirchenrechts als kompliziert, aber umsetzbar.

Der zweite geisteswissenschaftliche Bereich, „Literatur, Sprache und Kunst“, soll unter anderem Neuere und Ostasiatische Philologien, Afrikanistik, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik vereinen. Mindestens zehn Professuren sollen gestrichen werden.

Auch die Naturwissenschaften werden neu sortiert. Physik sowie Mathematik und Informatik sollen zum Bereich „Informatik, Mathematik, Physik“ zusammengelegt werden. In der Physik sollen sechs Professuren entfallen, in der Informatik eine. Einsparungen in der Mathematik seien wegen der Altersstruktur erst langfristig möglich.

Unter „Lebenswissenschaften“ sollen Biochemie, Chemie und Pharmazie, Biowissenschaften sowie das Institut für physische Geografie zusammengefasst werden. Vorgesehen sind der Abbau einer Professur in der Pharmazie, fünf in der Chemie und vier in der Biologie. Der Fachbereich Medizin soll als einziger seinen Namen und seinen bisherigen Zuschnitt behalten.

Kooperation mit Darmstadt und Mainz

Die Goethe-Universität will zugleich die Zusammenarbeit mit den Universitäten Darmstadt und Mainz ausbauen. Frankfurt, Darmstadt und Mainz werden ab 2027 als Exzellenzuniversitäten sieben Jahre lang mit bis zu 155 Millionen Euro von Bund und Ländern gefördert.

Die finanziellen Einschnitte treffen derweil auch andere Hochschulen unmittelbar. Kai-Oliver Schocke, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences, erklärte, seine Hochschule habe ihre Studierendenzahl trotz hoher Nachfrage in den vergangenen Jahren gegen den hessischen Trend gehalten. Nun müsse das Studienplatzangebot deutlich reduziert werden. Im Mittelpunkt stehe die Gestaltung des Transformationsprozesses – und die Erhaltung der Attraktivität der Hochschule.

Elmar Fulda, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK), sagte, die Zustimmung zum Pakt sei dem Präsidium schwergefallen. Ab 2026 müssten Personal- und Sachkosten reduziert werden; Stellen würden verzögert oder nicht nachbesetzt. Leistungen in Kunst, Forschung, Lehre und Verwaltung würden eingeschränkt. Die HfMDK sehe den Pakt als langfristige Veränderung und dauerhaften Wettbewerbsnachteil im Wettbewerb um qualifizierte Talente. Sie müsse festlegen, welche Aufgaben sie künftig übernimmt, welche entfallen und was zu ihrem Kerngeschäft gehört.

TU-Präsidentin Tanja Brühl kritisierte, in den Verhandlungen zwischen Land und Hochschulen sei zu wenig Zeit für Austausch und die Abwägung von Argumenten geblieben. Die Entwicklung der TU Darmstadt in Forschung, Lehre, Ausgründungen und Wissenschaftskommunikation sei durch die Kürzungen gefährdet. Den Anpassungsprozess wolle die Universität im Dialog mit ihren Mitgliedern und Einrichtungen gestalten.

Die Präsidentinnen und Präsidenten der 14 Hochschulen unterzeichneten den Pakt trotz ihrer grundsätzlichen Kritik. Sie sehen die finanzielle Grundsicherung und Entwicklungsfähigkeit der Hochschulen gefährdet und lehnen die vorgesehenen Kürzungen sowie den strukturellen Abbau des hessischen Hochschulsektors ab. Positiv bewerten sie, dass das HMWK Einzelprogramme in seinem Zuständigkeitsbereich in ein neues Sockelbudget überführt hat. Das soll Bürokratie abbauen und mehr Flexibilität schaffen.

Unterzeichnet wurde nach Angaben der Hochschulleitungen, um planbare Mindestressourcen zu sichern und Aufgaben in Forschung, Lehre, Kunst und Transfer trotz der Einschnitte möglichst gut erfüllen zu können. Außerdem setzten die Hochschulen auf die Zusage, im Fall eines wirtschaftlichen Aufsch