Am 19. Februar 2026 wurde im Bremer Rathaus der Bremer Wohnbaupreis 2025 verliehen. Der Staatspreis des Landes Bremen stand unter dem Motto „Qualität sichern, Vielfalt fördern, Gemeinschaft ermöglichen“. Zum fünften Mal zeichnete das Land wegweisende Wohnbauten und Wohninitiativen in Bremen und Bremerhaven aus.

Vergeben wurden zehn Preise, fünf Anerkennungen und fünf Sonderpreise in der Kategorie „Quartier“. Ausgelobt wird der Preis von der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung gemeinsam mit der Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen und dem Bremer Zentrum für Baukultur. Als Maßstab für die Qualität des Wohnungsbaus im Land Bremen soll er zeigen, was möglich ist – manchmal im großen Quartier, manchmal auf erstaunlich kleinem Grundstück.

84 Projekte, viele Wege zum Wohnen

Für den Wettbewerb gingen 84 Projekte ein, die seit 2018 in Bremen oder Bremerhaven realisiert wurden. Vertreten waren Einfamilienhäuser und Geschosswohnungsbau, studentisches Wohnen und Baugemeinschaften, Neubauten ebenso wie Erneuerungen erhaltenswerter Bestandsbauten. Dazu kamen energieeffiziente Konzepte, Neuinterpretationen des Bremer Hauses und neue städtebauliche Strukturen.

Der 2005 eingeführte Preis würdigt das Engagement bremischer Bauherrinnen und Bauherren sowie der beteiligten Planungs- und Architekturbüros. Das Preisträgerfeld reicht von Quartiersentwicklungen über vielfältigen und geförderten Geschosswohnungsbau bis zu individuellen Wohnformen – von Einfamilienhäusern bis zu Umbauten von Bremer Häusern.

Die interdisziplinäre Jury bewertete nicht nur städtebauliche und architektonische Qualitäten. Auch energetische Aspekte, Wohnfunktion, Wirtschaftlichkeit und Barrierefreiheit flossen ein. Vertreten waren zudem die baupolitischen Sprecher aller Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft. Aus Sicht der Jury dokumentiert der Preis aktuelle Trends des nachhaltigen Wohnungsbaus und der zeitgenössischen Wohnarchitektur.

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Die ausgezeichneten Projekte

Die zehn Preise gingen an:

  1. Grünes Haus am Hohentorsplatz
  2. Wohnprojekt KARL
  3. einfach gemischt
  4. Schweizer Foyer am Marktplatz Osterholz
  5. Hartmannstift
  6. Cecilien-Quartier/Überseegärten
  7. Kistner-Carré
  8. Neues Kaffeequartier
  9. Wohnen vor Stephani
  10. Q45

Anerkennungen erhielten:

  1. Wümmehof
  2. Speicherlofts & TQ Studio
  3. Spiralenhaus
  4. Hafenpassage
  5. Casino Futur

Die fünf Sonderpreise in der Kategorie „Quartier“ gingen an:

  1. Gartenstadt Vahr – Innenentwicklung mit Typenprojekten
  2. Europahafenkopf – Urbanes Programm
  3. Goethequartier – Mit Liebe ins Detail
  4. BlauHaus – Gemeinschaftliches und inklusives Wohnen
  5. Ellener Hof – Sozial-ökologisches Modellquartier

Ein Katalog bietet einen Überblick über die prämierten und eingereichten Projekte. Auch der Katalog und die Ausstellung zum Bremer Wohnbaupreis 2025 zeigen die gesamte Bandbreite des Wettbewerbs. Zusätzlich stehen Fotos der Preisverleihung und der Ausstellung zum Download bereit.

Zwischen bezahlbar und zukunftsfähig

Die Bremer Auswahl trifft auf eine bundesweite Debatte, die längst nicht mehr nur Fachleute beschäftigt. In Deutschlands Wachstumsregionen sind Wohnungsmieten und Kaufpreise für Wohneigentum innerhalb der vergangenen zehn Jahre stark gestiegen. Für Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen wird es dort zunehmend schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Ein Forschungsprojekt untersuchte anhand von 42 ausgewählten Modellvorhaben, unter welchen Bedingungen sich bezahlbares und zukunftsfähiges Bauen und Wohnen vereinbaren lassen. Im Mittelpunkt stand das Spannungsfeld zwischen bezahlbarem Wohnraum, Klimaschutz und Ressourcenschonung: Wie kann Wohnraum entstehen, der ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig ist, ohne für viele unbezahlbar zu werden?

Als zentraler Baustein wurde die Begrenzung der Bau- und Lebenszykluskosten untersucht. Gleichzeitig gewinnen nachhaltiges Bauen und die Klimaschutzziele für den Gebäudebereich an Bedeutung; die entsprechenden Anforderungen sollen weiter steigen. Politisches Ziel ist deshalb eine Ausweitung des Wohnungsbaus, damit qualitätsvoller und bezahlbarer Neubau die Wohnungsmärkte entlasten kann.

Die im Mai 2021 ausgewählten Modellvorhaben wurden hinsichtlich der Bezahlbarkeit des geschaffenen Wohnraums sowie ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Zukunftsfähigkeit untersucht. Die Prozess- und Ergebnisevaluation nahm außerdem förderliche und hemmende Rahmenbedingungen, Abwägungsprozesse sowie Faktoren in der Planungs-, Bau- und Nutzungsphase in den Blick.

Untersucht wurden innovative und ausgewogene Lösungsansätze auf unterschiedlichen Maßstabsebenen für eine sozialverträgliche Transformation zu zukunftsfähigem Bauen und Wohnen. Aus den Ergebnissen wurden übertragbare Erkenntnisse für die Politik abgeleitet. Sie sollen zur Entwicklung und Weiterentwicklung gesetzlicher Grundlagen, förderpolitischer Maßnahmen und Informationsstrategien beitragen.

Zusätzlich entstand ein Handlungsleitfaden für Bauherren, Planende und Kommunen. Er soll ermöglichen, Best-Practice-Ansätze aus den Modellvorhaben flächendeckend anzuwenden – durch die Entscheidungsträger, die an Projektentwicklung und Bauprozessen beteiligt sind. Klingt trocken, ist es aber nicht ganz: Am Ende geht es um die Frage, wer sich eine Wohnung leisten kann, wie lange sie funktioniert und was sie die Gesellschaft über ihren gesamten Lebenszyklus kostet.

Forschung mit vielen Stellschrauben

Die wissenschaftliche Begleitung übernahm das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, dort das Referat WB 9 „Wohnen und Klimaschutz, Bauwirtschaft“, mit Wolfgang Neußer. Auftragnehmer waren die InWIS Forschung & Beratung GmbH in Bochum mit Prof. Dr. Torsten Bölting, Patrick Hartmann, M. Sc., und Lucas Winkelkotte sowie WEEBER+PARTNER Institut für Stadtplanung und Sozialforschung W+P GmbH in Stuttgart/Berlin mit Dipl.-Ing. (FH) Simone Bosch-Lewandowski, Dr. Heike Gerth-Wefers und Simone Gretsch, M. Sc.

Der Bericht behandelt unter anderem Kurzfassung und Abstract, Einleitung, Forschungsbereiche und Methodik, den Ablauf des Forschungsprojekts, Rahmen- und Strukturdaten, Bewohnerstruktur, Regelrahmen, kommunale und andere Vorgaben, Fördermittel, Akteurskonstellationen, Planungsrecht und Wettbewerbsverfahren sowie Grundstücks- und Bauleistungsvergabe.

Weitere Themen sind Hemmnisse bei der Vereinbarkeit von Bezahlbarkeit und Zukunftsfähigkeit, die Definition und ökonomischen Zusammenhänge von „bezahlbar“, Baukosten, Finanzierung und Wirtschaftlichkeit, Lebenszykluskosten, Miet- und Kaufpreisentstehung, Wohnkosten sowie die Definition von „zukunftsfähig“. Hinzu kommen ökologische und soziale Strategien und Innovationen, Schlussfolgerungen und Handlungsansätze, die Reflexion der Modellvorhaben und Grundsätze für die Vereinbarkeit.

Der vollständige Zitiervorschlag lautet: Bölting, T.; Bosch-Lewandowski, S.; Gerth-Wefers, H.; Gretsch, S.; Hartmann, P.; Winkelkotte, L. (2024): Bezahlbares und zukunftsfähiges Bauen und Wohnen: Rahmenbedingungen und Determinanten für die Vereinbarkeit bezahlbarer Mieten und nachhaltiger Qualitäten durch eine Begrenzung der Bau- und Lebenszykluskosten. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Die Veröffentlichung erschien als BBSR-Online-Publikation 17/2024 in Bonn, DOI: 10.58007/q4g9-2c21.

Der Artikel zum Bremer Wohnbaupreis erschien zuerst in der Printausgabe des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Bremen. Heute, am 6. November 2026, liegt der Blick vom Standort RWTH Aachen damit auf einem Wettbewerb, dessen Ergebnisse längst nicht nur Bremer Angelegenheit sind: