Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist am 2. November erneut mit der EMAS-Urkunde für ihr betriebliches Umweltmanagement ausgezeichnet worden. Jörg Orlemann, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Kiel, überreichte die Urkunde an Sebastian Starzynski, Leiter der Stabsstelle Umwelt der CAU. Umweltminister Tobias Goldschmidt und Finanzministerin Dr. Silke Schneider sprachen Grußworte und würdigten die Maßnahmen der Universität zur Verringerung ihres ökologischen Fußabdrucks. Auch Kanzlerin Claudia Ricarda Meyer nahm an der Veranstaltung teil.

Seit rund 15 Jahren betreibt die CAU ein betriebliches Umwelt- und Klimaschutzmanagement. Der Anstoß kam aus der Studierendenschaft: 2009 überzeugte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) das Präsidium, sich stärker für den Klimaschutz einzusetzen. Im Mai 2010 beschloss das Präsidium, einen Umweltmanagement-Prozess zu starten und eine Zertifizierung nach der EG-Öko-Audit-Verordnung EMAS III anzustreben. Im selben Jahr fiel die Entscheidung für EMAS, das „Eco-Management and Audit Scheme“ der Europäischen Union. 2012 erhielt die Universität erstmals die EMAS-Urkunde.

Vom AStA-Impuls zum festen System

Die CAU erarbeitete außerdem als eine der ersten Hochschulen Deutschlands ein Klimaschutzkonzept. Hinter dem Kürzel EMAS steckt ein freiwilliges Umweltmanagementsystem, das über die gesetzlichen Umweltauflagen hinausgeht. Organisationen lassen ihren betrieblichen Umweltschutz regelmäßig durch staatlich zugelassene Umweltgutachter überprüfen und veröffentlichen die Ergebnisse in einer Umwelterklärung.

Für die CAU koordiniert Abteilung 6 „Infrastrukturelles Gebäudemanagement“ der Universitätsverwaltung das Umweltmanagementsystem. Zentraler Umweltmanagementbeauftragter ist Frank Eisoldt, Kanzler. Ansprechpartner und Koordinator für das Umweltmanagement ist Sebastian Starzynski.

„EMAS bedeutet für die CAU, Umwelteinflüsse zu messen, öffentlich darüber zu berichten, sich extern überprüfen zu lassen und sich kontinuierlich zu verbessern“, erklärte Kanzlerin Claudia Ricarda Meyer. Das klingt nach Verwaltungssprache, meint aber ziemlich konkrete Dinge: eine zukunftsfähige Umgestaltung und eine nachhaltige Ressourcennutzung in allen Universitätsbereichen.

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Was EMAS im Alltag verlangt

Wie dieser Ansatz praktisch funktioniert, zeigt der Blick auf die Universität Tübingen. EMAS ist ein europäisches Umweltmanagementsystem für Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Es soll Ressourcen einsparen, Umweltschutz wirksam umsetzen, Kosten reduzieren und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Erfasst und geregelt werden Umweltaspekte wie Energieverbrauch, Abfall und Emissionen – rechtssicher und transparent.

Der Ablauf ist als kontinuierlicher Verbesserungsprozess angelegt. Am Anfang steht eine umfassende Umweltprüfung, bei der die wesentlichen Umweltauswirkungen erfasst werden. Jährlich werden Umweltziele und Maßnahmenprogramme überprüft, angepasst und neu festgelegt; im Jahresverlauf wird das Umweltprogramm umgesetzt. Externe Umweltgutachterinnen oder Umweltgutachter prüfen die Ergebnisse und Fortschritte jedes Jahr. Alle drei Jahre folgt eine umfassende Revalidierung, außerdem wird jährlich eine Umwelterklärung zur Entwicklung des Umweltmanagementsystems und zu den Umweltleistungen veröffentlicht.

In Tübingen ist die Universität seit 2011 als erste Hochschule in Baden-Württemberg nach EMAS zertifiziert und darf das EMAS-Logo führen. Das validierte Umweltmanagementsystem wurde in Verwaltung, Forschung und Lehre verankert. Seit 2011 wird die Universität alle drei Jahre revalidiert, zuletzt erfolgreich 2023. Ausgangspunkt war ein Symposium im Juni 2008 zum Thema „Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“, organisiert von der Studierendeninitiative „Greening the University“.

Der Blick über den Campus hinaus

Das Tübinger Beispiel macht auch sichtbar, wie weit ein solches System reichen kann: Das Umweltmanagement umfasst die gesamte Universität – Fakultäten, wissenschaftliche Einrichtungen, betriebliche Einrichtungen, zentrale und sonstige Einrichtungen sowie die zentrale Verwaltung und ihre Stabsstellen. Nicht einbezogen sind die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum. Beide haben eine eigene Verwaltung, eine eigene Gebäudebewirtschaftung und eine von der Universitätsverwaltung getrennte Haushaltsführung.

Wer das Kieler Umweltmanagement kontaktieren möchte, findet die zuständige Stelle bei der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Christian-Albrechts-Platz 4, Raum 1314, 24118 Kiel. Telefonisch ist Sebastian Starzynski unter 0431/880-4911 erreichbar, per E-Mail unter sstarzynski@uv.uni-kiel.de. Die erneute Auszeichnung am 2. November zeigt jedenfalls: Bei EMAS reicht es nicht, einmal ein Konzept abzuheften. Danach geht die Arbeit erst richtig weiter.