Climate CH2025: 3,25 Grad Erwärmung bis 2100 möglich – noch bleibt Handlungsspielraum
Leipzig, 6.10.2026. Der neue Bericht Climate CH2025 von MeteoSchweiz und der ETH Zürich zeichnet ein Bild, das selbst in der Klimaforschung unangenehm nachhallt: Das bisher schlimmste der drei untersuchten Szenarien – eine globale Erwärmung um 3 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit – ist derzeit am wahrscheinlichsten.
Untersucht wurden Entwicklungen bei einer Erwärmung um 1,5 °C, 2 °C und 3 °C. Neue Forschungsergebnisse der ETH Zürich und der Universität Leipzig kommen zu dem Schluss, dass die globale Temperatur bis 2100 um 3,25 °C steigen könnte. Ohne sofortige und starke Emissionssenkungen könnte die Erwärmung laut der Studienautorin Gergana Gyuleva sogar um 25 Prozent höher ausfallen als bisher angenommen.
Die Schweiz spürt die Veränderung schon
Extreme Hitze ist in der Schweiz längst messbar. Dazu kommt: Das Land erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Bei einer globalen Erwärmung um 3 °C könnte die Temperatur in der Schweiz um zusätzliche 4,9 °C steigen. Erwartet werden unter anderem mehr Tropentage, trockenere Sommer, häufigere Starkniederschläge und schneeärmere Winter.
Der Klimawandel ist durch langjährige Beobachtungen in der Schweiz und weltweit bestätigt. Seine Ursache ist eindeutig: vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen. Die Folgen sind bereits wahrnehmbar und werden sich künftig verstärken. Die Schweizer Klimaszenarien beschreiben, wie sich das Klima unter der fortschreitenden globalen Erwärmung entwickeln könnte.
Wie schnell sich die Lage verändert, zeigen die Hitzetage dieses Jahres. In Basel wurden 58 Tage mit mehr als 30 °C gezählt, in Bern 46 und in Zürich 38. Für die Region Zürich hatten die Szenarien bei 3 °C globaler Erwärmung ungefähr 30 Hitzetage prognostiziert. Da liegt die Wirklichkeit schon deutlich darüber – und der Sommer fühlt sich nicht gerade nach einer Randnotiz an.
Satelliten messen die wachsende Energielücke
Die neue Prognose stützt sich nicht nur auf historische CO₂- und Temperaturdaten. Eingeflossen sind auch Satellitenmessungen. Sie erfassen, wie viel Sonnenlicht die Erde aufnimmt und wie viel Wärme sie ins All abstrahlt.
Seit dem Jahr 2000 hat sich die Differenz zwischen aufgenommener Sonnenenergie und abgegebener Wärme mehr als verdoppelt. Das deutet darauf hin, dass die Wärmemenge in der Erdatmosphäre schneller zunimmt als bisher angenommen. Einen Haken gibt es allerdings: Die Satellitendaten reichen nur etwa 25 Jahre zurück.
Die neuen Klimaszenarien wurden von MeteoSchweiz und der ETH Zürich unter der Leitung des National Centre for Climate Services (NCCS) erstellt. Sie sollen keine exakte Zukunft vorhersagen, sondern mögliche Entwicklungen des Schweizer Klimas sichtbar machen. Der Unterschied klingt klein, ist aber entscheidend – denn davon hängt ab, welche Risiken eingeplant werden.
Noch ist der Verlauf nicht festgeschrieben
Ein großer Teil der weiteren Erwärmung kann nach Einschätzung der Forschenden noch verhindert werden. Bei drastisch sinkenden Emissionen könnten sich die Erwärmungsszenarien halbieren. Dafür müssten die weltweiten Emissionen bis etwa 2030 halbiert und spätestens bis 2050 auf null gesenkt werden.
Für die Schweiz bedeutet das unter anderem: Benzinautos müssten durch Elektroautos ersetzt, Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen oder Geothermie ausgetauscht und erneuerbare Energien ausgebaut werden. Das klingt nach Baustelle – und ist es auch. Aber nicht jede Veränderung muss nach Verzicht schmecken.
Elektroautos könnten nachts geladen und zugleich als Speicher für das Stromnetz genutzt werden. Weniger Benzinautos würden ruhigere Städte und sauberere Luft bedeuten. Eine geringere Produktion und ein niedrigerer Konsum von Fleisch und Milchprodukten könnten die Lebensmittelqualität verbessern, den Import von Futtermitteln reduzieren, den Nitratgehalt im Grundwasser senken und den Tierschutz stärken.
Auch geopolitisch hätte ein Energiesystem ohne Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen Vorteile: Es wäre weniger anfällig für Krisen. Gerade dieser Punkt wirkt außerhalb von Klimakurven und Satellitendaten ziemlich greifbar.
Im Bericht Climate CH2025 wird zugleich darauf hingewiesen, dass alarmierende Klimadarstellungen kontraproduktiv sein können. Sie sollten mit konkreten Handlungsmöglichkeiten verbunden werden. Das ist vermutlich die schwierigere Kunst: die Hitze nicht kleinzureden, aber Menschen auch nicht mit einer Zahl wie 3,25 °C allein zu lassen.
Am Ende bleibt der Blick auf die Messgeräte, auf trockene Böden, volle Gewitterrinnen und Winter mit weniger Schnee. Und auf die politischen Entscheidungen, die noch vor 2030 fallen müssen.
