Cyberangriff auf das HSZ-BW legt Hochschuldienste lahm
Seit dem Cyberangriff auf das Hochschulservicezentrum Baden-Württemberg (HSZ-BW) stehen an zahlreichen Hochschulen wichtige digitale Dienste still. Noten- und Bewerbungssysteme, Raum- und Stundenpläne sowie weitere Hochschulinformationssysteme sind weiterhin nicht verfügbar. Betroffen sind Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen und einige Landeseinrichtungen.
Entdeckt wurde der Angriff nach Angaben des HSZ in der Nacht zum 6. Oktober; der Angriff selbst wird vom HSZ auf den 7. Oktober 2026 datiert. Die IT-Abteilung leitete daraufhin Maßnahmen zur Schadensbegrenzung ein, ein Krisenstab wurde eingerichtet. Wer hinter dem Angriff steckt und wie genau der Zugriff erfolgte, ist noch unklar. Fest steht laut HSZ: Schadsoftware wurde installiert. Ob eine Lösegeldforderung vorlag, kommentierte ein Sprecher nicht.
Daten weitgehend intakt, Wiederaufbau läuft
Nach einer forensischen Analyse sind die Daten der Hochschulen weitgehend intakt. Vermutlich floss rund ein Gigabyte ab. Die Ermittler halten es für sehr unwahrscheinlich, dass personenbezogene Daten aus den HSZ-BW-Netzen gestohlen wurden. Ganz ausschließen lässt sich das allerdings nicht.
Offenbar drangen die Angreifer nur in einen kleinen Teil des HSZ-BW-Netzes ein, verschlüsselten dort Dateien und griffen Daten ab. Weil nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dass Schadsoftware in anderen Netzbereichen verblieben ist, baut das HSZ seine Netzwerkumgebung und Server vollständig neu auf. Erst danach sollen die Hochschuldaten auf den Stand kurz vor dem Angriff zurückgespielt werden. Die Systeme gehen laut HSZ erst wieder in Betrieb, wenn eine Gefährdung vollständig ausgeschlossen werden kann. Wann das sein wird, ist derzeit nicht absehbar.
Die Wiederherstellung der Hochschuldienste läuft weiter. Einen Termin für die vollständige Verfügbarkeit gibt es nicht. Das merkt man nicht nur am Bildschirm: Lehrkräfte konnten zunächst nicht bezahlt werden, auch Gehaltszahlungen könnten ausfallen oder sich verzögern. Inzwischen wurden provisorische Verfahren eingerichtet, damit die Hochschulverwaltungen arbeits- und zahlungsfähig bleiben.
Von Rechnungen bis Bewerbungen
Wie stark einzelne Einrichtungen betroffen sind, hängt vom jeweiligen Servicepaket beim HSZ ab. An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen kommt es zu Zahlungsverzögerungen; alternative Abläufe werden vorbereitet. Die Hochschule Pforzheim kann elektronische Rechnungen derzeit nicht verarbeiten und bittet darum, diese per E-Mail einzureichen.
Die Hochschule für Musik Karlsruhe musste ihr Bewerbungsverfahren ändern und verlängerte die Bewerbungsfrist. Für Studierende und Bewerberinnen und Bewerber ist das trotzdem kein kleiner Umweg: Wenn Stundenpläne fehlen, Bewerbungen anders laufen und Noten nicht abrufbar sind, wird aus digitaler Verwaltung ziemlich schnell Papier, Telefon und Warten.
Auch die LMU München betroffen
Der Angriff in Baden-Württemberg fällt in eine Phase, in der Hochschulen bundesweit mit Cyberangriffen zu kämpfen haben. Bereits im September wurde die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) angegriffen. Betroffen waren rund 600.000 Datensätze ehemaliger und aktueller Studierender.
Nach Angaben der LMU enthielten Datensätze bis einschließlich 1994 lediglich Stammdaten und Semesterhistorien. Ab 2005 waren die Informationen teilweise umfangreicher und konnten auch Bankdaten enthalten. Je nach Fall könnten außerdem Krankenversicherungs- und BAföG-Nummern, Angaben zum Studienverlauf sowie Beurlaubungsgründe betroffen sein. Passwörter, Prüfungsinformationen, Studieninhalte und individuelle Leistungsdaten wurden laut LMU nicht erbeutet.
Was Hochschulen vorbeugend tun können
Einen hundertprozentigen Schutz vor Cyberangriffen gibt es nicht. Hochschulen und Universitäten stehen wegen ihrer Größe, ihrer heterogenen Strukturen und der vielen Nutzergruppen vor besonderen Herausforderungen. Der Schutz beginnt dabei erstaunlich unspektakulär: Serverräume sollten abschließbar sein und vor unbefugtem Zugriff geschützt werden.
Zu den technischen Grundlagen gehören regelmäßige Schwachstellenscans, Zwei- oder Mehr-Faktor-Authentifizierung und ein funktionierendes Patchmanagement. Ebenso wichtig ist der Faktor Mensch. Mitarbeitende und Studierende sollten geschult, für Gefahren durch Cybercrime sensibilisiert und mit einer zentralen Anlaufstelle für Fragen und Probleme zur IT-Sicherheit ausgestattet werden.
Fehlt das Budget für einen externen IT-Dienstleister, können Hochschulen eigene Mitarbeitende ausbilden und internes IT-Sicherheitswissen aufbauen. Empfohlen wird außerdem ein einheitliches IT-Sicherheitskonzept für die gesamte Hochschule. Innerhalb des Netzwerks sollten einzelne Bereiche konsequent segmentiert und voneinander getrennt sein. Ein Rollenkonzept muss Zugriffsrechte passend verteilen und Administratorrechte auf dafür vorgesehene Personen beschränken.
Zentrale Verwaltungsfunktionen und andere betrieblich kritische Bereiche brauchen zusätzlichen Schutz und sollten von anderen Netzwerksegmenten isoliert werden. Das erschwert Angreifern den Weg zu besonders sensiblen Bereichen und begrenzt ihre Ausbreitung im Netzwerk. Für den Ernstfall gehört in jedes Sicherheitskonzept ein erprobter Notfallplan. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt dafür unter anderem Checklisten mit wichtigen Schritten bereit. Unterstützung für betroffene Unternehmen und Einrichtungen bietet auch das Team CYBER FOX®.
Im Hochschulservicezentrum bleibt derweil viel Arbeit: Netzwerk und Server werden neu aufgebaut, die Daten sollen zurückgespielt werden, und an den Hochschulen laufen Übergangslösungen für Zahlungen, Rechnungen und Bewerbungen. Der digitale Stundenplan bleibt vielerorts vorerst leer.
