Cyberangriff legt IT-Betrieb der Universität Leipzig lahm
An der Universität Leipzig läuft der Betrieb am 30. Oktober 2026 nur eingeschränkt. Die Hochschule ist weiterhin von den Folgen eines Cyberangriffs betroffen. Zahlreiche IT-Dienste sind auch mehrere Tage nach dem Angriff nicht erreichbar; wann sie zurückkommen, ist offen.
Am Mittwoch nahm die Universität vorsorglich alle internetverbundenen Angebote und Server vom Netz. Die Maßnahme sollte weiteren Schaden verhindern. Für rund 30.000 Studierende und die Beschäftigten bedeutet das: E-Mail-System und verschiedene digitale Plattformen funktionieren nicht wie gewohnt, der Universitätsbetrieb ist beeinträchtigt.
Krisenstab sucht nach dem Einfallstor
Unter Leitung der Rektorin wurde ein Krisenstab eingerichtet. Mitarbeitende des Universitätsrechenzentrums untersuchen den Vorfall, zusätzlich wurde ein IT-Notfall-Dienstleister beauftragt. Die Sicherheit aller Daten hat zunächst Priorität. Ziel ist, den regulären Betrieb zumindest teilweise bald wieder aufzunehmen.
Viele Fragen sind allerdings noch offen: Welche Auswirkungen hat der Angriff auf gespeicherte Daten? Wie gelangten die Angreifer in die IT-Infrastruktur? Und sind Daten abgeflossen? Einen möglichen Datenabfluss hat die Universität bislang nicht bestätigt. Die zuständigen Behörden wurden informiert.
Für aktuelle Informationen gibt es unter der offiziellen Webadresse eine Ersatz-Webseite. Dort findet sich auch eine FAQ-Seite zu den Folgen für Studium und Lehre. Einen Zeitpunkt für die vollständige Wiederaufnahme des IT-Betriebs hat die Universität nicht genannt.
Lehre läuft weiter – mit Einschränkungen
Präsenzveranstaltungen finden weiterhin statt, und die Präsenzlehre läuft planmäßig in den vorgesehenen Räumen. Digitale Lehrveranstaltungen können dagegen verschoben oder über externe Server durchgeführt werden. Für Studierende heißt das: Rucksack packen und in den Hörsaal gehen, statt auf den nächsten funktionierenden Login zu hoffen.
Auch die hochschulöffentliche Vorstellung der Kandidatin für die Rektorenwahl am Freitag soll wie geplant stattfinden. Wegen des IT-Angriffs wird es dazu allerdings keinen Livestream geben.
Hochschulen zwischen Angriffen und föderalen Zuständigkeiten
Der Vorfall in Leipzig fällt in eine Zeit, in der Cyberangriffe auf Hochschulen deutlich zugenommen haben. Das Spektrum reicht laut der Studie „Cybersicherheit an Hochschulen: Föderale Ansätze und (gemeinsame) Wege“ von Phishing- und Spam-Attacken bis zu mutmaßlich staatlich gesteuerten Operationen. Cybersicherheit ist damit zu einem zentralen Handlungsfeld für Hochschulen und Wissenschaftspolitik geworden.
Die vom HIS-Institut für Hochschulentwicklung veröffentlichte Studie erschien am 1. Oktober 2025 als HIS-HE:Forum 3|2025 „Cybersicherheit an Hochschulen“. Autor:innen sind Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch. Untersucht wurde erstmals systematisch, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern.
Grundlage waren eine Dokumentenanalyse sowie Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams, kurz CERTs. Der Erhebungszeitraum war der Sommer 2024. Das Bild ist föderal ziemlich unterschiedlich: Einige Länder verfügen über umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen stärker auf autonome Lösungen der einzelnen Hochschulen.
Unterschiede zeigen sich vor allem bei der organisatorischen Verankerung von Zuständigkeiten, bei Unterstützungsleistungen und bei der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen. CERTs sind in vielen Ländern für Hochschulen zuständig, werden von diesen bislang aber nur in geringem Umfang genutzt.
Geprägt wird der Handlungsspielraum außerdem durch rechtliche Vorgaben wie die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die Vielzahl föderaler Zuständigkeiten. Die Studie versteht Cybersicherheit dabei nicht bloß als technische Aufgabe. Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Verantwortlichkeiten eindeutig regeln; Ministerien müssen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und geeignete institutionelle Rahmenbedingungen schaffen. Länderübergreifende Kooperation und systematischer Wissenstransfer gelten als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz.
Die Studie ist in sieben Teile gegliedert: „Cybersicherheit und Hochschulen: Ziele und Methodik“ mit den Abschnitten zu Cyberangriffen und Bedrohungslage sowie Untersuchungsziel und Fragestellungen; „Erhebungsmethodik“; „Rahmenbedingungen für Cybersicherheit“ mit aktuellen Bedrohungslagen, rechtlichen Grundlagen und föderalen Zuständigkeiten; „Umfrageergebnisse von Länderministerien und CERTs“ mit ministeriellen Cybersicherheitsansätzen und CERT-Unterstützungsleistungen; „Cybersicherheit an Hochschulen in den Bundesländern“; „Erkenntnisse und Bewertung“ sowie das Literaturverzeichnis.
Im Länderabschnitt werden Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen behandelt. In Leipzig bleiben derweil E-Mail-Postfach, Plattformen und Livestreams vorerst eine ziemlich zähe Angelegenheit.
