Halloween-Geschäft wächst: Zwischen Kostümpalast, Kürbissen und Partyboom in Heilbronn-Franken
Halloween bleibt im Raum Heilbronn-Franken ein erstaunlich stabiles Geschäft. Für 2026 erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) bundesweit rund 537 Millionen Euro Umsatz – 3,3 Prozent mehr als 2025, obwohl die Preise gestiegen sind und viele Menschen beim Konsum vorsichtiger geworden sind. Heute, am 30. Oktober 2026, ist davon in manchen Läden bereits einiges zu spüren.
Beim Händler Rofu in Heilbronn waren Halloween-Kostüme nach Angaben des Geschäfts seit Tagen nahezu ausverkauft. Die Rabatte wegen eines bevorstehenden Umbaus könnten die Nachfrage zusätzlich angekurbelt haben. Gleichzeitig zeigt sich vor Ort ein gemischtes Bild: Einige Kundinnen und Kunden geben mehrere Hundert Euro aus, andere drehen jeden Euro zweimal um.
Dekoration vor dem Kostüm
Viele Familien schmücken ihre Häuser und Gärten schon Wochen vor Halloween. Skelette hängen an Zäunen, Horrorclowns stehen zwischen Sträuchern, Figuren mit Bewegungsmeldern erschrecken Passantinnen und Passanten – manchmal reicht ein Schritt auf den Gehweg, und irgendwo knarrt oder kreischt es.
Anne Perius, Mitinhaberin des Kostümpalasts in Freiberg am Neckar, beobachtet gerade bei Halloween-Dekorationen eine hohe Nachfrage. Besonders begeisterte Fans geben laut Perius jährlich mindestens 300 Euro dafür aus. Seit der Corona-Pandemie habe das Dekorieren an Bedeutung gewonnen: Viele Menschen hätten damals angefangen, ihre Häuser aufwendig zu schmücken, und erweiterten ihre Sammlungen seither jedes Jahr.
Marketing-Professor Philipp Rauschnabel von der Universität der Bundeswehr München erklärt den Trend mit einem Vergleich zu Weihnachten. Viele Haushalte hätten bereits umfangreiche Weihnachtsdekorationen, während Halloween-Deko für manche noch neu sei. Deshalb werde häufiger überhaupt erst angeschafft. Einen direkten Zusammenhang zwischen der gestiegenen Nachfrage und der Corona-Pandemie könne die Forschung laut Rauschnabel allerdings nicht nachweisen.
Dazu kommt der Blick aufs Handy. Die eigene Dekoration wird nicht mehr nur mit der Nachbarschaft verglichen, sondern mit aufwendig inszenierten Häusern auf Instagram und TikTok. Daraus kann sozialer Druck entstehen: Wenn nebenan ein beleuchtetes Skelett am Dachfirst hängt, wirkt der eigene Kürbis plötzlich ein bisschen verloren.
Auch echte Kürbisse zum Schnitzen bleiben beliebt. Jutta Böhringer verkauft sie auf dem Heilbronner Wochenmarkt und berichtet von besonders großem Andrang kurz vor Halloween. Der Geruch von Erde, das orange Fruchtfleisch, klebrige Hände – für viele gehört genau das dazu.
Weniger Käufer, andere Ausgaben
Die Prognose des HDE beruht auf einer im Oktober 2026 vom IFH Köln durchgeführten repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.000 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren. Der Anteil der Verbraucherinnen und Verbraucher, die Ausgaben für Halloween planen, sinkt demnach leicht: von 15,2 Prozent im Jahr 2025 auf 14,9 Prozent 2026.
Das Geld verteilt sich außerdem anders. Für Süßwaren und Schminke wollen Verbraucher weniger ausgeben, während die Ausgaben für Dekoration, Getränke und sonstige Lebensmittel steigen sollen. Zu den relevanten Sortimenten zählen außerdem Kostüme und Partybedarf. Gegenüber 2019 soll das Halloween-Geschäft dennoch um 69 Prozent gewachsen sein.
Bei Kostümen merken Händlerinnen und Händler die Zurückhaltung. Laut Perius kaufen viele keine komplette Verkleidung mehr, sondern stellen sie selbst zusammen – mit Perücke, Schminke und einzelnen Accessoires. Die klassischen Horrorfiguren bleiben gefragt: Michael Myers, Freddy Krueger und Figuren aus dem Film „Scream“ tauchen weiterhin häufig in den Wünschen auf.
Aylin Eser aus Heilbronn möchte beim Halloween-Feiern keine großen finanziellen Einschränkungen machen. Sie schminkt sich gerne mit möglichst realistisch wirkenden Wunden und Narben. Bahanur Yavuz, 26 Jahre, will als Polizistin zu einer Veranstaltung gehen, überlegte bei einem Kostüm für 70 Euro aber zweimal, ob sich der Kauf lohnt.
Alina Feil aus Neuenstadt am Kocher verzichtet bewusst auf Halloween. Sie verkleidet sich nicht gerne und möchte kein Geld für ein Outfit ausgeben, das sie vermutlich nur einmal trägt. Selim Saray aus Eppingen kritisiert derweil, dass amerikanische Bräuche wie Halloween in Deutschland selbstverständlich akzeptiert würden, während Bräuche anderer Kulturen häufiger kritisiert oder ignoriert würden.
Party statt Kinderfest
Halloween ist längst nicht mehr nur eine Sache für Kinder. Erwachsene Veranstaltungen tragen laut Perius dazu bei, dass das Fest ein breiteres Publikum erreicht. Der Veranstalter Korel Demirönal aus Neckarsulm beobachtet, dass Menschen bewusster entscheiden, für welche Veranstaltungen sie Geld ausgeben. Halloween bleibe für viele trotzdem ein besonderer Anlass: Freunde seien unterwegs, und es gebe ein konkretes Unterhaltungsangebot.
Zu seiner Halloween-Party in der Heilbronner Harmonie, bei der unter anderem DJ Robin Schulz auftritt, kommen auch Menschen, die sonst selten feiern gehen. Manche erscheinen verkleidet, andere nicht. Die Veranstaltung wird laut Demirönal seit Monaten vorbereitet – lange bevor die ersten Kürbisse auf den Wochenmarkt kommen.
Während draußen vielleicht schon die nächste Plastikspinne im Wind hängt, laufen drinnen also mehrere Versionen von Halloween nebeneinander: das selbst zusammengestellte Kostüm, die aufwendig beleuchtete Hauseinfahrt, der geschnitzte Kürbis und die Party mit Musik bis spät in die Nacht. Der deutsche Einzelhandel rechnet derweil mit 537 Millionen Euro Umsatz, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr und rund 69 Prozent mehr als 2019. An den Kassen dürfte es morgen trotzdem nicht überall gleich aussehen.
