Die digitale Bildung in Deutschland steht vor großen Herausforderungen, wie die aktuelle Analyse über digitale Kompetenzen von Achtklässler*innen zeigt. Eine Studie, die vom DIPF, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Paderborn durchgeführt wurde, ergab, dass sich soziale Unterschiede in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren erheblich vergrößert haben. Die Ergebnisse wurden am 13. Mai 2026 im Fachjournal „Computers & Education“ veröffentlicht und basieren auf der „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) für die Jahre 2013, 2018 und 2023. Untersucht wurden etwa 8.500 Schüler*innen der Jahrgangsstufe 8.

Die Studie verdeutlicht, dass Schüler*innen aus privilegierten Familien signifikant bessere digitale Kompetenzen aufweisen als ihre Altersgenossen aus weniger begünstigten Verhältnissen. Der Unterschied in den Kompetenzpunkten stieg von 43 Punkten im Jahr 2013 auf 66 Punkte im Jahr 2023. Dies spiegelt sich auch in den häuslichen Bedingungen wider: Schüler*innen mit mehr als 200 Büchern im Elternhaus erzielten 2013 66 Punkte mehr als solche mit 25 oder weniger Büchern; 2023 war dieser Unterschied auf 86 Punkte angewachsen.

Einfluss der Schulart und der Coronapandemie

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist der Einfluss der Schulart auf die digitalen Kompetenzen. Gymnasiasten erzielten 2013 65 Punkte mehr als Schüler*innen anderer Schularten; 2023 lag dieser Unterschied bei 85 Punkten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Anforderungen an nicht gymnasiale Schulen möglicherweise unterschätzt wurden. Während die technologische Ausstattung und die Nutzung digitaler Medien durch Lehrkräfte in den Schulen gestiegen sind, zeigen die Kompetenzen an nicht gymnasialen Schulen einen Rückgang.

Zusätzlich wurde ein Zusammenhang zwischen den sozialen Ungleichheiten und der Coronapandemie hergestellt. Die Schulschließungen führten dazu, dass der Einfluss des Elternhauses auf die schulischen Leistungen verstärkt wahrgenommen wurde. Über 90% der Lehrer*innen befürchteten eine Zunahme der sozialen Ungleichheit. Der digitale Kompetenzrückgang nicht gymnasialer Schulen ist Teil eines größeren Trends, den auch die PISA-Studien dokumentierten, mit Rückgängen in Mathematik und Lesen.

Zukunftsperspektiven und Empfehlungen

Die ICILS 2023 zeigt auch, dass 40% der Schüler nur die unteren beiden Kompetenzstufen erreichen, insbesondere an nicht gymnasialen Schulen. Das zeigt, dass viele Schüler in der Lage sind, digitale Informationen nicht einzuordnen oder produktiv zu nutzen, was den Zugang zu digitaler Bildung erschwert. Lehrkräfte sehen daher einen dringenden Bedarf an Fortbildungen, um den individualisierten Lernansatz zu unterstützen und neue digitale Technologien effektiv zu integrieren.

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In einer breiteren europäischen Perspektive hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine relativ gute Position, jedoch erreichen 50% der Schüler nur die unteren Kompetenzstufen. Besonders auffällig sind die Kompetenzunterschiede bei Schüler*innen mit Zuwanderungshintergrund, wo ein Unterschied von 81 Punkten besteht. Um diese Herausforderungen anzugehen, empfehlen Experten eine 1:1-Ausstattung von Schülern mit digitalen Endgeräten und eine stärkere Förderung der digitalen Medienkompetenz.

Die Ergebnisse der ICILS-Studie werfen grundlegende Fragen zur Bildungsgerechtigkeit auf und unterstreichen die Notwendigkeit, die Qualität der Lehrprozesse über die Häufigkeit der Digitalisierung zu stellen. Um die digitale Bildung in Deutschland nachhaltig zu verbessern, bedarf es gezielter Maßnahmen, wie sie auch im Kontext des “DigitalPakt Schule” diskutiert werden.

Die Detailanalysen zur ICILS-Studie sind in der umfassenden Veröffentlichung von Lörz et al. (2026) zu finden, die weitere Forschungsergebnisse und Handlungsempfehlungen bereitstellt. Die Herausforderungen bleiben groß, doch durch umfassende Maßnahmen und Unterstützungsprogramme könnte die digitale Bildung in Deutschland langfristig auf ein höheres Niveau angehoben werden.