Pflegende Angehörige stehen vor enormen Herausforderungen, die oft unbemerkt bleiben. Laut einem Bericht der Universität Witten/Herdecke sind Millionen Menschen täglich mit der Pflege von Angehörigen beschäftigt, häufig zusätzlich zu ihren beruflichen und familiären Verpflichtungen. Diese Pflege kann zu Dauerstress, Überforderung und Isolation führen, insbesondere in Familien mit sprachlichen oder kulturellen Barrieren. Solche Herausforderungen betreffen häufig schwer erreichbare Gruppen, die durch traditionelle Unterstützungsangebote oft nicht angesprochen werden.
In diesem Kontext hat eine aktuelle Studie der Universität Witten/Herdecke im Rahmen des Verbundprojekts „Diversity-On“ ein digitales Selbsthilfeangebot für pflegende Angehörige entwickelt. Der Fokus liegt auf Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte, um die Bedürfnisse dieser repräsentativen Gruppe besser zu verstehen und zu bedienen. Die Initiative nutzt Storytelling, um durch Geschichten, die aus Interviews mit Betroffenen gewonnen wurden, Identifikation und Reflexion zu fördern.
Innovative Ansätze zur Unterstützung pflegender Angehöriger
Die Geschichten, die typische Pflegesituationen wie Zeitdruck und familiäre Konflikte thematisieren, sind offen gestaltet. Sie bieten keine direkten Lösungen, sondern regen vielmehr zur Reflexion und zum Austausch in moderierten Online-Gruppen an. Der Ansatz hat sich als effektiv erwiesen, um komplexe Situationen greifbarer zu machen. Neun unterschiedliche Pflegekonstellationen wurden identifiziert, darunter überlastete Alleinpflegende.
Die Story-Pakete, die im Rahmen des Projekts entwickelt wurden, können flexibel in Selbsthilfegruppen oder Beratungen eingesetzt werden. Sie stehen in deutscher, türkischer und englischer Sprache kostenfrei zur Verfügung. Das Projekt „Diversity-On“ läuft von Januar 2023 bis Dezember 2025 und wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Zudem erfolgt die Durchführung des Projekts in Zusammenarbeit mit der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Demenz Support Stuttgart gGmbH.
Multimediale Narrationen zur Darstellung der Pflege
Die Pflegebranche wird auch durch gesellschaftliche Debatten geprägt, die Themen wie Fachkräftemangel und steigende Belastungen umfassen. Im Rahmen eines weiteren Projekts an der Hochschule Darmstadt entwickeln Studierende mediengestützte Narrative, um realitätsnähere Einblicke in den Pflegealltag zu bieten. Diese interdisziplinäre Arbeit umfasst diverse medienpraktische Ansätze, um stereotype Darstellungen zu erweitern.
Die Studenten arbeiten eng mit dem Caritasverband Offenbach/Main e.V. zusammen, um authentische Einblicke in die Lebensrealitäten von Pflegekräften zu gewinnen. Ziel ist es, zeitgemäße audiovisuelle Erzählformate zu schaffen, die den Pflegeberuf abseits gängiger Klischees sichtbar machen. Diese Formate sollen die Perspektiven der Pflegekräfte selbst einbeziehen und so eine breitere Diskussion über ihre Rolle in der Gesellschaft fördern.
Zusammengefasst zeigt sich, dass Pflege eine zunehmend wichtiger werdende gesellschaftliche Herausforderung darstellt. Die innovativen Ansätze sowohl in der digitalen Selbsthilfe als auch in der multimedialen Dokumentation liegen im Bestreben, die Lebensrealitäten pflegender Angehöriger aufzuzeigen und ihnen die notwendige Unterstützung anzubieten. Diese Entwicklungen könnten einen entscheidenden Beitrag zur Entlastung der Betroffenen leisten und die wertvolle Arbeit von Pflegekräften respektvoll würdigen, wie auch das Zentrum für Qualität in der Pflege betont.