Wer in Dresden im Verwaltungsgebäude an der Lingnerallee 3 etwas erledigen möchte, muss ab sofort einen anderen Weg nehmen. Das Haus ist nur noch über den nördlichen Haupteingang erreichbar. Der sogenannte „Eingang Nord“ liegt am Parkplatz parallel zur Grunaer Straße.

Die neue Regelung betrifft den Bürgerservice mit Melde-, Pass- und Ausweiswesen. Künftig sollen darüber außerdem Teile des Standesamts zugänglich sein. Für Besucherinnen und Besucher heißt das: ein anderer Eingang, möglicherweise ein längerer Weg und vorerst einige Einschränkungen.

Hublift für Rollstühle, Treppen für Kinderwagen

Am neuen Zugang ist die Barrierefreiheit derzeit eingeschränkt. Rollstuhlfahrer können einen Hublift nutzen, der Sicherheitsdienst unterstützt vor Ort. Die Räume im Gebäude selbst sind stufenlos erreichbar. Kinderwagen passen allerdings nicht auf den Hublift und müssen vorerst über die Treppen getragen werden.

Die Stadt arbeitet nach eigenen Angaben daran, den vollständig barrierefreien Zugang schnellstmöglich wiederherzustellen. Weitere Informationen gibt es im städtischen „Infoportal Barrierefreiheit“ unter dresden.de/barrierefrei.

Messer und Brandversuch in der Ausländerbehörde

Auslöser für die Zugangsumstellung war ein Vorfall am 28. August in der Ausländerbehörde im selben Gebäudekomplex. Ein 34-jähriger Mann soll versucht haben, Papiere anzuzünden, und einen Mitarbeiter mit einem Messer bedroht haben. Der Sicherheitsdienst nahm ihm das Messer ab, anschließend nahm die Polizei den Mann fest. Verletzt wurde niemand. Für den 34-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.

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Nach dem Vorfall kündigte die Stadt verstärkte Schutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten an. Wie genau der zusätzliche Schutz im Alltag aussieht, teilte sie in den vorliegenden Informationen nicht mit. Klar ist nur: Der Haupteingang bleibt vorerst geschlossen, der Weg führt nun am Parkplatz an der Grunaer Straße vorbei.

Gewalt im öffentlichen Dienst ist kein Einzelfall

Der Vorfall in Dresden steht in einem größeren Zusammenhang. Eine BMI-Studie von 2022 ergab, dass jede vierte Beschäftigte beziehungsweise jeder vierte Beschäftigte im öffentlichen Dienst Gewalt erlebt hat. In einer forsa-Umfrage von 2025 im Auftrag des dbb hielten 73 Prozent der Befragten den Staat angesichts seiner Aufgaben und Probleme für überfordert. Das Vertrauen in den Staat ist demnach das fünfte Jahr in Folge gesunken; 84 Prozent fanden außerdem, der Umgang der Menschen untereinander werde rücksichtsloser und brutaler.

Die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst gab an, bei der Arbeit bereits behindert, beschimpft oder körperlich angegriffen worden zu sein. Einer weiteren forsa-Umfrage von 2025 im Auftrag des DGB zufolge waren 38 Prozent schon digitaler Gewalt ausgesetzt. Rund 13 Prozent waren direkt betroffen, insbesondere durch Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen. In den Berufsgruppen Polizei, Justiz und Verteidigung lag der Anteil bis zu doppelt so hoch.

Auch kommunale Amts- und Mandatsträger erleben Anfeindungen. Eine Umfrage des Magazins Kommunal ergab, dass knapp zwei Drittel der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister während ihrer Tätigkeit beleidigt, beschimpft, bedroht oder körperlich angegriffen wurden. Einer Studie im Auftrag des Innenministeriums Brandenburg zufolge erlebte etwa jede beziehungsweise jeder dritte kommunale Amts- oder Mandatsträger in Brandenburg zwischen 2014 und 2021 mindestens einmal Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen oder körperliche Gewalt.

Im Kommunalen Monitoring (KoMo) erheben kommunale Spitzenverbände und das Bundeskriminalamt halbjährlich Daten zu Gewalt gegen Amtsträgerinnen und Amtsträger. Bei einer Forsa-Befragung von mehr als 1.500 ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im April 2024 vorstellte, gaben 40 Prozent an, selbst oder in ihrem Umfeld Hass, Anfeindungen oder Gewalt im Amt erlebt zu haben.

Schulen und Kliniken ebenfalls betroffen

Die Entwicklung zeigt sich nicht nur in Ämtern. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen nahm nach der Pandemie eine Zunahme psychischer Gewalt und von Mobbing unter Schülerinnen und Schülern wahr. 44 Prozent sahen auch eine Zunahme körperlicher Gewalt. Laut einer aktuellen VBE-Umfrage kam es in den vergangenen fünf Jahren an 65 Prozent der Schulen zu psychischen und an 35 Prozent zu körperlichen Gewaltvorfällen gegen Lehrkräfte. 36 Prozent der Schulleitungen berichteten von Cybermobbing gegen Lehrkräfte ihrer Schule.

Im Deutschen Schulbarometer 2025 gaben 47 Prozent der Lehrkräfte an, dass es an ihrer Schule psychische oder körperliche Gewalt unter Schülerinnen und Schülern gibt. Das Verhalten der Schülerschaft war für 42 Prozent der Lehrkräfte die größte berufliche Herausforderung – sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die DGUV stellt dazu Statistiken zu gewaltbedingten Unfällen in der Schülerunfallversicherung bereit, unter anderem nach Alter und Geschlecht sowie zum Schülerunfallgeschehen 2024. Zum Cybermobbing liegt außerdem eine empirische Bestandsaufnahme des Bündnisses gegen Cybermobbing unter Eltern, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern vor.

Auch Beschäftigte in Krankenhäusern sind laut einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft zunehmend gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. 66 Prozent der Krankenhäuser meldeten einen Anstieg: 42 Prozent einen mäßigen und 24 Prozent einen deutlichen. Besonders häufig traf es die Notaufnahmen; 95 Prozent der Krankenhäuser registrierten dort Übergriffe.

Eine Broschüre der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege behandelt Gewalt und Aggression in verschiedenen Branchen. Sie enthält Unfalldaten aus den Jahren 2018 bis 2022 sowie Forschungsergebnisse. In Dresden führt der aktuelle Weg inzwischen jedenfalls nicht mehr durch den bisherigen Zugang, sondern nordwärts, vorbei am Parkplatz – mit Hublift, Sicherheitsdienst und einer Treppe, die für Kinderwagen noch immer im Weg ist.