Eichstätts Shalompreis: Mutige Anwältin kämpft für Frauenrechte in Afghanistan
Am 15. Juni 2026 fand im Holzersaal der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die feierliche Verleihung des Shalompreises an die afghanische Menschenrechtsaktivistin Humaira Rasuli statt. Die Veranstaltung zog zahlreiche Gäste aus der Universität, der Stadtgesellschaft, der Kirche und der Politik an. In einer bewegenden Laudatio würdigte Dr. Monika Hauser, Frauenrechtsaktivistin und Gründerin von „Medica Mondiale“, Rasulis unermüdliches Engagement inmitten kritischer Verhältnisse und ihrer Verantwortung für andere.
Humaira Rasuli, die als Jugendliche aus Afghanistan flüchtete, hat im Exil begonnen, Frauen zu unterstützen. Ihre Rückkehr nach Afghanistan wurde von einem Studium der Rechts- und Politikwissenschaften begleitet, und sie setzte sich als Anwältin aktiv für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt ein. Mit dem Machtwechsel der Taliban im August 2021 zerbrach ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, doch sie engagierte sich weiterhin aus dem Exil für die Rechte von Frauen.
Zwischen Dank und Appell
In ihrer Dankesrede schilderte Rasuli die verheerende aktuelle Situation in Afghanistan. Bildung und Teilhabe für Frauen und Mädchen werden verweigert, während viele unter wirtschaftlicher Not leiden und Frauen aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden. Ihrer Einschätzung nach müssen die internationale Gemeinschaft und Regierungen die Taliban zur Verantwortung ziehen und die Situation in Afghanistan nicht aus den Augen verlieren.
Der UN-Sonderberichterstatter Richard Bennett dankte Rasuli für ihren Mut und betonte die Errungenschaften und den unermüdlichen Einsatz afghanischer Frauen. Auch Dr. Gerhard Rott hob hervor, wie wichtig Bildung und Investitionen in die Jugend für eine positive Entwicklung in dem Land sind.
In der Veranstaltung äußerte Barbara Loos ihre Bewunderung für Rasulis Einsatz und sah eine wichtige Aufgabe für die Universität, die sich intensiv mit den Menschenrechten auseinandersetzen sollte. Eichstätts Oberbürgermeister Josef Grienberger erinnerte an die 239 Afghanen in Eichstätt und betonte die Bedeutung von Privilegien in einer Demokratie.
Über das Preisgeld und seine Verwendung
Der Shalompreis wird aus Spenden finanziert. In den letzten Jahren wurden jeweils rund 30.000 Euro gesammelt, wobei alle Beteiligten ehrenamtlich arbeiten. Das Preisgeld wird an eine von Frauen geleitete Organisation in Afghanistan vergeben. Diese Organisation bietet psychosoziale Unterstützung für Frauen und Mädchen in mehreren Provinzen, die unter Gewalt, Trauma und schwierigen Lebensbedingungen leiden. Gemeinsam werden Initiativen entwickelt, um betroffenen Frauen zu helfen, ihre Traumata zu verarbeiten und ihre psychische Stabilität zu stärken.
Die Sicherheit der Empfängerorganisation führte dazu, dass deren Name nicht veröffentlicht werden kann. Die Organisation bietet in Beratungszentren, oft in öffentlichen Gesundheitszentren, individuelle und gruppenbasierte Begleitungen für Frauen, die unter extremen Lebensbedingungen leiden und häufig keinen Zugang zu Bildung oder medizinischer Versorgung haben.
Weitgehend ohne rechtlichen Schutz sind Frauen in Afghanistan von systematischer Entrechtung betroffen, eine Situation, die seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 weiter eskaliert ist. Laut Berichten des BAMF zeigt sich die massive Gewalt und der soziale Ausschluss von Frauen durch grundlegende Einschränkungen wie das Verbot von Bildung jenseits der 6. Klasse und das strikte Reiseverbot ohne männliche Begleitung.
Mit dem Inkrafttreten des „Tugendgesetzes“ wurde beispielsweise eine vollständige Verschleierung der Frauen angeordnet, während die Bewegungsfreiheit stark reglementiert ist. Frauen dürfen nur mit einem mahram, einem männlichen Verwandten, das Haus verlassen. Diese regressive Entwicklung birgt nicht nur gesundheitliche Risiken, sondern führt auch zu einer enormen Armut und finanziellen Abhängigkeit.
Die Verleihung des Shalompreises an Humaira Rasuli stellt nicht nur eine Würdigung ihres persönlichen Einsatzes dar, sondern wirft auch ein Licht auf die prekäre Lage der Frauen in Afghanistan, die trotz der widrigen Umstände nicht aufhören, für ihre Rechte zu kämpfen.
