EPTS 2026 in Nürnberg: Wie Elektromobilität effizient und nachhaltig produziert wird
Am 8. und 9. Dezember 2026 wird die Meistersingerhalle in Nürnberg zum Treffpunkt für jene, die Elektromobilität nicht nur fahren, sondern herstellen wollen. Die EPTS 2026 – „Production Technologies and Systems for E-Mobility“ – nimmt Fertigungstechnologien für elektrifizierte Systeme in den Blick. Mehr als 300 Expertinnen und Experten aus Industrie und Forschung sollen sich über Produkte, Fertigungsprozesse und Produktionssysteme austauschen.
Auf dem vorläufigen Programm stehen 72 wissenschaftliche und industrielle Beiträge. Erwartet werden unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Mercedes-Benz, BorgWarner, Bosch, Ford, Schaeffler, Trumpf, Valeo, BMW, Elantas, Kern Liebers sowie der RWTH Aachen, des KIT, der FAU, der TU München und mehrerer Fraunhofer-Institute. Konferenzvorsitzender ist Prof. Dr.-Ing. Florian Risch.
Vom Kupfer-Hairpin bis zum Batteriesystem
Ein Schwerpunkt liegt auf der Produktion elektrischer Maschinen. Es geht um Hairpin- und Flachdrahtwicklungen, Isolation, Kontaktierung und Qualitätssicherung – also um die Stellen, an denen sich in der Fabrik entscheidet, ob aus vielen Einzelteilen am Ende ein verlässlicher Antrieb wird. Die RWTH Aachen zeigt das Laserschweißen von X-Pin-Statoren, Ford befasst sich mit dem Elektronenstrahlschweißen von Kupfer-Hairpins. Trumpf bringt adaptive Lasersysteme und Multi-Sensor-Fusion ein.
Schaeffler stellt PFA-isolierte Drähte für Hochvolt-Traktionsmotoren vor, Bosch Manufacturing Solutions Statoren mit kurzen Wickelköpfen. Dazu kommen Beiträge zu Hairpin-Schweißen, datenbasierter Qualitätssicherung und Künstlicher Intelligenz – etwa Deep Learning zur Klassifizierung von Fehlern beim Hairpin-Schweißen.
Bei der Batterieproduktion reicht die Spannweite vom Zellstapeln über das Elektrodenhandling bis zum On-the-fly-Laserschneiden, das am KIT behandelt wird. Die RWTH Aachen untersucht eine datenbasierte Prozessüberwachung bei der Elektrodenbeschichtung. Die TU München nimmt Prozessstörungen bei lasergeschweißten Kontakten großer zylindrischer Batteriezellen unter die Lupe. Auch Stromableiter für Festkörperbatterien und die automatisierte Folienhandhabung sind Teil des Programms.
Leistungselektronik, Laden und digitale Fabriken
Rund um Leistungselektronik und Verbindungstechnik geht es unter anderem um die Laserreinigung von Kupferoberflächen vor dem Sintern, vorgestellt von Schaeffler, um großflächige Sinterverfahren für Leistungsmodule durch die HAW Kiel sowie um Materialien und dielektrische Beschichtungen für Power-Electronics-Anwendungen von Elantas. Kern Liebers widmet sich dem Friction Stir Spot Welding für hybride Kupfer-Aluminium-Busbars.
Beim Laden wird es kabellos und großformatig: Valeo zeigt 11-kW-Wireless-Charging, daneben stehen Megawatt-Laden, Hochstromsteckverbinder und ein Megawatt-Ladesystem des Fraunhofer IWU auf der Agenda. Das Fraunhofer IISB und die Universität Tokio beschäftigen sich mit Dynamic Wireless Power Transfer und Electric Road Systems. Für eine Konferenz über Produktion ist das ein ziemlich weiter Bogen – aber einer, der direkt an die spätere Nutzung anschließt.
Weitere KI-Themen sind ein KI-basiertes End-of-Line-Monitoring für lasergeschweißte Bimetallverbindungen durch die FAU, datengetriebene Produktionsmodelle, digitale Produktionssysteme und automatisierte Qualitätskontrolle. Das Themenspektrum reicht damit von einzelnen Fertigungsprozessen über Maschinen- und Anlagenkonzepte bis zu Produktionssystemen, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft.
Die RWTH Aachen fragt außerdem, welche Informationen für die automatisierte Demontage von Elektromotoren nötig sind und welche Rolle digitale Produktpässe dabei spielen. Brennstoffzellen und Wasserstoff bleiben ebenfalls im Programm, unter anderem mit Beiträgen zu Bipolarplatten, Membranen und Elektrolyseuren. Lebenszyklusanalyse und Recycling gehören ebenso zu den Themenschwerpunkten wie die Produktion von Batterien, elektrischen Maschinen und Leistungselektronik.
Neue Konferenz, bekannte Netzwerke
Die EPTS bündelt seit 2025 mehrere zuvor eigenständige Veranstaltungen: E|DPC und E|PTS des FAPS sowie EPT des PEM. Veranstalter sind das FAPS der FAU, das PEM der RWTH Aachen und das wbk des KIT; IEEE ist als Kooperationspartner beteiligt. Bestätigte Keynote-Speaker sind Dr. Uwe Keller, Head of Battery Development bei Mercedes-Benz, Dr. Jürgen Adam, Vice President & General Manager Europe PowerDrive Systems bei BorgWarner, Kumar Rajasekhara von Marsilli North America, Philipp Tielmann von Jungheinrich und Andreas Tschürtz von V4Smart.
Neben Keynotes, wissenschaftlichen Fachbeiträgen und Industrievorträgen sind eine begleitende Fachausstellung und Posterpräsentationen vorgesehen. Am 8. Dezember gibt es außerdem eine Abendveranstaltung. Angenommene wissenschaftliche Beiträge sollen in IEEE Xplore veröffentlicht werden. Für Vortragende, Co-Autorinnen und Co-Autoren, Mitglieder des Programmkomitees sowie Universitätsangehörige gilt eine reduzierte Teilnahmegebühr. Programm und Anmeldung laufen über www.epts-conference.com.
Warum die Fabrikfrage gerade so drängt
Die Automobilindustrie steckt durch die Elektromobilität in einem tiefgreifenden Wandel. Batterie, Leistungselektronik, Elektromotor und Brennstoffzelle verändern Fahrzeugkonzepte und Antriebe – und damit den gesamten Wertschöpfungsprozess. Genau dort setzt auch die Einordnung des RWTH-Lehrstuhls PEM an: Produktentwicklung, Herstellung von Elektrofahrzeugen, Lade- und Versorgungsinfrastruktur, neue Geschäftsmodelle und Nachhaltigkeitspotenziale hängen eng zusammen.
Das von Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker, Gründer und Leiter des RWTH-Lehrstuhls PEM, und Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Heiner Hans Heimes, Mitglied der PEM-Institutsleitung, herausgegebene Werk behandelt dazu die Geschichte der Elektromobilität, spezifische Systeme und Komponenten von Elektrofahrzeugen, die Herstellung einzelner Systeme und des Gesamtfahrzeugs sowie technische und gesetzlich-regulatorische Rahmenbedingungen. Auch die notwendige Infrastruktur, Geschäftsmodelle entlang der elektromobilen Wertschöpfungskette und die Nachhaltigkeit der Elektromobilität werden behandelt. Die dritte Auflage wurde vollständig neu strukturiert und an den aktuellen Stand der technologischen Entwicklung angepasst; das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert.
Von Aachen aus betrachtet, führt der Weg nach Nürnberg also mitten hinein in eine Frage, die oft weniger glänzt als das fertige E-Auto: Wie lassen sich all diese Komponenten zuverlässig, digital, reparierbar und mit möglichst wenig Verschwendung herstellen? In der Meistersingerhalle liegen dafür am 8. und 9. Dezember 2026 ziemlich viele Antworten auf Tischen, in Postern und vermutlich auch in langen Gesprächen bei Kaffee.
