Am 29. Oktober 2026 trifft sich auf dem Hauptcampus der Universität Leipzig ein neuer Lesekreis. Treffpunkt ist um 17:00 Uhr an der Leibniz-Statue. Auf dem Programm steht die einführende Sitzung des wöchentlichen Lesekreises „Militarismus und Antimilitarismus“.

Mitmachen können auch Menschen ohne inhaltliche Vorkenntnisse. Für die erste Sitzung ist keine Vorablektüre nötig – eine angenehme Nachricht für alle, die zwischen Seminar, Nebenjob und Mensa gerade nicht noch 80 Seiten vorbereiten wollen. Die Texte sollen gemeinsam und in einem für alle zugänglichen Tempo erarbeitet werden.

Lesen, Fragen, diskutieren

Geplant sind Karl Liebknechts Militarismus und Antimilitarismus, Wladimir Lenins Sozialismus und Krieg sowie aktuelle Texte zu zentralen Fragen der antimilitaristischen Bewegung. Am Ende der ersten Sitzung erhalten die Teilnehmenden einen Reader.

Für die folgenden Wochen werden die jeweiligen Texte anhand von Lesefragen selbstständig vorbereitet und anschließend gemeinsam diskutiert. Der Lesekreis ist damit nicht als Vortrag angelegt, bei dem eine Person vorne spricht und der Rest möglichst unauffällig mitschreibt. Es geht um gemeinsames Lesen, Nachfragen und darum, auch bei schwierigen Passagen nicht sofort das Handtuch zu werfen.

Liebknechts Schrift von 1907

Karl Liebknecht veröffentlichte Militarismus und Antimilitarismus 1907 in Leipzig; die vorliegende Zusammenfassung basiert auf einem Nachdruck von 1971. Das Werk behandelt Militarismus und Antimilitarismus mit einem besonderen Schwerpunkt auf der internationalen Jugendbewegung.

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Im ersten Teil, „Militarismus“, geht es zunächst um Wesen und Bedeutung des Militarismus, um die Entstehung und Grundlagen gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse sowie um seine historische Entwicklung. Danach untersucht Liebknecht den kapitalistischen Militarismus: Militarismus nach außen, Marine- und Kolonialmilitarismus, Kriegsmöglichkeiten und Abrüstung, das Verhältnis von Proletariat und Krieg sowie die Aufgaben und Grundzüge des Militarismus nach innen. Auch die Heeresverfassungen verschiedener ausländischer Staaten und abschließende Betrachtungen, darunter eine zu Russland, gehören dazu.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Mitteln und Wirkungen des Militarismus. Liebknecht beschreibt unmittelbare Ziele, militaristische Pädagogik und Soldatenerziehung ebenso wie offizielle, halbmilitärische und sonstige militaristische Organisationen und Einflussformen in der Zivilbevölkerung. Außerdem untersucht er Militarismus als politischen Regulator und als Machiavellismus.

Ausführlich behandelt die Schrift Soldatenmisshandlungen und die Widersprüche des Militarismus, seine Kosten sowie den Einsatz der Armee gegen das Proletariat in wirtschaftlichen Konflikten. Dazu zählen Soldaten als Konkurrenten freier Arbeiter und der Einsatz der Armee als Streikbrecher. Militärische Gewalt gegen Streiks in Italien, Österreich-Ungarn, Belgien, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Kanada, der Schweiz, Norwegen und Deutschland wird ebenso thematisiert wie die Rolle und die politischen Aktivitäten der Kriegervereine. Hinzu kommen der Einsatz der Armee gegen das Proletariat in politischen Konflikten, Militarismus als Gefährdung des Friedens und die Schwierigkeiten einer proletarischen Revolution.

Der zweite Teil widmet sich dem Antimilitarismus. Liebknecht schreibt über den Antimilitarismus der alten und der neuen Internationale sowie über antimilitaristische Bewegungen im Ausland, wobei Jugendorganisationen besondere Aufmerksamkeit erhalten. Genannt werden Belgien, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Ungarn, Holland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Amerika, Spanien, Finnland und Russland – außerdem eine internationale antimilitaristische Organisation.

Im weiteren Verlauf geht es um die Gefahren des Antimilitarismus und um antimilitaristische Taktik: das Vorgehen gegen äußeren und inneren Militarismus, die Unterschiede zwischen anarchistischem und sozialdemokratischem Antimilitarismus, die Notwendigkeit einer eigenständigen antimilitaristischen Propaganda sowie den Antimilitarismus in Deutschland und sein Verhältnis zur deutschen Sozialdemokratie. Den Schluss bilden die Aufgaben der deutschen Sozialdemokratie im antimilitaristischen Kampf.

Wer am 29. Oktober dazukommen möchte, findet den Treffpunkt an der Leibniz-Statue auf dem Hauptcampus der Universität Leipzig. Die erste Sitzung beginnt um 17:00 Uhr; Lesestoff muss vorher keiner bewältigt werden.