Frühjahrspaarungen beim Großen Abendsegler: Neue Erkenntnisse aus Greifswald!
Eine neue internationale Studie unter der Federführung der Universität Greifswald hat in der Fachzeitschrift *Mammalian Biology* veröffentlicht und präsentiert spannende Erkenntnisse über den Großen Abendsegler (Nyctalus noctula). Die Untersuchung zeigt Hinweise auf Paarungen, die im Frühjahr stattfinden, und erweitert unser Wissen über das Fortpflanzungsverhalten dieser Fledermausart.
Um die Fortpflanzungsaktivität nach dem Winterschlaf zu untersuchen, analysierten Forscher mehrere hundert Tiere an vier Standorten in Nordostdeutschland, darunter Havelberg in Sachsen-Anhalt, Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern und zwei Standorte in Brandenburg. Die Wahl fiel auf alte, strukturreiche Wälder, die über Baumhöhlen und Fledermauskästen verfügen, um gezielt das Fortpflanzungsverhalten des Großen Abendseglers zu beobachten.
Frühjahrs-Paarungen als neue Erkenntnis
Laut der Erstautorin Xenia Mathgen zeigt die Studie, dass Paarungen nicht ausschließlich im Herbst stattfinden, sondern auch im Frühjahr aktiv sind. Bei zahlreichen männlichen Fledermäusen konnten Spermien in den Nebenhoden nachgewiesen werden, was auf Fortpflanzungsaktivität hindeutet. Dr. Marcus Fritze, ein führender Experte der Studie, erklärt, dass die beobachteten Merkmale, einschließlich hormoneller Veränderungen und zytologischer Proben, die Annahme unterstützen, dass der Frühjahr als „letzte Chance“ für Paarungen dienen könnte, sollte die Herbstsaison kein erfolgreiches Fortpflanzungsverhältnis erbracht haben.
Zusätzlich wiesen Weibchen in vaginalen Proben Spermien nach, obwohl viele von ihnen im März nicht im Eisprung waren. Dies deutet darauf hin, dass die Fortpflanzung flexibler und anpassungsfähiger ist als zuvor angenommen. Die Vergrößerung der Wangendrüsen bei beiden Geschlechtern zeigt ebenfalls, wie wichtig diese Drüsen während der Paarungszeit sind.
Bedeutung von Lebensräumen für den Großen Abendsegler
Der Große Abendsegler ist bekannt für seine baumbewohnenden Eigenschaften. Die bevorzugten Lebensräume sind ausgefaulte Specht-, Fäulnis- und Sturmschadenhöhlen, sowie Baumhöhlen in und an Gebäuden. Während der Fortpflanzungszeit nutzen Männchen spezielle Baumhöhlen als Paarungsquartiere und locken Weibchen mit balzenden Gesängen. Diese Prahlerei findet vor allem in den Abend- und Morgendämmerungsstunden statt, wenn die Tiere aktiv auf Insektenjagd gehen.
Ein wichtiger Aspekt der Studie ist die Betonung der Bedeutung alter, höhlenreicher Wälder für den Großen Abendsegler als Lebens- und Fortpflanzungsräume. Laut Peter Busse, einem engagierten Fledermausschützer, hat der Verlust solcher Lebensräume gravierende Folgen für diese Tierart. Obwohl Fledermauskästen natürliche Baumhöhlen ergänzen, können sie diese keinesfalls vollständig ersetzen.
Ein Ausblick auf den Fortpflanzungserfolg im Klimawandel
Eine weitere Schlussfolgerung der Studie ist, dass eine flexible Fortpflanzungszeit möglicherweise vorteilhaft im Hinblick auf den Klimawandel ist. Die Forscher betonen, wie wichtig ein vertieftes Verständnis der Reproduktionsbiologie für den wirksamen Schutz des Großen Abendseglers ist. Schließlich ist der Großen Abendsegler ein Fernzieher und legt zwischen Sommer- und Winterquartieren bemerkenswerte Distanzen zurück, bis zu 1.600 km.
Die Ergebnisse dieser Studie werden auch im weiteren Kontext der Fortpflanzung sowie der Lebensraumansprüche des Großen Abendseglers relevant sein. Zukünftige Forschungen könnten Aufschluss darüber geben, wie sich die Art an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann und wie diese Anpassungen den langfristigen Fortpflanzungserfolg beeinflussen.
Die Publikation von Mathgen et al. (2026) mit dem Titel „Reproductive timing in bats: evidence of spring mating following hibernation“ wurde am 15. April 2026 veröffentlicht und ist über die DOI: 10.1007/s42991-026-00581-8 zugänglich. Ansprechpartner an der Universität Greifswald ist Dr. Marcus Fritze, der die Relevanz dieser Ergebnisse über die biologische Forschung hinaus unterstreicht.
