Am 17. Mai 2026 fand eine spannende Diskussion über den Begriff „Care“ (Fürsorge) in Kunst- und Kulturinstitutionen statt. Boukje Cnossen und Lisa Deml widmeten sich in diesem Kontext den vielfältigen Aspekten des Themas. Cnossen stellte fest, dass die Wörter „Care“ und „Kurator“ denselben lateinischen Ursprung „curare“ teilen, was auf eine tiefere Verbindung hinweist. In der aktuellen Kunstdebatte nimmt der Begriff „Care“ an Bedeutung zu, insbesondere in kleinen Kunsteinrichtungen, wo Organisation und Kuratierung oft mit Unsicherheiten behaftet sind.
Deml betonte, dass „Fürsorge“ eine spezifischere Bedeutung hat, da es sich auf individuelle Personen oder Dinge bezieht. Im Gegensatz dazu wird „Care“ im Englischen oft breiter und weniger präzise verwendet. Ihr Kunstverein arbeitet aktiv daran, Fürsorge zu praktizieren. Dies geschieht durch Angebote wie Exkursionen, interne Feedback-Strukturen und Unterstützung bei Reisebuchungen für Mitglieder, Team, Besucher*innen und Künstler*innen.
Praktische Fürsorge in der Kunst
Dennoch äußerte Cnossen Bedenken, dass die Idee von „Fürsorge“ manchmal zu viel implizieren könnte. Im Kunstbereich sei es oft nicht möglich, für alle Aspekte zu sorgen. Deml stimmte dem zu und wies dabei auf den Idealismus hinter diesem Konzept hin. Sie und Dorsch versuchen aktiv, die prekären Bedingungen nicht an ihre Mitglieder weiterzugeben. Eine Maßnahme, die sie eingeführt haben, ist eine vierwöchige Pause zwischen den Ausstellungen, um persönliche und kreative Erholung zu fördern.
Deml äußerte auch ihre Kritik an zeitgenössischen Ausstellungen, die sich dem Thema „Care“ widmen, und dabei oft nachlässig umgesetzt werden. Ihr Ziel ist es, tatsächliche Fürsorge zu praktizieren und nicht nur als Maskerade darzustellen. Cnossen hinterfragte in diesem Zusammenhang den performativen Aspekt von „Care“ und dessen langfristige Nützlichkeit im Kunstbetrieb.
Literatur und Kunst im Kontext von Fürsorge
Verknüpft mit dieser Thematik ist die Publikation „Kunst und Care“, herausgegeben von Ursula Theißen, Susanne Ristow und Lisa Bosbach. Diese entstand im Rahmen eines Projekts mit LaB K, dem Frauenkulturbüro NRW und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In dem Buch, das 2024 veröffentlicht wird, werden die Verflechtungen von Care-Arbeit, Fürsorge und Kunstbetrieb thematisiert. Die Publikation umfasst 133 Seiten und ist beim Verlag C. W. Leske erhältlich.
Darüber hinaus wurden weitere relevante Werke zur Thematik veröffentlicht, darunter ein Sammelband über die Literarisierung von Sorgearbeit und verschiedene Bücher, die sich mit Demenz, familiären Verantwortungen und sozialer Teilhabe auseinandersetzen. Unter anderem umfasst der Essay „Alte Eltern“ von Volker Kitz die emotionale Herausforderung, sich um demenzkranke Eltern zu kümmern.
Ein besonders eindrucksvolles Werk ist die Graphic Novel „Im Demenzlabyrinth“ von Albin Zauner, die die innere Erlebniswelt eines an Alzheimer erkrankten Schriftstellers darstellt. Diese Werke tragen zur zunehmenden Diskussion über die Rolle der Fürsorge in der Kunst und Gesellschaft bei.
Schließlich wird im Dokumentarfilm „Die zärtliche Revolution“, der 2024 veröffentlicht wird, das Leben von Menschen porträtiert, die sich auf unterschiedliche Weise um andere kümmern und sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussion um „Care“ in der Kunst nicht nur zeitgemäß, sondern auch essenziell ist, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Praxis innerhalb der kulturellen Institutionen zu fördern, die über reine Performanz hinausgeht.
In Anbetracht der zunehmenden Prekarität in Kunst und Kultur ist das Engagement für Fürsorge wichtiger denn je, um nachhaltig und solidarisch miteinander umzugehen.