Beim Dokumentar- und Animationsfilmfestival DOK Leipzig sind die Preise verliehen worden. Am heutigen 1. November 2026 endet die 69. Ausgabe, bei der seit Montag 217 Filme aus 61 Ländern gezeigt wurden. Insgesamt vergab das Festival 33 Preise – im Kinosaal dürfte also einiges an Applaus zusammengekommen sein.

Die mit 10.000 Euro dotierte Goldene Taube Langfilm im internationalen Dokumentarfilmwettbewerb ging an die polnisch-litauisch-deutsche Produktion „Letters from the Silenced Country“ von Andrei Kutsila. Der Film erzählt von Verbrechen im heutigen Belarus und nähert sich ihnen über den privaten Briefwechsel politischer Gefangener. Zusätzlich erhielt die Produktion den mit 3.000 Euro dotierten MDR Film Preis. Goldene-Taube-Gewinner im Dokumentarfilm qualifizieren sich vorbehaltlich der Academy-Regeln für eine Oscar-Nominierung.

Die Goldene Taube Kurzfilm – verbunden mit 3.000 Euro – ging an die US-Produktion „They’re Here“ von Laura Poitras und Rachel Lauren Mueller. Zu sehen sind Bewohnerinnen und Bewohner von Minneapolis, die sich in einem dystopischen Winter gegen paramilitärische Übergriffe der US-Einwanderungsbehörde ICE wehren.

Tauben für Nachwuchs, Animation und deutsches Kino

Die Silberne Taube Langfilm für den besten langen Dokumentarfilm eines Nachwuchs-Regietalents erhielt „Concrete Land“ der jordanisch-palästinensischen Regisseurin Asmahan Bkerat. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert. Die Silberne Taube Kurzfilm – 1.500 Euro – wurde an „in memory of“ von Florinda Ciucio vergeben. Beide Silbernen Tauben würdigen Dokumentarfilme von Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren.

Im internationalen Animationsfilmwettbewerb gingen die Goldenen Tauben an „The Orbit of Minor Satellites“ von Chris Sullivan als Langfilm und an „Terminal“ von Alexandre Siqueira als Kurzfilm. Dafür gibt es 3.000 beziehungsweise 1.500 Euro. Eine lobende Erwähnung erhielt „When the Sea Was Calm“ von Mamuka Tkeshelashvili; der Kurzfilmpreis qualifiziert vorbehaltlich der Academy-Regeln für eine Oscar-Nominierung.

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Im deutschen Dokumentarfilmwettbewerb wurden „Übergang“ von Peter Badel und Chris Wright mit der Goldenen Taube Langfilm und 10.000 Euro sowie „Hallo Debus“ von Rosa Gocht mit der Goldenen Taube Kurzfilm und 1.500 Euro ausgezeichnet. Eine lobende Erwähnung bekam „Der Kern“ von Rebecca Zehr. Den Publikumspreis bestimmte das Leipziger Kinopublikum per Abstimmung: Die Goldene Taube, dotiert mit 3.000 Euro, ging an „Nicole Nicole“ von Lauren Dällenbach.

Damit wurden 2026 insgesamt sieben Goldene und zwei Silberne Tauben verliehen. Weitere Partnerpreise folgten am 31. Oktober in der Schaubühne Lindenfels. Der ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness ging mit 2.000 Euro an „Free Zone“ von Jasmine Alakari, der DEFA-Förderpreis mit 4.000 Euro an „Mein genialer Vater“ von Tete Hoffmann. Den Preis der Interreligiösen Jury, ebenfalls 2.000 Euro, erhielt „Blossoming“ von Kamila Serwicka.

Ausgezeichnet wurden außerdem „Bára – Diary of a Rockstar“ von Helena Třeštíková mit einer lobenden Erwähnung, „Moving Sisters“ von Christos Stefanou mit dem Young Eyes Film Award über 2.000 Euro, „Auber 89“ von Giuseppe Schillaci mit dem FIPRESCI-Preis und „When the Sea Was Calm“ von Mamuka Tkeshelashvili mit dem mephisto 97.6 Award. Der Preis Gedanken-Aufschluss ging an „Haus der Trinker“ von Janis Westphal, der film.land.sachsen-Preis für Filmkultur im ländlichen Raum an „Garten der Hoffnung“ von Dieter Schumann. Den Filmpreis Leipziger Ring über 2.500 Euro erhielt „Union Town“ von Barbara Kopple.

Viele Preise, auch hinter den Kinokulissen

Bei DOK Industry 2026 wurden elf Preise in drei Formaten vergeben: DOK Co-Pro Market, DOK Short n’ Sweet und DOK Preview Germany. Im Co-Pro Market erhielt „Two of Us“ von Jūratė Samulionytė den Sächsischen Preis für das beste Dokumentarfilmprojekt einer Regisseurin, dotiert mit 5.000 Euro. Der Verità Films Award for Best Project und der Jacob Burns Film Center Residency Award gingen an „A1“ von Rami Farah. Zur Residenz gehören zwei bis vier Wochen Aufenthalt, wöchentlich 500 US-Dollar, Reise- und Unterkunftskosten sowie Zugang zu den Einrichtungen des Zentrums.

Der Deutsche-Welle-Award über 1.500 Euro ging an „Fallout“ von Isaac Knights-Washbourn. Für „Who We Are“ von Sophie Ataya gab es den No Nation Films Fellowship Award mit einem sechsmonatigen Mentoring- und Beratungspaket. „Concrete Grassland“ von Shorena Tevzadze erhielt den Unifrance Doc Award: enthalten sind Untertitelungen im Wert von 2.300 Euro und eine Unifrance-Mitgliedschaft im Wert von 1.590 Euro. Der GRAP Archive Award für „Dala“ von Almira Saifullina umfasst eine Archivberatung im Wert von 500 Euro.

Bei DOK Short n’ Sweet gingen der Square Eyes Festival Consultation Award an „Daughter of the Moon“ von Anna Dziapshipa sowie der DAE Talent Encouragement Award und der Ohrfilm Award an „Black Waters“ von Elza Gubanova. Dahinter stehen Mentoring beziehungsweise musikalische Beratung. Im Format DOK Preview Germany erhielt „EASTKIDS“ von Julius Gintaras Blum den D-Facto Motion Works-in-Progress Preis, verbunden mit Postproduktionsleistungen im Wert von 10.000 Euro.

Festivalbetrieb bis zum letzten Tag

DOK Leipzig 2026 präsentiert 217 Filme und XR-Arbeiten; Tickets und Festivalprogramm sind online. Das Festival findet vom 26. Oktober bis 1. November 2026 statt. Wer nicht in Leipzig sitzt, kann den DOK Stream nutzen: Vom 27. Oktober bis 1. November ist täglich ein neuer Film 24 Stunden lang deutschlandweit online abrufbar.

Abends laufen während der Festivalwoche kostenlose Filmvorführungen in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs und im Polnischen Institut. Einzeltickets und Dauerkarten gibt es online sowie seit 25. Oktober an der Ticketkasse im MdbK Leipzig. Für Schulklassen wird am Festivalmittwoch „Moving Sisters“ als Schulvorstellung gezeigt.

Auch das Publikum wird noch befragt: Eine Online-Umfrage zu DOK Leipzig dauert laut Veranstalter fünf bis sieben Minuten. Für Studierende an der Uni Leipzig ist das vielleicht der passende kleine Nachschlag zum Festival – zwischen Seminar, Mensa und dem einen Film, den man eigentlich längst sehen wollte.