Wer am Sonntag, 18. Oktober 2026, in der Würzburger Neubaukirche sitzt, bekommt vermutlich mehr als ein Konzert zu hören. Von 11:00 bis 12:00 Uhr lädt das Akademische Orchester der Universität Würzburg zum AO-Musikworkshop „Grains de Beauté“ ein. Der Eingang liegt an der Domerschulstraße. Der Eintritt ist frei, Spenden am Ausgang sind willkommen.

Auf dem Programm stehen Konzert und Workshop zugleich. Amine Soufari erklärt die Wurzeln und Elemente arabischer Musik und zeigt, wo sie sich mit der westeuropäischen Musiktradition berührt, wo sie sich unterscheidet und wo es überraschende Gemeinsamkeiten gibt. Bei gemeinsamen Improvisationen mit dem Publikum werden diese musikalischen Charakteristika nicht bloß erklärt, sondern direkt ausprobiert. Außerdem stellt Soufari die Oud vor und spielt seine Eigenkomposition „Le ramier“, begleitet von Markus Popp am Flügel. Mit dabei sind außerdem Elina Fitte-Duval und Deborah Olivier.

Eine Kooperation mit Vorgeschichte

Der Workshop führt die Zusammenarbeit des Akademischen Orchesters mit den Universitäten Aix und Marseille fort. Kennengelernt hatte das Orchester Amine Soufari während seiner Frankreich-Tournee 2025 in Marseille. Daraus entwickelte sich der Plan für eine Kooperation. Im vergangenen Sommersemester spielte das Orchester bereits Soufaris Werk „Danse Algérienne“.

Das Stück entstand 2023 und greift zentrale Merkmale arabischer Musik auf: ornamentale Verzierungen, modal-harmonische Strukturen außerhalb der Dur-Moll-Harmonik, „Maqāms“ und spezielle rhythmische Patterns. Die deutsche Erstaufführung durch das Akademische Orchester der Universität Würzburg unter Markus Popp fand am 19. Juni 2026 statt. Für Sinfonieorchester dauert „Danse Algérienne“ vier Minuten; Soufari hat das Werk außerdem für Blasorchester, Streichquartett und Mandolinenorchester eingerichtet. Die Streichorchesterfassung wird am 5. Dezember 2026 bei der kanadischen Erstaufführung durch Sinfonia Toronto gespielt, die Mandolinenorchesterfassung dauert 3 Min. 50 Sek.

Zwischen Oud, Orchester und Improvisation

Soufari, 1987 in Algerien geboren, wurde zunächst zum Pianisten ausgebildet und studierte am Konservatorium von Algier. Ab 2014 setzte er seine Ausbildung an der Universität Marseille fort, wo er Komposition, Chorleitung und Orchesterleitung studierte. Für sein musikalisches Schaffen wurde er am Konservatorium von Marseille mehrfach ausgezeichnet.

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Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von traditioneller arabischer Musik, zeitgenössischer Musik und Improvisation. Beim Komponieren und Dirigieren geht es ihm darum, den Dialog zwischen Kulturen, Ästhetiken und Publikumsgruppen zu fördern. Das klingt im Programmheft groß – in der Neubaukirche soll es aber ganz praktisch werden: zuhören, ausprobieren, reagieren. Und vielleicht sitzt der erste kleine musikalische Einfall schon in der zweiten Reihe.

Auch Soufaris übriges Werk zeigt diese breite Anlage. „Réminiscences“ ist ein sechsminütiges Werk für Sinfonieorchester und wurde 2023 von Sinfonia Toronto uraufgeführt; die Fassung für Streichorchester erlebte ihre Welturaufführung am 1. März 2024. „Oran“ dauert sechs Minuten und ist für Chor und Orchester geschrieben. „Méditation Sacrée“ verbindet Sopran, Mezzosopran und Sinfonieorchester auf einen französischen Text und dauert vier Minuten. Das fünfminütige „Nâr“ ist für Sinfonieorchester zur Uraufführung verfügbar.

Chormusik in vielen Sprachen

Ein großer Teil von Soufaris Katalog führt in die Chormusik. „Au-delà de l’Exil“ ist ein zwölfminütiger, vierteiliger Zyklus für Kinderchor und Orchester mit den Sätzen „Babour (Bateau)“, „Le vent est revenu“ – mit einem Text von Laetitia Sadak –, „Bouboum Shah“ und „Ya Salam“. Die Texte stehen auf Komorisch, Französisch und algerischem Dialektarabisch. Das Werk entstand 2025 im Auftrag des Ensembles C Barré und wurde am 17. Juni 2025 uraufgeführt. Eine Fassung für fünf Schlagzeuger, Klavier und Chor wurde am 11. Juni 2026 an der Opéra Grand Avignon uraufgeführt.

Für begleiteten Chor schrieb Soufari außerdem „Méditation Sacrée“ für zweistimmigen Chor gleicher Stimmen, Orgel und Violoncello. Die vierminütige Fassung entstand im Auftrag der Opéra Grand Avignon und wurde am 21. März 2026 welturaufgeführt. „Rêve au soleil“ dauert sechs Minuten, ist für Chor und Saxophonquartett gesetzt und verwendet einen französischen Text.

Seine A-cappella-Werke reichen vom vierminütigen „Le vent nous emportera“ für sechsstimmigen Frauenchor – nach einem Gedicht von Forough Farrokhzad in französischer Übersetzung – bis zu „La gazelle agile du ghazal“, 4 Min. 30 Sek. für gemischten Chor SATB nach einem Gedicht von Simin Behbahani. „Lune de nuit — Gamr’eleil“ dauert drei Minuten und basiert auf einem Gedicht von Abdallah Ben Kerriou aus Laghouat. Dazu kommt „Ritu“, 4 Min. 20 Sek. für gemischten Chor SATB, nach einem anonymen arabisch-andalusischen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert.

Von „Livret“ bis „Taqsim“

Im „Livret de chants arabes“ bündelt Soufari auf 25 Minuten Lieder für Stimme und Klavier. Vertreten sind syrische, algerische, irakische, ägyptische, marokkanische, tunesische und französische Lieder. Auftraggeber waren das Conservatoire d’Aix-en-Provence und die Association Les Vallonées EAC im Rahmen des Programms „Plan chant choral 2024“.

Daneben stehen kleinere Besetzungen und Solostücke: „Taqsim“ gibt es als sechsminütiges Werk für Klavier solo und als vierminütige Fassung für Oud solo, „Raï Machine“ dauert drei Minuten und ist für Saxophon solo geschrieben. Soufaris Werke umfassen Orchester-, Chor-, Ensemble- und Kammermusik; neben der Streichquartettfassung von „Danse Algérienne“ zählen dazu auch die genannten Blas-, Mandolinen- und Streichorchesterfassungen. Veröffentlicht werden die Partituren bei Éditions Delatour France.

Für den Würzburger Vormittag bleibt trotzdem Platz für den direkten Moment: eine Oud, ein Flügel, Stimmen aus dem Publikum und vielleicht ein Rhythmus, der erst zögernd beginnt und dann plötzlich trägt. Veranstalter ist das Akademische Orchester der Universität Würzburg. Der Eintritt zur Veranstaltung am 18. Oktober 2026 von 11:00–12:00 Uhr in der Neubaukirche, Eingang Domerschulstraße, ist frei.