Am Freitag, 20. November 2026, wird der Schlossbau der Pädagogischen Hochschule Weingarten wieder zum Treffpunkt für alle, die Kindern gern vorlesen oder neue Wege dafür suchen. Von 13:30 bis 17:30 Uhr lädt der Vorlesetag an der PH zu Workshops, Lesungen, Büchervorstellungen und Gesprächen ein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Willkommen sind unter anderem Eltern, Großeltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte sowie alle Menschen, die gerne lesen. Auf dem Programm stehen praktische Tipps für unterschiedliche Vorlesesituationen, Coachings, Buchempfehlungen und aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt. Auch wer bislang eher unsicher vor einer Kindergruppe sitzt, dürfte Anregungen finden – etwa durch spielerische Methoden oder den Einsatz von Bildern, Filmen und Audios.

Bilder, Medien und viele Bücher

Zum Auftakt wird ein Buchprojekt mit zahlreichen Bildern vorgestellt, das besonders Kinder mit geringer Leseerfahrung ansprechen soll. Dazu kommen ergänzende Medien für das Vorlesen und mehrere Büchertische, an denen sich in Ruhe stöbern lässt. Beteiligt sind die Kinderstiftung, das KreisMedienZentrum, die Bücherei Weingarten und verschiedene Studiengänge der PH Weingarten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Kinder für Bücher und Geschichten begeistern lassen. Vorlesen muss schließlich nicht immer bedeuten, dass eine Person still aus einem Buch liest und alle anderen zuhören. Bilder, Filme und Audios können Geschichten erweitern, Geräusche eine Szene plötzlich näher rücken lassen. Vorgestellt werden außerdem aktuelle Trends des Buchmarkts und Buchempfehlungen.

Auch der Kinder- und Jugendbuchautor Manfred Mai ist wieder dabei. Im zweiten Teil der Veranstaltung folgen mehrere Workshops: Es geht um Autorenlesungen als Mittel der Leseförderung, um das Vorlesen mit mehrsprachigen Kindern, um die Verbindung von Geschichten mit Audioangeboten und um Möglichkeiten, Kinder durch Vorlesen zu stärken. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Welfentheater – einschließlich eigener Mitwirkung sowie der pädagogischen Begleitung einer Gruppe.

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Vorlesen öffnet Zugänge

Organisiert wird der Vorlesetag seit 14 Jahren von Professor Dr. Jürgen Belgrad. Auch nach seiner Pensionierung engagiert er sich weiter. Nach seiner Einschätzung kann regelmäßiges Vorlesen die Lesefähigkeit fördern und Kindern helfen, aus Texten innere Vorstellungsbilder zu entwickeln. Das ist nicht nur für geübte Leserinnen und Leser wichtig: Auch Menschen mit geringer oder ferner Leseerfahrung können Literatur über das Vorlesen aufnehmen und einen Zugang zu Geschichten finden.

Gerade beim mehrsprachigen Vorlesen gibt es allerdings noch manche Unsicherheit. Erwachsene zögern häufig, Kindern in der eigenen Erstsprache vorzulesen, weil sie eine Verwirrung befürchten. Kinder lernen Sprachen jedoch nicht vollständig voneinander getrennt. Wissen über Wörter, Bedeutungen, Geschichten, Gefühle und Zusammenhänge kann sprachübergreifend genutzt werden.

Fühlen sich Eltern in ihrer Familiensprache sicherer, ist diese Sprache für Gespräche, Geschichten und das Vorlesen besonders wertvoll. Entscheidend ist zunächst, dass Kinder Freude an Sprache und Geschichten entwickeln. Daraus wächst ihr Interesse, weiterzuentdecken. Wird die Erstsprache dagegen in Verein, Kita, Schule oder Gesellschaft abgewertet oder ignoriert, kann das Kinder verunsichern. Wertschätzung zeigt ihnen, dass ihre Sprache willkommen ist. Mehrsprachiges Vorlesen unterstützt so die gesamte Sprachentwicklung und später auch das Deutschlernen.

Teil des bundesweiten Vorlesetags

Der Vorlesetag an der PH Weingarten ist Teil des bundesweiten Vorlesetags der Stiftung Lesen. Schirmherr ist Clemens Moll, Oberbürgermeister der Stadt Weingarten. Finanziell gefördert wird die Veranstaltung von der Bürgerstiftung Ravensburg; erster Kooperationspartner ist das Staatliche Schulamt Markdorf.

Das vollständige Programm, weitere Materialien und Videos gibt es unter vor-lesen.org. Wer am 20. November in den Schlossbau kommt, kann also einfach dazustoßen – und vermutlich mit mehr als einem neuen Buchtipp wieder hinausgehen.