Am Rand des Campus der Universität Regensburg, im Haus RUBINA, bekommt die außerschulische MINT-Bildung heute ein neues Gefährt: Die Universität Regensburg und die MINT-Labs Regensburg haben die gemeinnützige Gesellschaft MINT-Labs.on.ToUR gGmbH gegründet. Ihr Ziel ist klar umrissen: Schülerinnen und Schüler in ländlichen Regionen sollen besser mit Angeboten zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik erreicht werden.

Seit vier Jahren arbeiten die MINT-Labs bereits im Vollbetrieb. Jährlich nutzen mehr als 9.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Angebote in Naturwissenschaften, Handwerk, Technik, Robotik und weiteren Bereichen. Die Universität war maßgeblich an Konzept, Aufbau und Betrieb beteiligt. Gemeinsam mit den Labs baute sie 2019 außerdem die MINT-Region Regensburg auf.

Ein Labor auf Rädern

Die bisherige Schwachstelle lag weniger im Interesse als in der Entfernung. Die Angebote werden vor allem von Kindern und Jugendlichen aus Regensburg genutzt; für junge Menschen aus den umliegenden Landkreisen ist die Anreise häufig schwierig. Genau dort setzt das neue Projekt an: Ein Gelenkbus der Regensburger Stadtwerke wird derzeit zu einem mobilen Labor umgebaut.

Ab Frühjahr 2027 soll der Bus Schulen in den umliegenden Landkreisen besuchen und im ostbayerischen Raum eingesetzt werden. Auch Regionen, in denen es bislang wenige oder gar keine MINT-Angebote gibt, sollen so erreicht werden. Ein Bus, der nicht nur fährt, sondern Experimente, Werkzeuge und Technik gleich mitbringt – das hat schon etwas.

Entwickelt wurde die mobile Lösung gemeinsam mit zahlreichen Partnern. Die Universität übernimmt Lehrerfortbildungen und begleitet das Projekt wissenschaftlich mit einer Wirksamkeitsstudie. Die Labs unterstützen Kinder und Jugendliche bereits bei Wettbewerben wie „Jugend forscht“, arbeiten als Regio-Hub der Code Week Bayern und bieten Workshops zu Forschungsergebnissen der Universität an. Diese Erfahrungen wandern nun gewissermaßen mit auf die Straße.

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Von der MINT-Region zum mobilen Angebot

Die Universität Regensburg hat in den vergangenen Jahren mehrere Schritte in der außerschulischen MINT-Bildung angestoßen – von der Bewerbung als MINT-Region bis zur Konzeption und zum Aufbau der MINT-Labs. Mit MINT-Labs.on.ToUR wird daraus ein Angebot, das nicht mehr darauf wartet, dass alle nach Regensburg kommen können.

Der Ansatz passt zu einer bundesweiten Entwicklung. MINT-Bildung gilt als wichtig, um globale und gesellschaftliche Herausforderungen wie Energiewende und digitale Transformation zu bewältigen. MINT-Kompetenzen sollen gesellschaftliche Teilhabe, Bildungsaufstieg und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit fördern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt mit dem MINT-Aktionsplan Bildungsangebote von der Kita bis zur Berufs-, Hochschul- und Weiterbildung.

Eine zentrale Maßnahme sind regionale MINT-Cluster. In ihnen schließen sich Akteure aus Bildung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Kommunen zusammen, um regionale MINT-Bildungslandschaften zu stärken. Die Angebote sollen niedrigschwellig, alltagsnah und regelmäßig sein. Kinder und Jugendliche können Interessen erkunden, Kompetenzen erweitern, Selbstwirksamkeit erfahren und Berufsperspektiven entwickeln – im besten Fall nicht nur auf einem Arbeitsblatt, sondern mit Material in der Hand und einer Idee, die plötzlich funktioniert.

Die Cluster werden zunächst drei Jahre gefördert. Nach einer positiven Zwischenbegutachtung und auf Antrag ist eine zweijährige Anschlussförderung möglich. In drei Förderwettbewerben entstanden insgesamt 73 MINT-Cluster: 22 der ersten Förderrunde starteten um den Jahreswechsel 2020/2021, 31 der zweiten kamen 2022 hinzu, 20 der dritten begannen zwischen April und Juli 2024.

Viele Wege, ein großes Netzwerk

Wie unterschiedlich solche Cluster aussehen können, zeigt der Blick in die Regionen. Beteiligt sind Jugend- und Bildungseinrichtungen, Schülerlabore, Vereine, Museen, Unternehmen, Kommunen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Als Lernorte dienen Maker Spaces, Forschungswerkstätten und Experimentierlabore; hinzu kommen Online-Angebote und mobile MINT-Formate. Viele Projekte richten sich besonders an Kinder und Jugendliche in Risikolagen sowie an Mädchen und junge Frauen.

In Baden-Württemberg vernetzt MINTcon. – Mannheim regionale Angebote von Programmierung bis Rasterkraftmikroskopie und Bildbearbeitung und bindet Jugendliche als MINT-Botschafterinnen und -Botschafter sowie Sprecherinnen und Sprecher ein. techniKAmpus – Karlsruhe schafft technikaLabs in Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit und im Stadtmedienzentrum. MAKEitREAL – Heilbronn-Franken entwickelt unter Leitung der Hochschule Heilbronn einen mobilen Makerspace, insbesondere für Mädchen mit Migrationshintergrund.

makeMINTcool – Region Stuttgart bündelt MINT-Angebote, setzt auf eine Imagekampagne und MINTfluencer. MINTme! – Neckar-Alb macht Schülerlabor-Angebote über ein Webportal sichtbarer und verknüpft sie unter anderem mit Blended Learning. MINT4Life – Südlicher Oberrhein etabliert zehn öffentlich zugängliche 3D-Druck-Werkstätten mit MINTmach-Nachmittagen und Familientagen. EleMINT – Karlsruhe, Rastatt, Baden-Baden überträgt Konzepte von techniKAmpus in die Region Mittelbaden; Jugendtreffs und Ferienprogramme bieten niedrigschwellige, sprachlich leicht zugängliche Angebote. MINTfluencer – Schwäbisch Gmünd, Aalen, Heidenheim vernetzt regionale Strukturen und setzt auf Peer-to-Peer-Learning sowie individuelle Videoproduktion durch Kinder und Jugendliche.

Auch Bayern arbeitet mit mobilen und dezentralen Ideen. MINT mobil – Region Bamberg bringt außerschulische Mitmachangebote mit einem MINT-Mobil in den ländlichen Raum. MINTbayU – Bayerischer Untermain vernetzt MINT-Akteure, entwickelt dezentrale Workshops und ein Mentoring-Programm und schult Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. DEIN-MINT-ER – Großraum Erlangen baut ein Webportal auf, verknüpft bestehende Strukturen und spricht mit niedrigschwelligen Formaten bisher nicht erreichte Jugendliche an.

mobilMINT – Straubing und Straubing-Bogen entwickelt mobile Forscher- und Coding-Werkstätten zu Chemie, Biologie, Energietechnik, erneuerbaren Energien, Programmierung, künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und 3D-Druck. Zukunftswerker – Region Landshut bietet Schulen und Acht- bis 16-Jährigen außerschulische Angebote in allen MINT-Bereichen, die flächendeckend umgesetzt werden sollen. MINTCluster4 – Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen erweitert die MINT-Region A3 nach Nordschwaben und bringt Themen wie AR/VR, 3D-Druck, Robotik, Nachhaltigkeit, Klima, Umwelttechnik, Informatik und IT-Sicherheit mit mobilen Experimentier-Kits in die Region.

Servus-MINT – Ingolstadt und Eichstätt richtet sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche, passt Angebote lebensweltorientiert und sprachsensibel an und bringt sie mobil in den ländlichen Raum. Minti – München und Garching fördert besonders bildungsbenachteiligte Grundschulkinder, Mädchen und Female Empowerment; vorgesehen sind Exkursionen, Girls Days und fortlaufende Kurse, bei denen Lehramtsstudentinnen als Mentorinnen eingesetzt werden. MINTimOdenwald – Bayerischer und baden-württembergischer Odenwald bietet Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen fünf bis neun Kurse und Projekte zu Robotik, Metall- und Kunststoffverarbeitung, 3D-Druck und CNC-Fräsen – besonders für nicht-gymnasiale MINT-Talente.

In Berlin und Brandenburg entstehen ebenfalls sehr unterschiedliche Lernorte: MINT-Heldinnen – Berlin baut in Berlin Siemensstadt einen außerschulischen Lernort für Mädchen und junge Frauen auf.