Am heutigen 11.10.2026 hat Landrat Ralf Schwarzkopf den Haushaltsentwurf des Märkischen Kreises für 2027 vorgestellt. Der Plan sieht einen ausgeglichenen Haushalt vor. Für Städte und Gemeinden soll dadurch mehr finanzieller Spielraum und Planungssicherheit entstehen. Zugleich sollen notwendige Investitionen, die Handlungsfähigkeit der Kreisverwaltung und begrenzte politische Gestaltungsmöglichkeiten des Kreistags erhalten bleiben.

Der Entwurf wurde auch an der Universität Siegen aufmerksam verfolgt. Gerade dort, wo über Digitalisierung, Pflege und ärztliche Versorgung gesprochen wird, wirken die Zahlen aus dem Kreis nicht wie trockene Tabellen. Sie entscheiden ganz praktisch darüber, welche Busse fahren, welche Angebote online erledigt werden können und wie viel Luft Kommunen für eigene Vorhaben bleibt.

Weniger Papier, mehr digitale Abläufe

Eine Arbeitsgruppe entwickelte gemeinsam mit den Fachdiensten rund 80 Maßnahmen zur Aufgabenreduzierung und Prozessverbesserung. Im Mittelpunkt stehen effizientere Arbeitsabläufe, mehr Digitalisierung, zusätzliche Online-Angebote, weniger Papier und digital unterstützte Verwaltungsprozesse.

In zwei Fachdiensten wurden bereits Pilotprojekte zum Lean-Management durchgeführt. Die dabei gewonnenen Ergebnisse sollen auf weitere Verwaltungsbereiche übertragen werden. Interkommunale Zusammenarbeit soll außerdem ermöglichen, dass Städte, Gemeinden und Kreis Personal, Erfahrungen und technische Möglichkeiten gemeinsam nutzen. Das klingt zunächst nüchtern, kann im Verwaltungsalltag aber den Unterschied machen zwischen einer langen Warteschleife und einem Vorgang, der einfach läuft.

Busse sollen sich stärker an der Nachfrage orientieren

Im öffentlichen Nahverkehr will der Kreis das Angebot stärker am tatsächlichen Fahrgastaufkommen ausrichten. Moderne Zählsysteme erfassen dafür Zeitpunkt, Ort und Zahl der Fahrgäste. Buslinien sollen künftig dort fahren, wo tatsächlich Nachfrage besteht. Ziel ist eine bedarfsgerechte und dauerhaft finanzierbare Mobilität.

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Die Neuausrichtung soll 2027 rund 3,4 Millionen Euro einsparen. Bis 2030 sollen sich die Einsparungen auf rund 16,7 Millionen Euro erhöhen. Im Haushaltsplan sind für den ÖPNV dennoch 37,3 Millionen Euro vorgesehen. Zwischen leerem Bus und fehlender Verbindung liegt eben ein ziemlich schmaler Grat.

Auch bei den Märkischen Kliniken liegen die Prognosen für das Jahresergebnis im Plan. Für den Verlustausgleich sind rund 9,8 Millionen Euro eingestellt; für 2027 wird mit einem Defizitausgleich von rund 8 Millionen Euro gerechnet.

Der Kreis unterstützt zudem Initiativen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. Dazu gehören der geplante medizinische Studiengang der Universität Witten/Herdecke mit dem Schwerpunkt Landarztversorgung und das geplante duale Pflegestudium der Universität Siegen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung.

Sozialausgaben drücken auf den Haushalt

Der Haushaltsplanentwurf 2027 liegt rund 5,3 Millionen Euro unter der bisherigen Finanzplanung. Einfach ist die Lage trotzdem nicht: Die Einnahmen fallen geringer aus als ursprünglich erwartet, 2027 stehen rund 2,2 Millionen Euro weniger Schlüsselzuweisungen zur Verfügung, während die Ausgaben weiter steigen.

Kreiskämmerer Kai Elsweier verwies auf die bundesweite Entwicklung. Das Defizit kommunaler Haushalte belief sich 2025 auf rund 29,4 Milliarden Euro, nach 24,4 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Für Sozialleistungen sind im Märkischen Kreis 2027 rund 238 Millionen Euro eingeplant. Hinzu kommen rund 174,5 Millionen Euro für die Landschaftsumlage. Nach derzeitiger Planung könnte diese in den Folgejahren um etwa 10 Millionen Euro jährlich steigen. Der Sozialbereich belastet den Kreishaushalt 2027 insgesamt mit rund 306,5 Millionen Euro. Das entspricht 68 Prozent der Kreisumlage.

Interne Konsolidierungsgespräche führten zu Maßnahmen, die den Haushalt insgesamt um rund 16 Millionen Euro entlasten sollen. Geplant sind für 2027 Ausgaben von rund 905 Millionen Euro.

Wichtige Ausgabeposten 2027 Betrag
Soziale Leistungen 273,7 Millionen Euro
LWL-Umlage 174,5 Millionen Euro
Personalkosten 145,1 Millionen Euro
ÖPNV 37,3 Millionen Euro

Der Umlagesatz der allgemeinen Kreisumlage beträgt 50,55 Prozent. Haupteinnahmen bleiben die allgemeine Kreisumlage und die differenzierte Kreisumlage der acht Kommunen ohne eigenes Jugendamt. Im Hintergrund läuft damit ein kompliziertes Zusammenspiel aus kommunalen Beiträgen, Sozialausgaben und Umlagen – und jede Veränderung bei den Einnahmen schlägt ziemlich schnell auf die Planung durch.

Die im zweiten Recherchehinweis genannte PDF zum Haushaltsplan 2025 liefert laut vorliegender Angabe ausschließlich komprimierte PDF-Rohdaten und keine lesbaren Nachrichteninhalte. Zusätzliche belastbare Fakten lassen sich daraus deshalb nicht ergänzen.