Bis zu 38 °C können für eine Hummel im Puppenstadium tödlich sein. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Regensburg zur Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris), einer der häufigsten Bestäuberinnen in der Landwirtschaft. Ohne sie sähe es auf vielen Obst- und Gemüsefeldern ziemlich mau aus.

Für das Experiment zogen die Forschenden Larven und Puppen im Labor auf. Dort konnten sie Zeitpunkt, Stärke und Dauer der Hitze genau festlegen. Die Tiere durchliefen einen 12-stündigen Hitzezyklus: tagsüber stieg die Temperatur auf bis zu 38 °C, nachts lag sie bei 34 °C – dem normalen Entwicklungsoptimum.

Wenn der Körper im Kokon umgebaut wird

Untersucht wurde die Puppenphase. Während dieser etwa 8 bis 9 Tage dauernden Metamorphose wird der Körper der Hummel grundlegend umgebaut. Genau in dieser empfindlichen Zeit starben bei den hohen Temperaturen bis zu 30 Prozent der Puppen, also fast ein Drittel.

Und auch wer durchkam, war nicht unbedingt unbeschadet. Überlebende Hummeln entwickelten häufiger verkrüppelte Flügel oder Antennen. Die Schäden waren irreversibel: Im Erwachsenenalter war ihr Sterberisiko verdoppelt, ihre Lebensdauer deutlich verkürzt.

Die deformierten Flügel können die Tiere flugunfähig machen. Beschädigte Antennen wiederum könnten den Geruchssinn beeinträchtigen – und damit die Nahrungssuche oder das Erkennen von Nestgenossen erschweren. Die Vermutung der Forschenden: Die Hitze stört den Gewebeumbau während der Puppenphase.

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Im Boden geschützt, oberirdisch gefährdet

Dunkle Erdhummeln nisten im Boden. Dort gelten dauerhaft so hohe Temperaturen als eher unwahrscheinlich; ein solcher extremer Hitzestress ist für diese Art deshalb laut den Forschenden eher unrealistisch. Anders könnte es bei oberirdisch nistenden Hummelarten aussehen, etwa bei der Ackerhummel.

Auch kommerzielle Hummelvölker, die zur Bestäubung in Gewächshäusern eingesetzt werden, könnten stärker betroffen sein. In einem aufgeheizten Gewächshaus steht die Luft, die Scheiben speichern die Wärme, und aus einem kurzen Hitzeschub wird schnell eine Belastung für das ganze Volk.

Einzelne geschädigte Tiere kann ein Hummelvolk möglicherweise ausgleichen. Treten solche Ausfälle aber häufiger und in größerem Umfang auf, könnte die Fitness ganzer Völker sinken. Dann fehlen nicht nur Tiere im Nest, sondern auch Bestäuber draußen an den Blüten.

Mehr als ein akuter Hitzetod

Die Studie wurde in Communications Biology veröffentlicht. Ihr Hintergrund sind häufigere und intensivere Hitzewellen infolge des Klimawandels, die Hummeln und andere Bestäuber zusätzlich unter Druck setzen.

Die Ergebnisse machen dabei einen unangenehmen Unterschied sichtbar: Extreme Hitze tötet nicht nur Puppen unmittelbar. Sie hinterlässt auch bei den Überlebenden Spuren, die erst später auffallen können. Für Wild- und Nutzpflanzen könnte ein Rückgang der Hummelbestände Folgen haben – für die biologische Vielfalt ebenso wie für die Lebensmittelproduktion.

Die Untersuchung aus Regensburg zeigt damit einen sehr konkreten Blick auf den Klimastress: nicht nur flirrende Luft über einem Feld, sondern winzige Flügel, die sich im Puppenkörper nicht richtig entwickeln, und Antennen, die später vielleicht nicht mehr zuverlässig riechen.

Quelle: Deutschlandfunk Nova
Weitere Informationen: Universität Regensburg