Hitzestress in der Puppenphase bedroht Hummeln und ihre Bestäubungsleistung
In Regensburg haben Forschende untersucht, was Hitze mit Hummeln macht – und die Ergebnisse sind unangenehm deutlich. Bei Temperaturen bis 38 °C starben bis zu 30 Prozent der Hummelpuppen. Die Tiere, die überlebten, waren zudem häufig nicht unversehrt: Verkrüppelte Flügel oder Antennen traten deutlich öfter auf.
Das blieb nicht ohne Folgen. Das Sterberisiko der erwachsenen Hummeln war später doppelt so hoch, außerdem verkürzte sich ihre Lebensdauer deutlich. Die Forschungsgruppe der Universität Regensburg veröffentlichte ihre Ergebnisse am 25. September 2026; der Ort der Untersuchung und der Forschung ist die Uni Regensburg.
Hitzestress während der Verwandlung
Im Mittelpunkt stand die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris). Larven und Puppen wurden im Labor unter kontrollierten Bedingungen aufgezogen. So konnten die Forschenden genau festlegen, wann, wie stark und wie lange die Tiere während ihrer etwa acht bis neun Tage dauernden Metamorphose belastet wurden.
Die Hummeln durchliefen einen zwölfstündigen Temperaturzyklus: Tagsüber stiegen die Werte auf bis zu 38 °C – vergleichbar mit extrem heißen Sommertagen. Nachts lagen sie bei 34 °C, dem normalen Entwicklungsoptimum. Unter dieser wiederkehrenden Belastung starben bis zu 30 Prozent der Puppen. Bei den Überlebenden zeigten sich häufiger körperliche Deformationen, insbesondere an Flügeln und Antennen.
Vermutlich beeinträchtigt die Hitze den Gewebeumbau während der Puppenphase. Die Schäden sind irreversibel. In schweren Fällen könnten erwachsene Hummeln flugunfähig sein oder einen beeinträchtigten Geruchssinn haben. Dann wird es schwierig, Nahrung zu sammeln und Nestgenossen zu erkennen – für ein Tier, das auf Flügel und Orientierung angewiesen ist, keine Kleinigkeit.
Nicht jede Hummel ist gleich gefährdet
Für bodennistende Arten wie die Erdhummel gilt ein solcher extremer Hitzestress laut den Forschenden eher als unrealistisch. Ihre Nester liegen im Boden und sind dadurch besser geschützt. Oberirdisch nistende Arten wie die Ackerhummel könnten dagegen stärker betroffen sein. Das gilt auch für kommerzielle Hummelvölker, die in Gewächshäusern zur Bestäubung eingesetzt werden.
Einzelne Verluste kann ein Hummelvolk möglicherweise ausgleichen. Wenn die Belastung aber größer wird, könnte die Fitness des gesamten Volkes sinken. Zu heiße Sommer würden dann nicht nur einzelne Tiere treffen, sondern auch die Bestäubung von Nutzpflanzen gefährden.
Folgen für Nahrung und Ökosysteme
Hummeln bestäuben zahlreiche Wild- und Nutzpflanzen. Damit tragen sie zur biologischen Vielfalt und zur Lebensmittelproduktion bei. Ein Rückgang der Hummelbestände könnte deshalb weit über das Nest hinausreichen und Ökosysteme beeinträchtigen.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Communications Biology veröffentlicht. Die Originalpublikation stammt von M. M. Mandlinger und C. Kurze und trägt den Titel „Cyclic thermal stress during pupation triggers irreversible carry-over costs in a key pollinator“. Sie erschien 2026 unter dem DOI 10.1038/s42003-026-10940-3. Forschungsleiter Christoph Kurze geht davon aus, dass die Hitze vor allem den Gewebeumbau während der Puppenentwicklung stört – mit Folgen, die erst später sichtbar werden.
