Impact-Start-ups zwischen Profit und Gemeinwohl: Wie Social Entrepreneurship Märkte verändert
Am 4. November 2026 geht es in der Würzburger Ringvorlesung „Teaching for Impact“ um eine Frage, die zwischen Gewinn und Gemeinwohl gern unter den Tisch fällt: Wie können gewinnorientierte Start-ups gesellschaftliche Wirkung verstärken? Der Online-Vortrag „Purpose trifft Profit – Wie Impact-Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern“ beginnt um 18:15 Uhr und läuft bis 20:00 Uhr über Zoom.
Prof. Dr. Monika Engelen von der TH Köln spricht über die Bedeutung von Impact-Start-ups für Innovation, Wettbewerb und nachhaltige Wertschöpfung in Deutschland. Als Beispiele wirkungsorientierter Unternehmen werden Viva con Agua, einhorn, ergobag und share herangezogen. An ihnen lässt sich zeigen, wie Geschäftsmodelle gesellschaftliche Herausforderungen adressieren und Märkte verändern können.
Wirkung im Geschäftsmodell
Organisiert wird die Veranstaltung vom Projekt „Teachers as Changemakers“, der Professional School of Education und dem Servicezentrum Forschung und Technologietransfer. Sie richtet sich an Lehramtsstudierende, Lehrende, Studierende sowie weitere Interessierte an innovativen und wirkungsorientierten Lehr- und Lernformaten.
Die Ringvorlesung fragt darüber hinaus, wie Social Entrepreneurship Education (SEE) im Schulunterricht zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen kann. Auf dem Programm stehen Grundlagen und Ziele von SEE, ihr Beitrag zur Bearbeitung gesellschaftlicher Herausforderungen, die Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung von Schüler*innen, die Integration in den Unterricht und die Verbindung mit innovativen Unterrichtsformen. Auch Anknüpfungspunkte zu Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung gehören dazu.
Für Studierende der Universität Würzburg gibt es ergänzend den Selbstlernkurs „SEE-Kompakt“ auf WueCampus: Die Einführung in SEE dauert etwa 30 Minuten, der erweiternde Teil mit Unterrichtsimpulsen etwa 45 Minuten. Lehrkräfte aus Bayern können den Kurs über die Bayern Cloud Schule (ByCS) mit dem Kurspasswort „SEE“ nutzen. Weitere Interessierte können sich unter tac@uni-wuerzburg.de melden.
Lehramtsstudierende können 3 ECTS-Punkte im Freien Bereich erwerben. In Bachelorstudiengängen ist eine Anrechnung im ASQ-Bereich möglich. Voraussetzung ist das erfolgreiche Ablegen einer Prüfungsleistung am Semesterende. Die Ringvorlesung findet mittwochs von 18:15 bis 20:00 Uhr online über Zoom statt. Studierende der Universität Würzburg finden weitere Informationen im WueCampus-Kursraum und können sich dort selbst einschreiben; der Zugangslink zum jeweiligen Vortrag ist über die Website der Ringvorlesung abrufbar.
Ein Sektor mit vielen Baustellen
Wie groß und vielfältig die Szene der Social Enterprises inzwischen ist, zeigt der Deutsche Social Entrepreneurship Monitor (DSEM). Er informiert seit 2018 über das Social-Entrepreneurship-Ökosystem in Deutschland. Zunächst erschien der Monitor jährlich, seit 2022 im Zwei-Jahres-Rhythmus. Sein Ziel: Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft mit Daten zu versorgen, damit Social Enterprises besser unterstützt werden können.
Erfasst werden nicht nur Organisationsgröße und Umsatz, sondern auch Wirkungsmodelle, Governance, Gemeinnützigkeit und ehrenamtliche Mitarbeit. Seit 2020 ist der DSEM Teil des von EUCLID Network geleiteten und von der Europäischen Kommission finanzierten European Social Enterprise Monitor. Eine neue DSEM-Phase befindet sich aktuell in der Auswertung.
Die fünfte Ausgabe, der DSEM 2024, untersucht die vielfältige und wachsende Landschaft der Social Enterprises in Deutschland. Im September 2023 wurde die „Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen“ eingeführt. Social Enterprises sind in allen Branchen aktiv, besonders in Bildung, Gesundheit und Sozialwesen. Mehr als 75 % entwickeln Produkte oder Dienstleistungen für oder gemeinsam mit bestimmten Wirkungsempfänger:innen. Häufig geht es um Kinder und junge Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen oder Menschen in Armut.
Mehr als 90 % verfolgen mit ihrem Geschäftsmodell mehrere der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Rund 90 % arbeiten an Zielen sozialer Nachhaltigkeit, 58,4 % adressieren ökologische Entwicklungsziele. 35 % der befragten Unternehmen bestehen seit mehr als zehn Jahren. Ihre Wirkung messen bereits 62,0 %, weitere 29,2 % planen eine Wirkungsmessung.
Mehr als die Hälfte der Social Enterprises wurde von Frauen mitgegründet. Für 76,0 % spielt ökologische Verantwortung in der Lieferkette eine wichtige oder sehr wichtige Rolle. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind die wichtigsten Technologien in den Geschäftsmodellen. Mehr als ein Viertel erbringt Leistungen für die öffentliche Hand (B2G), über 40 % erzielen Einnahmen im Geschäft mit konventionellen Unternehmen (B2B).
Finanziert wird häufig über öffentliche Zuwendungen, private Spenden und Stiftungsspenden. Klassische Bankdarlehen und Finanzierungen durch Investor:innen werden seltener genutzt. Finanzierung bleibt die größte Herausforderung. Mehr als die Hälfte bemängelt fehlende öffentliche Unterstützungssysteme und eine schwer nachvollziehbare Vergabe öffentlicher Mittel; 57 % wünschen sich von der Politik ein besseres Verständnis ihrer Bedürfnisse. Über 40 % befürworten staatliche Anreizsysteme für privates Impact Investment.
Mehr als die Hälfte plant innerhalb der folgenden zwölf Monate einen Teamzuwachs. Rechtsformen mit und ohne Gemeinnützigkeitsstatus sind ähnlich verbreitet, auch hybride Strukturen werden genutzt. Als politische Handlungsfelder nennt der Monitor bedarfsgerechte Finanzierungsinstrumente unabhängig von Rechtsform und Marktteilnahme, einen aus nachrichtenlosen Bankkonten gespeisten Social Impact Fonds, spezielle Referate in BMWK und BMBF, ressortübergreifende Leitungsrunden sowie die gesetzliche Verankerung der Maßnahmen der Nationalen Strategie.
Ein Blick auf frühere Ausgaben macht klar, dass diese Fragen nicht gestern vom Himmel gefallen sind. Im DSEM 2021/22 arbeiteten Social Enterprises in vielen Bereichen, besonders in Bildung, Gesundheit und Sozialer Arbeit sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. 88,9 % adressierten mehrere SDGs, 55,4 % verfolgten direkt ökologische Ziele. Über 60 % richteten ihre Angebote an Menschen, die von sozialen Benachteiligungen betroffen sind. Kinder und Jugendliche wurden von 37,3 % als Zielgruppe genannt, Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund von 29,5 %, Frauen und Mädchen von 28,1 %.
79,4 % engagierten sich über das Tagesgeschäft hinaus für strukturelle Verbesserungen. Knapp 20 % waren im B2G-Markt aktiv, 54 % verkauften Produkte oder Dienstleistungen an konventionelle Unternehmen, weitere 22 % waren am B2B-Geschäft interessiert. 55,7 % finanzierten sich aus eigenen Ersparnissen, 47,9 % nutzten staatliche Fördermittel. Die größten Finanzierungsprobleme waren fehlende Anschlussfinanzierungen (33,1 %), die schwer nachvollziehbare Vergabe öffentlicher Mittel (30,9 %) und fehlende geeignete Startfinanzierungen (28,4 %). Fast 80 % fühlten sich von der Politik wenig oder gar nicht unterstützt. Gewünscht wurden vor allem Bürokratieabbau bei Förderprogrammen, besserer Finanzierungszugang und eine Aktualisierung des Gemeinnützigkeitsrechts. Gemeinnützige und nicht gemeinnützige Rechtsformen waren ähnlich häufig vertreten.
Während der Corona-Krise waren Social Enterprises in vielen Branchen aktiv und entwickelten soziale sowie technische Innovationen. Im DSEM 2020/21 gehörten Erziehung und Unterricht sowie Gesundheits- und Sozialwesen zu den häufigsten Tätigkeitsfeldern. Besonders häufig adressierte SDGs waren nachhaltiger Konsum und Produktion, Gesundheit und Wohlergehen sowie weniger Ungleichheiten. Knapp ein Drittel beschäftigte Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, mindestens 92 % strebten eine Skalierung ihrer Organisation an.
58,6 % nutzten eher gewerblich orientierte Rechtsformen, 46,4 % eher sozial orientierte; 60 % kritisierten die geltende Rechtslage zur Wahl der Rechtsform. Zwei Drittel nutzten hybride Einkommensquellen aus Markt- und Nicht-Marktaktivitäten. Häufigste Finanzierungsquellen waren eigene Ersparnisse, staatliche Fördermittel und Innenfinanzierung. Die größten Finanzierungshürden lagen bei der Vergabe öffentlicher Mittel, fehlenden Anschlussfinanzierungen und ungeeigneten Startfinanzierungen. 80,2 % bewerteten die politische Förderung von Social Entrepreneurship als gering.
Der DSEM 2019 basierte auf 212 Antworten. Die wichtigsten Wirkungsbereiche waren Bildung, nachhaltiger Konsum und Gesundheit. 87,3 % berichteten von einer mindestens deutschlandweiten Marktneuheit. 46,7 % der Gründer:innen waren Frauen. Für 83,5 % war gesellschaftliche Wirkung wichtiger als finanzielle Rendite, für 96,7 % war sie mindestens gleichwertig. 81,6 %
