Die Internationalisierung der Lehrkräftebildung gewinnt an Dynamik, wie aktuelle Initiativen zeigen. Im Rahmen des Programms EUPeace empfangen die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und die Philipps-Universität Marburg (UMR) in der Zeit vom 17. bis 23. Mai 2026 bereits zum dritten Mal Lehramtsstudierende der Université de Limoges aus Frankreich. Diese Kooperation verfolgt das Ziel, den angehenden Lehrkräften einen Einblick in das deutsche Schulsystem zu ermöglichen und interkulturelle Fähigkeiten zu fördern.

Insgesamt nehmen 38 Studierende für Vor- und Grundschullehramt an diesem Austausch teil. Neben dem Besuch verschiedener Schulen in Gießen und Marburg, einschließlich der Gesamtschule Gießen-Ost, sind auch Aktivitäten wie der Besuch der Selbstlernwerkstatt Romanistik und die Campusrallye geplant. Dr. Wiebke Nierste von der JLU hebt hervor, wie wertvoll der Austausch für die Bildung einer europäischen Identität in der Lehrkräftebildung ist. Sie betont, dass durch diese Programme wertvolle Einblicke in andere Bildungssysteme gewonnen werden können.

Austausch und Vernetzung im Fokus

Das Programm bietet den Studierenden nicht nur die Möglichkeit, Unterrichtsmethoden und Classroom-Management in deutschen Schulen zu beobachten, sondern auch ihre eigenen praktischen Erfahrungen zu erweitern. So berichtete eine Teilnehmerin des vergangenen Jahres, dass ihre Teilnahme am Austausch 2025 zu zwei Praktika an deutschen Schulen führte. Zudem entwickeln JLU, UMR und Université de Limoges ein gemeinsames Vorbereitungsmodul für Studierende, das Selbstlerneinheiten zu unterrichtspraktischen Aspekten und EUPeace-Kernthemen wie Frieden, Gerechtigkeit und Inklusion enthält.

Die Bedeutung solcher Programme wird auch durch das „EUPeace Associated Schools Training and Networking Event“ unterstrichen, das vom 4. bis 7. Mai 2026 in Tropea, Italien, stattfand. Ziel des Events war es, Netzwerke für Auslandspraktika von Lehramtsstudierenden aufzubauen. Hierbei wird deutlich, dass die Internationalisierung der Lehrerbildung nicht nur in Deutschland ein hochaktuelles Thema ist, sondern auch international relevante Beachtung findet.

Die Notwendigkeit der Internationalisierung

In Deutschland sind über 200.000 Studierende in Lehramtsstudiengängen eingeschrieben, und die Notwendigkeit einer internationalisierten Lehrerbildung nimmt zu. Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen, wie die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), stellen fest, dass die Internationalisierung der Lehramtsstudiengänge zunehmend Bedeutung erlangt. Ein internationales Expertenseminar, das am 11. Februar 2015 in Bonn stattfand, beschäftigte sich mit der Verbesserung der Internationalisierung in der Lehrerbildung. HRK-Vizepräsident Holger Burckhart forderte einen Mentalitätswechsel und strukturelle Veränderungen in der Lehrerbildung, um den Bedürfnissen der globalisierten Welt gerecht zu werden.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Beispiele zur Internationalisierung der Lehrerbildung finden sich in Deutschland an zahlreichen Hochschulen, wie der Humboldt-Universität Berlin, der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Universität Kassel. Diese Institutionen zeigen, wie die Integration internationaler Perspektiven in den Lehramtsstudiengängen gestaltet werden kann. Die HRK hat hierzu eine Publikation mit Beispielen guter Praxis veröffentlicht, die auch kostenlos als Printversion erhältlich ist.