JGU-Pfotenpausen: Mit Cian und Juni gegen den Studienstress
Wer im Studium gerade zwischen Abgabefristen, Prüfungsstoff und zu wenig Schlaf festhängt, bekommt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) künftig eine ungewöhnliche Lernpause: Bei den „JGU-Pfotenpausen“ verbringen Studierende Zeit mit ausgebildeten Besuchshunden. Das Angebot soll Stress reduzieren, das Wohlbefinden fördern und Abstand vom Studienalltag schaffen.
Healthy Campus Mainz startet das Pilotprojekt im Wintersemester 2026/2027. Die kostenfreien Einzeltermine laufen von Oktober bis Dezember 2026; online buchen können sich Studierende seit dem 1. Oktober 2026. Finanziert wird das Angebot durch das Präsidium der Universität. Veröffentlicht wurde die Ankündigung am 28. September 2026.
Eine Pause mit Hund statt Lernunterlagen
Einer der beiden Hunde ist Cian, ein Magyar Vizsla, auch ungarischer Vorstehhund genannt. Er ist langbeinig, schlank, kurzhaarig und braun. Auf dem JGU-Campus trägt er ein Halstuch mit den Logos der JGU und von Healthy Campus Mainz – praktisch, falls zwischen Bibliothek und Seminarraum plötzlich ein ziemlich gut gelaunter Hund auftaucht.
Cians Halterin Nadine Golob sagt, dass es ihm Freude bereitet, mit Menschen zu arbeiten, sie zu unterstützen und ihnen Freude zu machen. Statt Lernunterlagen gibt es bei der Pfotenpause unter anderem Leckerlis. Cian selbst gilt als bewegungsfreudig und lernmotiviert; Action, Schnüffelspiele und Parcours liegen ihm.
Zur Auswahl steht außerdem Juni. Der ruhigere Hund mag Streicheleinheiten, gemütliche Spaziergänge und gelegentliche Leckerlis. Bei der Online-Buchung können Studierende den gewünschten Hund auswählen.
Spiel, Spaziergang oder einfach kurz durchatmen
Die Termine finden im 1:1-Setting zwischen Student:in, Hund und Hundeführerin statt. Treffpunkt ist die Infobox auf dem JGU-Campus oder – abhängig vom Wetter und von den Bedürfnissen von Mensch und Tier – der Außenbereich.
Wie die Pause aussieht, entscheiden die Studierenden selbst: möglich sind gemeinsames Spielen und Schnüffelaufgaben, das Einüben kleiner Tricks, ein Spaziergang über den Campus oder eine ruhige Auszeit mit Streicheleinheiten. Das Wohlbefinden und die Tagesform des Hundes werden bei der Gestaltung berücksichtigt. Nicht jeder Tag verlangt schließlich nach Parcours. Manchmal reicht es, wenn jemand mit warmer Hundenase neben einem sitzt.
Das Projekt ergänzt die bisherigen Maßnahmen von Healthy Campus Mainz zur Förderung der studentischen Gesundheit. Einen Anstoß gab ein Social-Media-Beitrag der Einrichtung über den Einfluss von Tieren auf Gesundheit und Wohlbefinden, der auf große Resonanz stieß. Studierende äußerten daraufhin den Wunsch nach einem entsprechenden Angebot auf dem Campus.
Wissenschaftliche Untersuchungen bringen Tierkontakt unter anderem mit weniger Stress und höherem subjektivem Wohlbefinden in Verbindung. Beschrieben werden auch mögliche positive Veränderungen bei physiologischen Parametern wie Blutdruck und Herzfrequenz. Tiere können soziale Interaktion fördern und in belastenden Situationen emotionale Unterstützung bieten. Das Ziel der Mainzer Pfotenpause klingt entsprechend schlicht: zur Ruhe kommen, Abstand gewinnen, neue Energie sammeln.
Wo die Pfotenpause fachlich einzuordnen ist
Der Begriff „tiergestützte Intervention“ umfasst Angebote, bei denen geeignete Tiere gezielt eingesetzt werden, um physische, soziale, emotionale und kognitive Fähigkeiten zu fördern, Freude und Lebensqualität zu erhöhen sowie neue Erlebens-, Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten zu schaffen. Tiere können dabei als Türöffner, Bindeglied und Motivator wirken. Die Definitionen und Formen basieren auf dem IAHAIO White Paper von 2014, das 2018 aktualisiert wurde.
Eine tiergestützte Intervention ist eine zielgerichtete und strukturierte Intervention, die Tiere bewusst in Gesundheitswesen, Pädagogik und Sozialwesen einbezieht, um Verbesserungen bei Menschen zu erreichen. Es handelt sich um formale Ansätze, bei denen Mensch-Tier-Teams eingesetzt werden. Dazu zählen Tiergestützte Therapie (TGT), Tiergestützte Pädagogik (TGP), Tiergestütztes Coaching (TGC) und unter bestimmten Voraussetzungen Tiergestützte Aktivitäten (TGA). Solche Angebote sollen interdisziplinär entwickelt und durchgeführt werden.
Die Mainzer Pfotenpause ist dabei nicht automatisch eine Therapie. Tiergestützte Therapie ist eine zielgerichtete, geplante und strukturierte therapeutische Intervention, die von professionell ausgebildeten Fachpersonen aus Gesundheitswesen, Pädagogik oder Sozialwesen, etwa Psychologen oder Fachpersonen für Soziale Arbeit, durchgeführt oder angeleitet wird. Fortschritte werden gemessen und professionell dokumentiert. Die beruflich qualifizierten Personen verfügen etwa über eine Lizenz, einen Hochschulabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation im jeweiligen Fachgebiet. Ziele können Verbesserungen physischer, kognitiver, verhaltensbezogener und/oder sozio-emotionaler Funktionen sein; möglich sind Einzel- und Gruppensettings. Die Fachkraft oder ein von ihr beaufsichtigter Tierbetreuer braucht außerdem ausreichende Kenntnisse über Verhalten, Bedürfnisse, Gesundheit sowie Stressindikatoren und Stressregulation der beteiligten Tiere.
Tiergestützte Pädagogik beziehungsweise tiergestützte Erziehung ist ebenfalls zielgerichtet, geplant und strukturiert. Sie wird von professionellen Pädagogen oder gleich qualifizierten Personen angeleitet oder durchgeführt, im Einzel- oder Gruppensetting etwa durch Lehrpersonen mit einschlägigem Abschluss in allgemeiner oder Sonderpädagogik. Ein Beispiel sind Tierbesuche durch Schulpädagogen zur Vermittlung verantwortungsbewusster Tierhaltung. Durch Sonder- oder Heilpädagogen kann TGP als therapeutische und zielgerichtete Intervention gelten. Im Mittelpunkt stehen akademische Ziele, prosoziale Fertigkeiten und kognitive Funktionen; Fortschritte der Schüler werden gemessen und dokumentiert. Auch hier benötigen Fachkräfte beziehungsweise von ihnen beaufsichtigte Tierbetreuer ausreichende Kenntnisse über Verhalten, Bedürfnisse, Gesundheit sowie Stressindikatoren und Stressregulation der Tiere.
Tiergestützte Aktivitäten sind geplante und zielorientierte, aber informelle Interaktionen oder Besuche. Mensch-Tier-Teams arbeiten dabei mit motivationalen, erzieherischen, bildenden oder entspannungs- und erholungsfördernden Zielen. Sie benötigen mindestens ein Einführungstraining, Vorbereitung und Beurteilung. Mit professionell qualifizierten Anbietern aus Gesundheitswesen, Pädagogik oder Sozialwesen können sie an spezifischen und dokumentierten Zielen arbeiten. In einer solchen Zusammenarbeit findet die Tätigkeit im Rahmen einer TGT oder TGP unter Leitung einer entsprechend ausgebildeten Fachkraft statt. Beispiele sind tiergestützte Krisenhilfe für Menschen nach Traumatisierungen, Krisen oder Katastrophen sowie Tierbesuchsdienste für Bewohner von Pflegeheimen. Die durchführende Person braucht ausreichende Kenntnisse über Verhalten, Bedürfnisse, Gesundheit und Stressindikatoren der beteiligten Tiere.
Beim tiergestützten Coaching beziehungsweise der tiergestützten Beratung handelt es sich um eine zielorientierte, geplante und strukturierte Intervention. Durchgeführt oder angeleitet wird sie von professionell ausgebildeten Coaches oder Beratern. Fortschritte werden gemessen und professionell dokumentiert; erforderlich ist eine berufliche Qualifikation mit Lizenz, Hochschulabschluss oder gleichwertigem Abschluss im jeweiligen Fachgebiet. Ziele sind persönliches inneres Wachstum, soziale und sozio-emotionale Funktionen sowie die Unterstützung gruppenbildender Prozesse. Auch hier muss die Fachkraft oder ein von ihr beaufsichtigter Tierbetreuer Verhalten, Bedürfnisse, Gesundheit sowie Stressindikatoren und Stressregulation der Tiere ausreichend kennen.
In Mainz geht es zunächst um einzelne, kostenfreie Auszeiten mit Cian oder Juni. Ein bisschen spielen, schnüffeln, spazieren gehen – oder für ein paar Minuten nur den Kopf streicheln und nichts leisten müssen.
