Juri Wasenmüller, Absolvent des Masterstudiengangs Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina, hat am 16. Juli 2026 den Georg R. Schroubek Nachwuchspreis 2026 der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erhalten. Ausgezeichnet wurde er für seine Masterarbeit mit dem Titel „Kollaborative Ansätze einer dekolonialen Reflexion ethnischen Deutschseins in Kasachstan“. Diese Arbeit beleuchtet, wie sich die „Russlanddeutschen“ nach ihrer Migration in (post-)sowjetischen Machtverhältnissen verorten und untersucht deren Integration im multiethnischen sowjetischen Imperium aus einer rassismus- und kolonialismuskritischen Perspektive, wie europa-uni.de berichtet.

Im Rahmen seiner Forschung arbeitete Wasenmüller eng mit Co-Forschenden Ju Bavyka, Julia Boxler und Eugenie Frank zusammen, die persönliche Bezüge sowie Erfahrungen aus Kultur- und Bildungsarbeit, künstlerischen und journalistischen Kontexten einbrachten. Durch ihre partizipative Aktionsforschung wurden Mehrfachzugehörigkeiten, Uneindeutigkeiten und komplexe Familiengeschichten in sowjetischen und post-sowjetischen Machtverhältnissen fokussiert. Dr. Darja Klingenberg und Prof. Dr. Kira Kosnick, die Betreuerinnen der Masterarbeit, loben den innovativen kollaborativen Ansatz und die Verbindung zu dekolonialen Perspektiven.

Ein wenig erforschtes Themenfeld

Die Arbeit behandelt ein wenig erforschtes Themenfeld, das in der Forschung zu russischem und sowjetischem Imperialismus sowie in den aktuellen dekolonialen Debatten häufig ignoriert wird. Laut uni-heute.de ist es von Bedeutung, dass über 2,4 Millionen Bundesbürger eine russlanddeutsche Migrationsgeschichte haben, deren Erfahrungen oft nicht ausreichend in der gesamtdeutschen Erinnerungskultur codiert sind.

Ein neuer Sammelband soll migrantische Narrative im postmigrantischen Deutschland ansprechen, um den Dialog über Identität und ethnische Zugehörigkeit zu fördern. Dabei wird auch der Diskurs über Normalisierungsprozesse und die Erfahrungen in der sowjetischen Gesellschaft fortgeführt. Die Forschungen thematisieren insbesondere die Ambivalenz zwischen Diskriminierung und individueller Anerkennung innerhalb post-sowjetischer Identitäten in Deutschland.

Identitätskonflikte und kulturelle Zugehörigkeit

Die Identität der Russlanddeutschen ist seit der massenhaften Migration in die Bundesrepublik Deutschland Ende der 1980er Jahre ein zentrales Forschungsthema. Viele dieser Migranten erlebten einen Identitätskonflikt. In der Sowjetunion waren sie als Teil eines Opferkollektivs wahrgenommen worden, während sie in Deutschland oft mit der Zuschreibung „Russen“ konfrontiert wurden. Diese Zuschreibung führte zu einer „doppelten Exklusionserfahrung“, die ihre Integration in die deutsche Gesellschaft erschwerte, wie die bpb.de ausführlich erläutert.

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Die Forschung zeigt, dass soziale Faktoren, stereotype Fremdzuschreibungen und familiäre Traditionen die Selbstidentifikation der Russlanddeutschen beeinflussen. Verschiedene Typologien, die von Maria Savoskul und Svetlana Kiel entwickelt wurden, identifizieren unterschiedliche Arten der Zugehörigkeit, von „Echten Deutschen“ bis hin zu „Russischen Deutschen“, die komplexe Überlappungen aufweisen. Insbesondere die zweite Generation zeigt Unterschiede in der Identifikation, wobei Begriffe wie „russlanddeutsch“ oft keine Bedeutung mehr haben.

Wasenmüllers Forschungsansatz trägt dazu bei, diese facettenreiche Identitätslandschaft sichtbar zu machen und zu einem vertieften Verständnis der Erfahrungen der Russlanddeutschen beizutragen, wobei er die Heterogenität dieser Gruppe berücksichtigt und den Diskurs über Identität, Ethnizität und Zugehörigkeit in Deutschland intensiviert.