Junger Wissenschaftler: Preis für wegweisende Studie zur russlanddeutschen Identität
Eine frische Brise im Bereich der kulturwissenschaftlichen Forschung weht in diesem Jahr mit der Vergabe des Georg R. Schroubek Nachwuchspreises 2026 an Juri Wasenmüller, einen talentierten Absolventen des Masterstudiengangs Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina. Die Auszeichnung erhält er für seine bemerkenswerte Masterarbeit, die den Titel „Kollaborative Ansätze einer dekolonialen Reflexion ethnischen Deutschseins in Kasachstan“ trägt. Hierbei beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, wie sich die „Russlanddeutschen“ in den oft komplizierten sozialen und politischen Gegebenheiten (post-)sowjetischer Machtverhältnisse verorten.
Wasenmüller hat in seiner Forschung mit Co-Forschenden zusammengearbeitet: Ju Bavyka, Julia Boxler und Eugenie Frank. Gemeinsam untersuchten sie, wie die deutsche Minderheit im multiethnischen Raum des sowjetischen Imperiums integriert wurde und wie ihre Vergangenheit mit kritischen Perspektiven auf Rassismus und Kolonialismus neu erzählt werden kann, wie europa-uni.de berichtet. Die Co-Forschenden brachten dabei verschiedene Perspektiven aus den Bereichen Kultur-, Bildungsarbeit sowie der Kunst und des Journalismus ein, was den Forschungsprozess bereicherte.
Ein wenig erforschtes Themenfeld
Das Thema, das Wasenmüller mit seiner Arbeit behandelt, ist in der Literatur über den russischen/sowjetischen Imperialismus und in den dekolonialen Debatten kaum zu finden. Dr. Darja Klingenberg, eine der Betreuerinnen der Masterarbeit, hebt den innovativen kollaborativen Ansatz hervor und betont die Bedeutung, dekoloniale Perspektiven einzubeziehen.
Solche Herausforderungen sind besonders relevant in einer Zeit, in der über 2,4 Millionen Bundesbürger eine russlanddeutsche Migrationsgeschichte haben. Ihre Erfahrungen, die tief in der Erinnerungskultur verwurzelt sind, beschäftigen sich mit Verfolgungen und dem Leben in einer Diktatur, was Teil der gesamtdeutschen Erinnerung ist. Dennoch ist das spezifisch russlanddeutsche Erbe oft nicht sichtbar oder bekannt, wie russlanddeutsche.de anmerkt. Ein neuer Sammelband soll diese Vielstimmigkeit der Erinnerung ansprechen und Chancen für neue, migrantische Narrative im postmigrantischen Deutschland aufzeigen.
Akademischer Werdegang und Ausblick
Seit April 2025 ist Juri Wasenmüller wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ an der Universität Hildesheim. Diese Position wird ihm viele neue Möglichkeiten bieten, seine Forschungsinteressen weiterzuverfolgen und den wichtigen Dialog über Identität und ethnische Zugehörigkeit zu stärken. Mit seinem Preisgekrönten Werk setzt er nicht nur seinen eigenen akademischen Weg fort, sondern trägt auch zur Sichtbarkeit und zum Verständnis der komplexen dynamischen Geschichte der Russlanddeutschen bei.
Gemeinsam mit anderen Forschenden wird der Diskurs über die individuellen Normalisierungsprozesse und die vielfältigen Erfahrungen innerhalb der sowjetischen Gesellschaft fortgeführt, wie das BKGE dokumentiert. Hierbei wird besonders die Ambivalenz zwischen Diskriminierung und individueller Anerkennung in den Blick genommen, um ein umfassenderes Bild der post-sowjetischen Identitäten im heutigen Deutschland zu zeichnen.
