Am 28. Mai 2026 wurde eine bedeutende Kooperation zwischen Milbank und der Bucerius Law School angekündigt. Ziel dieser Partnerschaft ist die Ausbildung exzellenter Juristinnen und Juristen im Kontext der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Digitalisierung. Milbank wird als strategischer Partner des Bucerius Legal Innovation Hub (BLIH) fungieren.

Der BLIH vereint das Bucerius Center for Legal Technology and Data Science mit dem Bucerius Center on the Legal Profession. Diese Verbindung soll den Fokus auf tech-basierte Forschung und praktische Erfahrungen im Rechtsmarkt lenken. Ein zentrales Element der Zusammenarbeit ist die Entwicklung eines neuen Lehrmoduls mit dem Titel „Digital Literacy“, das sich insbesondere auf die Nutzung von Künstlicher Intelligenz konzentriert. Dieses Modul wird im kommenden Studienjahr in den Lehrplan des Examensstudiengangs integriert.

Integration von KI-Kompetenzen in die juristische Ausbildung

Die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen in die juristische Ausbildung zu integrieren, wurde jüngst in dem Thesenpapier „Hamburger Protokoll: KI-Edition“ unterstrichen, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Verantwortlich für das Papier sind prominente Akademiker wie Prof. Dr. Michael Grünberger, Prof. Dr. Tabea Bauermeister und Prof. Dr. Paulina Jo Pesch, die die wachsende Lücke zwischen beruflicher Realität und juristischem KI-Wissen identifizieren.

Ein Workshop an der Bucerius Law School im Dezember 2025 brachte Lehrpersonen, Studierende sowie Vertreter aus Justiz und Legal-Tech zusammen. Dabei wurde die Bedeutung von Kompetenzen hervorgehoben, die zukünftige Juristinnen und Juristen benötigen. Das Kompetenzmodell umfasst drei zentrale Bereiche:

  • Juristische Kernkompetenzen
  • Reflexive Technologiekompetenzen
  • Kommunikationskompetenzen

Besonders hervorgehoben wurde die Verifikationskompetenz, die als zentrale Schnittstelle zwischen juristischem Denken und Technologie betrachtet wird. Es wurde an die Notwendigkeit erinnert, ein kritisches Verständnis für generative Sprachmodelle zu entwickeln und die Bedeutung kommunikativer Fähigkeiten in einer zunehmend technisierten Arbeitswelt zu betonen.

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Vorschläge zur Reform der juristischen Ausbildung

Das Thesenpapier bietet zudem eine Reihe von Vorschlägen zur Integration von KI in die juristische Ausbildung. Diese reichen von geringfügigen Anpassungen bis hin zu strukturellen Veränderungen. Ein neues Lehrformat, das als Propädeutikumsmodell und Spiralenmodell bezeichnet wird, könnte entstehen, um KI-bezogene Fähigkeiten besser in bestehende Lehrveranstaltungen zu integrieren.

Wichtig ist auch die Diskussion über kompetenzbasierte Prüfungsformate. Hier wird ein Umdenken gefordert, um die Nutzung von KI nicht auszuschließen. Vorschläge für neue Prüfungsformate beinhalten Tages-Formate, Wochenformate, Portfolioprüfungen und Moot Courts. Diese Reformen sind jedoch mit Herausforderungen verbunden, insbesondere in Bezug auf Chancengleichheit und den Ressourcenbedarf für die Umsetzung neuer Formate.

Die Kooperation zwischen Milbank und der Bucerius Law School zeigt das ernsthafte Engagement, relevante Kompetenzen im Rechtssektor zu stärken. Dr. Steffen Oppenländer, Managing Partner von Milbank in Deutschland, betont die Wichtigkeit von KI-Kompetenzen und einem kritischen anwaltlichen Judiz. Die Bucerius Law School nutzt ihr Netzwerk aus Anwaltschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, um praxisnahe Ausbildungsangebote zu schaffen, die durch Förderpartner wie Milbank unterstützt werden.

Diese Entwicklungen sind ein wichtiger Schritt zur Stärkung der juristischen Ausbildung in Deutschland, wobei die digitale Souveränität und die Nutzung europäischer Systeme zentrale Themen bleiben. Der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis wird durch diese Initiative weiter gefördert, wie Beck Aktuell berichtet.