Kasseler Meisterwerk: Fußverkehrsplanung für eine bessere Zukunft!
Jerome Busch von der Universität Kassel wurde am 27. Juni 2026 für seine herausragende Masterarbeit ausgezeichnet. Er erhielt einen von zwei dritten Plätzen beim DVR-Förderpreis für seine Arbeit, die sich mit den Hindernissen und Erfolgsfaktoren in der Fußverkehrsplanung auseinandersetzt. Die Bedeutung des Fußverkehrs als Mobilitätsform in Deutschland ist nicht zu unterschätzen: Im Jahr 2022 wurden mehr als ein Viertel aller Wege zu Fuß zurückgelegt, was diese Fortbewegungsart zur zweitwichtigsten nach dem motorisierten Individualverkehr macht.
Busch untersuchte, unterstützt durch eine präzise Methodik aus Literaturanalyse und Experteninterviews, klare strukturelle Hindernisse, die einer fußverkehrsfreundlichen Planung im Wege stehen. Zu den zentralen Barrieren zählte er die traditionell hohe Priorisierung des Kfz-Verkehrs, mangelndes persönliches Engagement für den Fußverkehr sowie fehlende Offenheit für neue Lösungsansätze. Auch die Kommunikation und Entscheidungsprozesse in den politischen und administrativen Strukturen spielen hierbei eine entscheidende Rolle, ebenso wie finanzielle und personelle Engpässe sowie die Einflussnahme durch Verbände.
Erfolgsfaktoren der Fußverkehrsplanung
Um diesen Herausforderungen gegenüberzutreten, identifizierte Busch mehrere Erfolgsfaktoren. Eine stärkere Kommunikation sowie die Einbindung externer Expertise sind essenziell. Zudem schlägt er den verstärkten Einsatz von temporären Maßnahmen und Pilotprojekten vor. Diese Ansätze sollen auch die Anforderungen vulnerabler Gruppen, wie Senioren und mobilitätseingeschränkten Personen, berücksichtigen. Aus seiner Forschung resultierten 30 Musterlösungen für typische Planungssituationen, die als wertvolle Instrumente in der Fußverkehrsplanung dienen können.
Das Preisgeld von 1.500 Euro für die Masterarbeit wird im Rahmen des DVR-Förderpreises, der nunmehr zum 17. Mal verliehen wurde, überreicht. Neben Busch dürften auch die anderen Preisträger von Interesse sein: Melina Brock erhielt den ersten Platz für ihre Arbeit zu Sicherheitsgewinnen beim begleiteten Fahren ab 16 Jahren, und Sabrina Bittel belegte den zweiten Platz mit ihrer Forschung zu stressreduzierter Arbeitsorganisation zur Vermeidung von Mobilitätsunfällen.
Fußverkehrsstrategie des Bundesministeriums
Diese Auszeichnung erfolgt vor dem Hintergrund einer umfassenden Fußverkehrsstrategie, die das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Februar 2025 veröffentlicht hat. Diese Strategie hat das Ziel, das Zufußgehen als gleichberechtigte Mobilitätsform zu stärken und somit die Lebensqualität in Städten und Gemeinden zu erhöhen. Geplant sind Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit, Unterstützung der lokalen Wirtschaft und ein aktiver Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.
Ein zentrales Anliegen der Fußverkehrsstrategie ist es, Fußverkehr als Bestandteil der modernen, nachhaltigen Mobilität zu fördern. Dazu zählen gesetzliche Anpassungen, insbesondere die Novellierung der Straßenverkehrs-Ordnung, sowie gezielte Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Fußverkehrsinfrastruktur. Im Jahr 2024 standen dafür 2,5 Millionen Euro bereit, um innovative Modellvorhaben zu unterstützen. Das BMV hat die Förderung des Fußverkehrs bereits seit 2022 als eigenständiges Handlungsfeld etabliert.
Die Planung des Fußverkehrs erfolgt hauptsächlich auf kommunaler Ebene, wobei Aspekte wie sichere Querungen, barrierefreies Wegenetz und gute Beleuchtung berücksichtigt werden müssen. Regelmäßige Verkehrssicherheitsaudits und Bürgerbeteiligung an Planungsprozessen sollen sicherstellen, dass die Bedürfnisse der Fußgänger umfassend berücksichtigt werden. Zudem plant das BMV eine Studie, die empirische Daten zum Fußverkehrsverhalten der Bevölkerung liefern soll, um das Bewusstsein für die Belange der Zufußgehenden zu schärfen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und politischer Strategie entscheidend für die Verbesserung der Fußverkehrsbedingungen in Deutschland ist. Dies verdeutlicht, wie wichtig die Beachtung der Belange der Fußgänger für eine zukunftsfähige Mobilitätsgestaltung ist.
Für weitere Informationen zu den Themen Fußverkehr und Mobilität besuchen Sie bitte Uni Kassel sowie Bundesministerium für Verkehr.
