KI-Boom federt Weltwirtschaft ab, während Europas Eigenständigkeit und Deutschlands EEG unter Druck geraten
Uni Europa, 17.10.2026 – Bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Bangkok geht es um eine Weltwirtschaft, die trotz spürbarer Belastungen erstaunlich stabil bleibt. Unternehmen und Bürger stellen sich offenbar schneller auf veränderte Bedingungen ein, als viele Prognosen erwartet hatten. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung zählen allerdings auch die USA zu den Verursachern der aktuellen Probleme.
Ein wichtiger Puffer ist der Boom der Künstlichen Intelligenz. Er gleicht Rückgänge in anderen Wirtschaftssektoren vieler Länder teilweise aus – und wird ebenfalls den USA zugeschrieben. Für Europa liegt darin ein ziemlich deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: Der Kontinent müsse eigenständiger handlungsfähig werden.
KI hält die Weltwirtschaft auf Kurs
Der Internationale Währungsfonds erwartet weiterhin ein Wachstum der Weltwirtschaft von rund 3 Prozent. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sagte am Montag in Bangkok, hohe Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz seien ein wichtiger Wachstumstreiber. In dieser Woche findet dort die Herbsttagung des IWF statt.
Profitieren könnten vor allem asiatische Volkswirtschaften wie China, Indien und Thailand. Sie liefern neben den USA entsprechende KI-Hardware. In den wirtschaftlich entwickelteren Ländern Asiens könnte der KI-Boom das Wachstum um 0,5 bis 1 Prozentpunkt steigern, in den Schwellenländern Asiens um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte.
Am Dienstag will der IWF neue Prognosen für die Weltwirtschaft und wichtige Länder veröffentlichen. Im Juli hatte der Fonds für das laufende Jahr ein globales Wachstum von 3,0 Prozent prognostiziert und für 2027 ein Wachstum von 3,4 Prozent in Aussicht gestellt. Belastet wurde die Wirtschaft zuletzt durch hohe Energiepreise infolge des von den USA begonnenen Kriegs im Nahen Osten.
EEG gerät unter Zeitdruck
In Deutschland drängt derweil die Zeit beim Erneuerbare-Energien-Gesetz. Der Bundestag sollte das neue EEG laut taz ursprünglich am 16. Oktober verabschieden. Zwischen Union und SPD bestehen jedoch weiterhin Differenzen über das komplexe Gesetz und das damit verknüpfte Gesetz zum weiteren Netzausbau.
Für neue Wind- und Solaranlagen wird die Lage dadurch zunehmend knapp. Die Finanzierung muss gesichert werden, während die EU-Kommission das Gesetz bis zum Jahresende genehmigen muss. Wirtschaftsministerin Reiche wird für den Zeitdruck verantwortlich gemacht: Sie habe seit ihrem Amtsantritt vom Auslaufen des bisherigen EEG gewusst, aber erst im Sommer einen Entwurf vorgelegt.
Zusätzlich habe sie das EEG mit dem umstrittenen Netzanschlusspaket verbunden. Zwei große Baustellen auf einmal – und nun läuft die Uhr.
Elektroautos: Prämie mit Haken
Der Markt für Elektroautos wächst stark, doch deutsche Hersteller profitieren davon weniger als ausländische Konkurrenten. Die staatliche Kaufprämie gilt ausschließlich für Privatkunden. Gerade unter diesen sind ausländische Marken besonders gefragt.
Deshalb gibt es Forderungen, die Prämie abzuschaffen oder auf in Europa produzierte Modelle zu beschränken. Die Neue Osnabrücker Zeitung hält beide Maßnahmen jedoch nicht für sinnvoll, weil sie dem Klimaschutz nicht helfen würden.
Außerdem ließen sich außereuropäische Hersteller damit nicht vollständig aus dem Rennen nehmen. Tesla produziert in Brandenburg, chinesische Hersteller planen eigene Werke in Europa. Eine Einschränkung nach Herkunft klingt also zunächst geradlinig, wird in der Praxis aber schnell ziemlich verwinkelt.
