Am 23. Juni 2026 gab die Universität Göttingen bekannt, dass Prof. Dr. Birgit Abels den ERC Advanced Grant über 2,6 Millionen Euro erhalten hat. Das bemerkenswerte Projekt trägt den Titel „Vibrant Environmentality: Sonic Agentivity in the Anthropocene“ (VibE) und wird über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt. Abels will in diesem Rahmen erforschen, wie Menschen durch Hören ihre Umwelt gestalten und wie Musik als Antwort auf existenzielle Krisen fungieren kann.

Die Förderung folgt auf einen ERC Consolidator Grant, den Abels im Jahr 2020 erhielt. Ihr aktuelles Vorhaben soll die Rolle des Klangs in der Entstehung gelebter Realitäten und der menschlichen Handlungsfähigkeit untersuchen. Bei ihrer Forschung betont Abels die Tragweite von klangbasierten Praktiken zur Gestaltung des Umweltbewusstseins.

Forschungsschwerpunkte und Fallstudien

Abels, die Arabistik und Musikwissenschaft an den Universitäten Bochum und London studierte, hat zahlreiche Fallstudien aus Asien und der pazifischen Inselwelt in ihre Arbeit integriert. Diese sollen dazu beitragen, ökologische Weisheiten im Musikmachen zu verstehen. Ihre Promotion über die Musik des Inselstaates Palaus wurde mit dem ICAS Book Prize 2009 ausgezeichnet.

Im Rahmen ihrer Karriere hat Abels umfassende Feldforschungen in Indien, Mikronesien und Südostasien durchgeführt. Zudem war sie in leitenden Positionen als Postdoc in Leiden, Amsterdam und Kota Kinabalu aktiv. Ihre Forschung konzentriert sich besonders auf die Leiblichkeit musikalischer Erfahrungen sowie klangbasierte Epistemologien und die Phänomenologie von Musik in postkolonialen Kontexten. Seit 2011 ist sie Professorin für Kulturelle Musikwissenschaft und Musikethnologie an der Universität Göttingen.

Digitale Vortragsreihe zum Thema Anthropozän

Parallel dazu startet die Universität Würzburg eine digitale Vortragsreihe, die sich mit den Veränderungen der Welt durch Klimawandel, Artensterben, Kriege und Völkerwanderungen befasst. Diese Veranstaltungsreihe, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Nürnberg organisiert wird, behandelt unter anderem die Klangwelten der Erde und deren Transformation durch menschliches Handeln.

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In den Vorträgen wird der Begriff Anthropozän in den Mittelpunkt gerückt, um das von Menschen geprägte Zeitalter zu reflektieren. Hierbei stehen Fragen zur Wahrnehmung von Klängen, dem Verlust vertrauter Geräusche und dem Hören der Umwelt im Fokus. Ziel der Reihe ist es, ein Verständnis für Umweltsounds, den Klang der Vielen, organisierten Sound und die künstlerischen Aspekte der Klangwahrnehmung zu entwickeln.

Die digitale Durchführung dieser Vortragsreihe ermöglicht eine kostenlose Teilnahme ohne Anmeldung. Der Veranstaltungszeitraum erstreckt sich über mehrere Monate, mit interessanten Themen, die von verschiedenen Experten behandelt werden.

  • 08. November 2022: Lisa Herrmann-Fertig (Nürnberg) – Multispecies Ethnomusicology
  • 22. November 2022: Ludwig Berger (Zürich/Mailand) – Melting Landscapes
  • 13. Dezember 2022: Patricia Jäggi (Luzern) – Icelandic Silences
  • 31. Januar 2023: Aaron S. Allen (Greensboro) – Ecomusicological Listening as Activism
  • 07. Februar 2023: Simon Butler (Norwich) – The Diminuendo of Diversity

Weiterführende Informationen und der Zoom-Link für die Teilnahme an der Reihe sind hier verfügbar.

Abels’ wegweisende Arbeit und die Vortragsreihe der Universität Würzburg zeigen eindrücklich, wie klangliche Dimensionen in das Verständnis unseres Anthropozäns integriert werden können. Musik und Klang stellen nicht nur kulturelle Werte dar, sie sind auch Schlüssel zu nachhaltigen Lösungen in Krisenzeiten.