Am 22. Oktober 2026 hat die Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg sieben Nachwuchsforschende mit dem KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation ausgezeichnet. Prämiert wurden sechs allgemeinverständliche Artikel über Dissertationen und eine Infografik. Die Preisvergabe liegt damit nur wenige Tage zurück – heute ist der 26.10.2026.

Rund 250 Promovierte hatten Beiträge für den Wettbewerb eingereicht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Medienschaffende begutachteten die Einsendungen in einem dreistufigen Verfahren. Für jede ausgezeichnete Person gibt es 7.500 Euro.

Sieben Themen, sieben Zugänge

In der Biologie erhielt Dr. Phil Richter von der Technischen Universität München den Preis für „Gute Nachrichten für Rosenkohlverweigerer“. Bitterstoffe können gesund sein; einige entstehen allerdings erst im Magen und sind deshalb vorher gar nicht schmeckbar. Für Menschen, die beim Gemüse eher lange Zähne machen, ist das zumindest eine kleine gute Nachricht.

Dr. Hannes Westphal von der Universität Leipzig wurde in der Chemie für „Das Labor im Briefmarkenformat“ ausgezeichnet. Seine Arbeit beschäftigt sich mit „Lab-on-a-Chip“-Systemen – extrem kleinen chemischen Laboren, die preiswert sind und unter anderem bei Katalysatortests eingesetzt werden können.

Aus der Informatik kommt Dr. Daniel Racek von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Beitrag „Den Datennebel im Krieg lichten“ zeigt, wie Radarsatelliten regelmäßig frei verfügbare Erdbeobachtungsdaten liefern. Die Aufnahmen funktionieren unabhängig von Wetter und Tageslicht und können helfen, Kriegsschäden zu bewerten.

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Mathematische Unterstützung bei der Wirkstoffsuche beschreibt Dr. Julian Mangott von der Universität Innsbruck in „Mit Mathe schneller zur Arznei“. Computersimulationen werden bei der Suche nach neuen Wirkstoffen immer häufiger eingesetzt. Doch selbst Supercomputer stoßen dabei oft an Grenzen. Ein mathematischer Ansatz kann solche Simulationen erleichtern.

Dr. Meike Hettwer von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf widmet sich in „Das Gehirn im Umbau“ dem Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter. In dieser umfassenden Entwicklungsphase ist das Gehirn besonders anfällig für psychische Krisen.

In der Physik ging die Auszeichnung an Dr. Thomas Arne Hensel von der Universität Heidelberg. Sein Beitrag „Licht aus, Film ab“ handelt von Proteinen, die laufend ihre Form verändern. Eine neue Methode machte erstmals die schnellen Formänderungen einer künstlichen DNA-Struktur sichtbar. Künftig könnte damit beobachtet werden, wie Proteine bei ihrer Arbeit ihre Gestalt wechseln.

Die Infografik „Die Nadel im Heuhaufen“ stammt von Dr. Felix Spiske von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Manche Stoffe kommen im Wasser in kaum messbaren Konzentrationen vor. Eine neue Methode verstärkt ihren molekularen Fingerabdruck. Gegenstand der Darstellung ist „feste Luft“.

Wissenschaft, die nicht im Fachjargon stecken bleibt

Den KlarText-Preis vergibt die Klaus Tschira Stiftung seit 1997. Er soll die Kommunikationskompetenz junger Forschender stärken, den Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit fördern und zeigen, warum fachübergreifende Wissenschaftskommunikation zählt. Das ist weniger Nebensache, als es manchmal klingt: Eine Dissertation kann hochspezialisiert sein – verständlich darüber zu sprechen, ist eine eigene Fähigkeit.

Ausgeschrieben wird der Preis jedes Jahr. Bewerben können sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den beiden vorhergehenden Jahren in Biologie, Chemie, Informatik, Geowissenschaften, Mathematik, Neurowissenschaften oder Physik promoviert wurden. Auch angrenzende Fachgebiete sind zugelassen, wenn sich die Arbeit einem dieser sieben Bereiche zuordnen lässt.

Gesucht werden Beiträge, die eine Doktorarbeit für ein nichtwissenschaftliches Publikum erklären: als allgemein verständlicher Artikel oder als anschauliche Infografik. Der beste Artikel und die beste Infografik erhalten jeweils 7.500 Euro. Die prämierten Beiträge werden außerdem im Wissensmagazin „KlarText“ veröffentlicht, die Preisträgerinnen und Preisträger in das aktive Alumni-Netzwerk der Klaus Tschira Stiftung aufgenommen.

Wer sich an die eigene Bewerbung macht, kann sich vorbereiten. Für alle Bewerberinnen und Bewerber stehen E-Learning-Angebote zu „Verständlich Schreiben“ oder zu den „Grundlagen der Wissenschaftskommunikation“ bereit. Als weiterführendes Angebot verweist die Stiftung auf das KlarText-Magazin zur verständlichen Wissenschaftskommunikation.

Und in Freiberg? Dort, an der TU Freiberg, liegt der Bezug zum ausgezeichneten Beitrag über „feste Luft“ besonders nahe. Zwischen Labor, Grafik und dem Versuch, komplizierte Dinge ohne sprachliche Stolperfallen zu erklären, zeigt sich, wie verschieden Forschung klingen kann – manchmal nach Rosenkohl, manchmal nach Satellitenbildern, manchmal nach einem Labor im Briefmarkenformat.