In Kolkwitz wird ein innovatives Projekt realisiert, das den Weg für nachhaltiges Bauen in der Region ebnet. Dort wird ein Sportlerheim aus 88 Betonplatten eines umgebauten Wohnblocks in Großräschen errichtet. Diese Betonplatten, die bis zu sechs Meter lang und knapp sechs Tonnen schwer sind, stammen aus dem Konzept des „ReUse Hub“, das vom Ingenieurbüro Peter Jähne in Cottbus umgesetzt wird. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) begleitet das Bauvorhaben wissenschaftlich, was dem Projekt zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht. Der Abschluss der Bauarbeiten ist für dieses Jahr geplant.

Prof. Mettke, die an der BTU das Arbeitsgebiet Bauliches Recycling leitet, ist maßgeblich an der Entwicklung zeitgemäßer Verfahren zur Wiederverwendung von Bauteilen beteiligt. Sie ist Pionierin in diesem Bereich und arbeitet zudem an dem EU-geförderten Horizon-2020-Projekt „ReCreate“. Dieses Projekt zielt darauf ab, Verfahren und Standards für die systematische Wiederverwendung von gebrauchten Betonfertigteilen zu entwickeln. Mettke sieht gebrauchtes Baumaterial nicht als Altlast, sondern als wertvolle Ressource und betont die erheblichen Einsparpotenziale, die durch die Weiternutzung von Bauteilen realisiert werden können.

Nachhaltigkeit durch Ressourcenschonung

Mettke erläutert, dass die Wiederverwendung von Bauteilen bis zu 97 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen kann, die bei der Neuproduktion anfallen. Sie betont, wie wichtig die Entwicklung von Vermarktungsplattformen für wiederverwendbare Bauteile ist, um nachhaltiges Bauen zu fördern. Diese Ansätze stehen im Einklang mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die im Bauwesen bisher noch nicht weit verbreitet sind.

Eine umfassende Analyse zeigt, dass Bau und Rückbau von Gebäuden in Deutschland für 8 % der CO₂-Emissionen verantwortlich sind. Der Bausektor verbraucht zudem 90 % der mineralischen Rohstoffe und erzeugt mehr als die Hälfte des gesamten Abfallstroms. Der Bedarf an Baumaterialien wie Zement, Stahl, Sand, Kunststoffen und Holz führt zur Zerstörung wertvoller Naturräume. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordern Organisationen wie die DUH Maßnahmen zur Steigerung der Ressourcenschonung. Dazu gehören unter anderem die Nutzung langlebiger Materialien, die verflochtene Planung von Rückbau und Wiederverwendung sowie das Fördern von Gebäudewartung statt Abriss.

Herausforderungen und Lösungen

Trotz der vorhandenen Möglichkeiten sind viele Gebäude überflüssig, wodurch große Mengen an Abfall entstehen. Jedes Jahr entstehen rund 229 Millionen Tonnen Bauabfälle, von denen nur ein Bruchteil aufbereitet und wiederverwendet wird. Lediglich 13 % der eingesetzten Baustoffe kommen aus Recycling-Materialien. Um dies zu ändern, müssen die bestehenden Bauordnungen modernisiert und komplizierte Normen vereinfacht werden.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Projekt in Kolkwitz dient nicht nur als Modell für innovative Bauweisen, sondern auch als Beispiel für regionale Forschung, die praktische Lösungen zur Ressourcenschonung bereitstellt. Der WWF fordert im Zuge dessen strengere Genehmigungen für Abrissmaßnahmen, um Sanierungen und Umnutzungen zu fördern und so einen nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen zu gewährleisten.

Der aktuelle Zustand des Bausektors und die damit verbundenen Herausforderungen machen deutlich, dass eine zirkuläre Bauweise dringend erforderlich ist. Um zukünftige Generationen nicht nur mit minimalen Umweltauswirkungen, sondern auch mit nachhaltigen Lösungen für das Bauen und Wohnen zu versorgen, müssen Rückbau und Materialwiederverwendung in den Mittelpunkt zukünftiger Planungen gerückt werden.