Kriminalität im Rückgang: Warum steigen Sexualdelikte trotz Statistik?
Am 17. Juli 2026 wird im Rahmen von zwei umfangreichen Meta-Analysen, an denen die FernUniversität in Hagen beteiligt ist, die Effektivität von Kriminalprognoseverfahren untersucht. Diese Studien beleuchten die Bedeutung von präzisen Vorhersagen im Zusammenhang mit Gewalt- und Sexualstraftaten, die sowohl körperliches als auch psychisches Leiden verursachen und langfristige Schäden sowie indirekte Kosten mit sich bringen. Laut dem Bundesfamilienministerium wird eine von sieben Frauen in Deutschland im Verlauf ihres Lebens Opfer sexueller Gewalt, was die Dringlichkeit dieser Untersuchungen unterstreicht.
Eine bundesweite Auswertung zeigt, dass etwa ein Viertel der Täter, die Körperverletzungsdelikte begangen haben, innerhalb von zwölf Jahren rückfällig wird. Im Gegensatz dazu sind die Rückfallraten bei Sexualstraftätern zwar niedriger, dennoch existieren auch hier Wiederholungstäter. Die Prognoseverfahren, die in den Meta-Analysen bewertet werden, dienen dazu, Merkmale zu identifizieren, die ein erhöhtes Rückfallrisiko suggerieren. Die Studien analysieren Daten von über 150.000 Sexualstraftätern und erweitern frühere Forschungsergebnisse zu Gewaltrückfällen.
Risikoprognosen und deren Effektivität
Die Ergebnisse der Meta-Analysen zeigen vielversprechende Effektstärken für die Risikoprognosen: d = 0,73 für Sexualstraftaten und d = 0,76 für Gewaltstraftaten. Werte über 0,50 gelten als mittelgradig, während Werte über 0,80 starke Effekte anzeigen. Dabei kommt eine innovative Methodik der Netzwerk-Meta-Analyse zum Einsatz, die indirekte Vergleiche zwischen verschiedenen Prognoseverfahren ermöglicht. Diese Ergebnisse sollen Fachleuten helfen, geeignete Verfahren auszuwählen, um behandlungsbedürftige Straftäter zu identifizieren und gegebenenfalls zu intervenieren.
Professor Mokros, ein führender Forscher im Umfeld dieser Studien, weist auf einen möglichen Deckeneffekt bei biografischen Verfahren hin und fordert die Entwicklung alternativer Ansätze. Eine vielversprechende Richtung sind insbesondere KI-Anwendungen, die als Verbesserung in der Auswertung von Fallinformationen betrachtet werden. Ebenfalls könnte die Erhebung problematischer Verhaltensweisen nach Haftentlassung eine direkte Intervention ermöglichen, um Rückfälle zu verhindern.
Kriminalstatistiken im Vergleich
Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeigt einen Rückgang der Gesamtkriminalität um 5,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der registrierten Straftaten liegt bei 5.508.559, was einen signifikanten Rückgang darstellt. Besonders im Bereich der Gewaltkriminalität, insbesondere bei Raubdelikten, ist ein positiver Trend zu verzeichnen. Im gleichen Atemzug werden jedoch auch steigende Zahlen bei Sexualdelikten und Wohnungseinbruchdiebstahl verzeichnet.
| Kategorie | Zahl der Straftaten | Änderung im Vergleich zu 2024 |
|---|---|---|
| Gesamtzahl registrierter Straftaten | 5.508.559 | -5,6 % |
| Gewaltkriminalität | 212.335 | -2,3 % |
| Sexualdelikte | 131.335 | +2,8 % |
Interessanterweise bleibt die Aufklärungsquote stabil bei 57,9 %, während die Zahl tatverdächtiger Kinder um 6,4 % und die tatverdächtigen Jugendlichen um 10,4 % zurückgegangen sind. Dennoch stieg der Anteil tatverdächtiger Kinder an allen Tatverdächtigen im Jahr 2025 auf 4,6 %.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Forschung zu Kriminalprognoseverfahren und die aktuellen Kriminalstatistiken ein komplexes Bild der Sicherheitslage in Deutschland zeichnen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Diese Erkenntnisse auf die zukünftige Kriminalpolitik auswirken werden.
Für weiterführende Informationen zu den Meta-Analysen verweisen wir auf die Berichte der FernUniversität in Hagen, die Details zur Effektivität von Prognoseverfahren liefern. Zudem bietet die PGR umfassende Einblicke in die Erstellung von Kriminalprognosen. Für die neuesten Kriminalstatistiken und deren Auswirkungen siehe das Bundeskriminalamt.
