Eine neue Studie der Universität Tübingen beleuchtet die Matua, eine religiöse Gemeinschaft, die über 50 Millionen Mitglieder zählt und in Indien, Bangladesch sowie 32 weiteren Ländern lebt. Trotz der Herausforderungen durch Vertreibung und Migration hat der Zusammenhalt innerhalb dieser Gemeinschaft in den letzten Jahren stark zugenommen. Professorin Carola Lorea, die über ein Jahrzehnt Feldforschung zur Matua durchgeführt hat, dokumentiert diese dynamische Entwicklung in ihrer neuesten Monografie.

Die Matua, deren Glaubensüberzeugungen im 19. Jahrhundert in Bangladesch als Reformbewegung des Hinduismus entstanden, haben einen besonderen sozialen Hintergrund. Die Mitglieder stammen größtenteils aus der Namashudra-Gemeinschaft, einer marginalisierten Kaste, die häufig in verwahrlosten Gebieten als landlose Bauern oder Fischer lebt. Dies führt zu einer strikten Beeinflussung ihrer Lebensverhältnisse durch das indische Kastensystem, das soziale Status, Berufe und Heiratsmöglichkeiten nahezu ausschließt.

Religiöse Praktiken und soziale Mobilisierung

Ein zentrales Element der Matua-Kultur besteht aus religiösen Liedern, die von Trommelrhythmen und anderen Instrumenten, wie Zimbeln und Saiteninstrumenten, begleitet werden. Priester-Sänger spielen dabei eine zentrale Rolle; sie reisen oft über große Distanzen, um an verschiedenen religiösen Versammlungen teilzunehmen. Diese praktischen Formen des Glaubens stärken das Gemeinschaftsgefühl unter den Matua.

Wichtige Entwicklungen in der Geschichte der Matua sind die politischen Spannungen in Südasien, die durch die Trennung Indiens von Pakistan 1947 und die endgültige Abspaltung Bangladeschs im Jahr 1971 geprägt wurden. Diese Ereignisse führten zu massiven Migrationen, wobei viele Matua in West-Bengalen Schutz suchten, während andere in Bangladesch blieben – wo heute noch circa zehn Millionen Matua leben.

In West-Bengalen gelten die Matua als „Scheduled Castes“, was oft zu unklaren Staatsbürgerschaften und sozialer Ausgrenzung führt. Angesichts dieser Diskriminierung organisieren sie sich aktiv, um für ihre Rechte zu lobbyieren. Politische Versammlungen finden häufig an den religiösen Versammlungsorten statt, was die Bedeutung des Glaubens für die soziale Mobilisierung der Matua unterstreicht.

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Wachsende politische Presence

Die Matua-Gemeinschaft hat sich als gut organisiert erwiesen und kann durch ihre Wählerstärke Einfluss auf Wahlen ausüben. Dies hat zu einem wachsenden politischen Interesse an ihren Belangen geführt. Bemerkenswert ist, dass indische Premierminister, darunter Narendra Modi, in den Jahren 2019, 2021 und 2026 zentrale Heiligtümer der Matua besuchten, was den politischen Stellenwert dieser Gemeinschaft nochmals verdeutlicht.

Professorin Lorea lebte während ihrer Forschung unter einfachen Bedingungen in West-Bengalen und erfasste Lieder und Geschichten der Matua im Rahmen ihrer ethnografischen Studie, die sie als „Ethnografie des Klangs“ bezeichnet. Diese Methode ermöglicht es, den kulturellen und sozialen Reichtum der Matua detailliert darzustellen, während sie gleichzeitig auf die Herausforderungen hinweist, mit denen diese Gemeinschaft konfrontiert ist.

Die Ergebnisse ihrer Forschung schaffen ein tieferes Verständnis für die Matua und betonen, über welche Ressourcen die Gemeinschaft verfügt, um sich gegen die bestehende Diskriminierung zur Wehr zu setzen. uni-tuebingen.de verdeutlichen, dass die Matua trotz aller Widrigkeiten in der Lage sind, ihre kulturelle Identität zu bewahren und eine Stimme in der politischen Landschaft Südasiens zu finden.